Ludwigshafen Lehrstunde für Freaks

Gitarrist Vinnie Moore geht wieder solo auf Tour. Lange Jahre hat er bei der Band Ufo die Leadgitarre gespielt. Doch deren Chef Phil Mogg hat die Auflösung bekanntgegeben. Moore hat als Gitarrenvirtuose seine eigenen Fans, wie bei seinem Auftritt im 7er Club in Mannheim zu sehen war. Die konnten ihm direkt auf die flinken Finger gucken.
Angeblich sind für viele Rock-Gitarristen die gesungenen Strophen nur die Wartezeit vor dem Solo. Vinnie Moore lässt bei seinen Stücken die lästigen Gesangsparts einfach weg und kommt gleich zur Sache. Seine Rhythmusgruppe, drei Italiener, machen ordentlich Dampf. Und so geht es auch jedes Mal direkt zur Sache: Der gut gelaunte Meister fuddelt los, und wenn das Thema durch ist, wird noch schneller übers Griffbrett geflitzt. Derweil drücken Emiliano Tessitore an der zweiten Gitarre und Marco Polizzi am Bass meist parallel harte Riffs ab, und Roberto Pirami am Schlagzeug langt ordentlich hin. Alle drei verbinden Power und Präzision. Vinnie Moore gehört zu den Gitarrenhelden, die in den 80er-Jahren der Rockgitarre eine neue Dimension der Virtuosität eröffnet haben. Bis dahin war das Spiel der E-Gitarre noch sehr vom Blues geprägt. Jimi Hendrix hat Ende der 60er das Gitarrenspiel elektrifiziert, aber die Noten, die er spielte, stammten aus der Bluestonleiter. Eddie van Halen hat neue Techniken entwickelt, die für anspruchsvolle Rock-Gitarristen heute Pflicht sind. Vinnie Moore, Jahrgang 1964, und damit zehn Jahre jünger als van Halen, begründete seinen Ruf auf demselben Weg wie sein älterer Kollege: Er schickte einige Demo-Aufnahmen ans Guitar Player Magazin, um zu zeigen, was er drauf hat. Das Fachmagazin war beeindruckt und stellte ihn vor. Wirklich neu erfunden hat er eigentlich nichts. Aber er ist eben auf dem Stand der Spieltechnik – und das war im 7er Club deutlich zu hören. Aber während van Halen seine Gitarrentechniken lange Zeit für sich zu behalten versuchte und sich deshalb bei Konzerten vom Publikum wegdrehte, war Moore schnell als Lehrer spektakulären Gitarrenspiels bekannt. Auf VHS-Videos spielte er Sachen vor und erklärte Ton für Ton, wo welcher Finger hin muss und wie das Plektrum zu bewegen ist. Im 7er Club gab es ein paar Zuhörer vor der Bühne, die sich stellenweise ihr eigenes Lehr-Video mit dem Handy filmten und die Kamera direkt auf Moores Finger hielten. Shrapnel Records – spezialisiert auf Hochgeschwindigkeitsgitarristen – nahm ihn 1987 für eine Soloplatte unter Vertrag. Alice Cooper holte ihn dann für Studioarbeit und Touren. 2003 kam Moore zu Ufo, für die er neue Stücke schrieb. Parallel dazu war er immer wieder unter eigenem Namen unterwegs und gab weltweit in Workshops sein Wissen weiter. Für Gitarren-Nerds war Moores Auftritt sicher spannend. Aus musikalischer Sicht ist es ein bisschen schade, dass fast ausschließlich das virtuose Spiel präsentiert wird. Melodien, die im Ohr bleiben, ein paar gesangliche Linien vermisst man nach einiger Zeit. Manche Stücke klingen arg nach technischer Etüde.