Ludwigshafen Lernen an der Konsole: BASF eröffnet virtuelles Ausbildungstechnikum

Albert Perquku erkundet mit VR-Brille das virtuelle Technikum.
Albert Perquku erkundet mit VR-Brille das virtuelle Technikum.

In der Ausbildung setzt die BASF seit einigen Jahren verstärkt auf digitale Technologien. Zum neuen Ausbildungsjahr geht der Chemiekonzern noch einen Schritt weiter und nimmt ein virtuelles Ausbildungstechnikum in Betrieb. Lernen mit VR-Brille und Controller dient auch der Sicherheit. Wir erklären warum.

Virtual Reality (VR), übersetzt „Virtuelle Realität“, kennen viele nur aus dem Bereich Videospiele. Dabei wird die Wirklichkeit in einer computergenerierten und interaktiven Umgebung abgebildet. Angehende Chemikanten der BASF dürfen diese Technik ab August für ihre Ausbildung in Ludwigshafen nutzen.

Detailgetreue 3D-Abbildung

Das „reale“ Ausbildungstechnikum gibt es dort bereits seit gut 20 Jahren. Azubis üben hier an nachgebildeten Anlagen, um ein Gefühl für die späteren Handlungsabläufe zu entwickeln. Für die virtuelle Version wurde ein 3D-Modell des zirka 120 Quadratmeter großen Technikums detailgetreu angefertigt. Daraus sei dann eine VR-Anwendung entwickelt worden, in der sich der Nutzer per Controller und VR-Brille frei bewegen kann.

Bevor die Auszubildenden in das reale Technikum dürfen, sollen sie die Anlage vorab virtuell begehen. Die Idee dahinter: Die spielerische Herangehensweise soll helfen, die Anlage besonders gut kennen zu lernen. Außerdem würde das auch die Sicherheit fördern. Neben Experimenten sollen nämlich auch Fehlerszenarien geprobt werden – ohne „reale“ Konsequenzen.

Fehler wollen geübt sein

Albert Perquku, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, zeigt, wie so ein Fehlerszenario im virtuellen Technikum aussieht. Ein Ventil nicht aufgedreht – und mit einem lautem Zischen kommt Dampf aus einer Anlage. Ausbilder Mirko Labroue erklärt entspannt die weiteren Schritte, der Azubi kann den Schaden beheben. „Ich fühle mich seit meiner Arbeit am Simulator sicherer“, sagt der 19-jährige Perquku. Da er viel Erfahrung habe mit dem „Gaming“ – also dem Spielen an der Konsole – sei er mit der Technik sehr schnell zurechtgekommen. „So zu lernen ist gut und macht viel Spaß.“ Es sei eine sehr gute Ergänzung zu der für ihn spannenden Ausbildung.

Bekannte Optik

„Ist das nicht alles Spielerei, werden sich viele fragen. Ja – die Technologie kommt aus der Spielewelt. Weiterentwickelt kann sie aber zu einem richtigen Profi-Werkzeug werden“, sagt der Ludwigshafener Werksleiter Uwe Liebelt.

Die Optik erinnert tatsächlich stark an Konsolenspiele. Es gibt sogar einen virtuellen Umkleideraum, in dem die Azubis die Figuren im Programm (Avatare) entsprechend ihrer Aufgaben mit Sicherheitskleidung ausstatten können. Dabei werden in einem separaten Fenster die einzelnen Gefahrenstoffe in der Anlage erklärt. Im virtuellen Technikum besteht sogar die Möglichkeit, sich technische Daten und Modelle der einzelnen Apparaturen aus dem Lehrbuch aufzurufen.

Auch für weitere Ausbildungsberufe

„Wir haben hier eine maßgeschneiderte Technologie entwickelt und können mit Stolz sagen, dass die BASF als Vorreiter der Digitalisierung der Chemiebranche weltweit gilt“, sagt Uwe Liebelt. Das wolle man als ganz klaren Wettbewerbsvorteil nutzen. Gut 500.000 Euro hat die BASF allein in die Technik des VR-Projekts investiert. Hinzu komme noch die immense Arbeit der Programmierer und Spezialisten.

Die VR-Technologie soll noch für weitere Ausbildungsberufe entwickelt werden. „Sie ist nicht nur ein Baustein, sondern ein Meilenstein in der digitalen Ausbildung“, meint Markus Hermann, Leiter der Aus- und Weiterbildung. Die BASF bietet rund 30 verschiedene Ausbildungsberufe an. Ende 2019 zählte das Unternehmen 2300 Auszubildende.

Auch im virtuellen Technikum ist Zusammenarbeit gefragt.
Auch im virtuellen Technikum ist Zusammenarbeit gefragt.
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