Fußball
Lehrstunde für Arminia Ludwigshafen
Vor dem Anpfiff war Arminia-Trainer Chris Chorrosch noch zuversichtlich. „Gegen den 1. FC Kaiserslautern II und den FK Pirmasens hatten wir jeweils gute Phasen im Spiel. Vielleicht können wir heute gegen die dritte Spitzenmannschaft etwas mitnehmen“, sagte der Coach hoffnungsvoll. Er hatte sein Team gegenüber dem mit 4:0 gewonnenen Verbandspokalspiel am Mittwoch in Hermersberg auf drei Positionen geändert. Hasan Yalcinkaya, Jannik Dörr und Marvin Takpara blieben auf der Bank. Dafür rückten neben Giuliano Cultrera die beiden Innenverteidiger Wal Fall und Marco Metzger ins Team. Das Duo spielte erstmals zusammen und sollte der Abwehr Halt geben.
Diese Idee pulverisierten die spielfreudigen Mainzer schon nach vier Minuten. Die Gastgeber bekamen einen Freistoß in der Nähe des Mainzer Tores, der abgewehrt wurde. Der nun folgende Konter des TSV Schott gab einen Vorgeschmack auf das, was folgen wird: Im Eilzugtempo preschte der kaum zu haltende Eliakim-Mbila Kukanda in die Arminia-Hälfte, spielte einen tollen Pass, und auch wenn der Ball nur über einen Umweg zu Jost Mairose kam, schloss der zur Führung ab. Warum Schott seit dem 31. August ohne Punktverlust ist und in dieser Zeit 13 Oberliga- und drei Pokalspiele in Serie gewonnen hat, wurde in den ersten 45 Minuten, die einer Vorführung glichen, mehr als deutlich.
Es geht zu schnell für die Gastgeber
Der Titelkandidat überzeugte mit großer Ballsicherheit, hohem Tempo, Spielfreude und zog ein imponierendes Pressing auf, an dem sich das gesamte Team beteiligte. Die Arminia hatte dem nicht viel entgegenzusetzen. „Mainz hat eine höhere Einzelqualität. Da kennt jeder seine Aufgabe, sie jagen den Ball regelrecht. Mit solchen Teams können wir uns nicht messen“, erklärte der Trainer. Seine Mannschaft war in der ersten Hälfte total überfordert, hatte keinen Zugriff, eine schlechte Positionierung und war schlicht überfordert. Auffällig, dass die Arminen gedanklich und körperlich zu langsam waren. Der Belegt dafür: Alle drei Gelbe Karten bis zur Pause wurden für Fouls gezeigt, bei denen die Ludwigshafener jeweils einen Schritt zu spät kamen.
Beim zweiten Treffer von Schott, als Innenverteidiger Nils Gans einen Eckball von Etienne Portmann wuchtig, aber auch ungestört einköpfte, sah die Arminia ganz schlecht aus (28.). Das Positive an der ersten Hälfte war der Spielstand. Angesichts von neun klasse herausgespielten Chancen, hätten die Gäste höher führen können. „Den Auftritt dürfen wir nicht schönreden. Das war ein Klassenunterschied“, räumte Chorrosch ein.
Es wird nur phasenweise etwas besser
Nach Wiederbeginn ließen die hohe Intensität und Zielstrebigkeit bei Schott etwas nach. „Wir haben auf Dreierkette umgestellt und mit den Schienenspielern die Flügel abdichten können. Phasenweise war es dann besser“, verdeutlicht der Coach. Dennoch blieb der FCA in 90 Minuten ohne eine gute Aktion im gegnerischen Strafraum.
Das 3:0 besorgte ein Duo, das just eingewechselt worden war. Ismael Wiegand schaltete den Turbo ein, ließ mehrere Arminen stehen, spielte den Ball parallel zur Torlinie nach innen, wo Righteous Vodi gedankenschnell vollstreckte (71.). Die beiden und der spät gekommene frühere Arminia-Spieler Lennart Thum würden in den meisten anderen Vereinen in der Startformation stehen.
Fair-play-Preis für Antonaci
Einen Grund zur Freude hatten die Arminen in Person von Ricardo Antonaci dennoch. Der 29-jährige Mittelfeldspieler wurde von Klaus Rings, dem Vorsitzenden des Fußball-Kreises Rhein-Pfalz, ausgezeichnet. „Antonaci hat den Fair-Play-Preis im Monat September gewonnen, weil er sich vorbildlich verhalten hat“, sagte Rings. Antonaci hatte im Verbandspokal in Mutterstadt beim Schiedsrichter, der einem Akteur der FG 08 die Rote Karte gezeigt hatte, interveniert, weil ein Fehlverhalten nicht vorgelegen hatte. Der Referee revidierte seine Entscheidung und die Mutterstadter konnten zu elft weiterspielen.
Dies geschah beim Stand von 3:2 für den FCA – die Begegnung war also nicht entschieden. Ricardo Antonaci erhielt neben Urkunde und Sachpreis auch eine Einladung zu einer Veranstaltung des Verbands, wo alle Monatssieger noch einmal geehrt werden. Dass Fußball mehr ist, als nur ein 90-minütiger Kampf um den Sieg, hat er eindrucksvoll bewiesen.