Ludwigshafen
Laufveranstalter und Zeitmessfirmen über 2020: Von Behörden schikaniert
Der Dezember ist normalerweise gut gefüllt mit Laufveranstaltungen: Nikolauslauf in Haßloch, Winterlaufserie in Rheinzabern, Silvesterläufe in Schifferstadt und Heddesheim, um nur vier Wettkämpfe in der Umgebung zu nennen. Doch die Corona-Richtlinien und Hygienevorgaben lassen den Veranstaltern keine Wahl, zwingen sie zu Absagen. Sportvereine sind dennoch kreativ und stellen eigene, in der Regel interne Challenges auf die Beine. Was bedeuten die Absagen für die Vereine und welche Auswirkungen haben sie für die in der Region ansässigen Zeitmessfirmen br-timing aus Ludwigshafen und de-timing aus Schifferstadt?
Die Ausschreibung des Haßlocher Nikolauslaufes war online, knapp 200 Teilnehmer hatten sich bereits angemeldet. Der veranstaltende LC Haßloch und die Zeitmessfirma de-timing aus Schifferstadt hatten Stunden, Tage in ein ausgereiftes Hygienekonzept investiert. Aber die deutschlandweite Verlängerung des Teil-Lockdowns durch Bund und Länder machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Absage folgte.
„Wirtschaftlich ist es eine große Herausforderung, durch den zweiten Teil-Lockdown zu kommen“, sagt Martin Hellige, der seit etlichen Jahren in der Branche ist, zu Beginn des Jahres den Sprung ins kalte Wasser wagte und sich mit de-timing als eigenständige Zeitmessfirma selbstständig machte.
Immerhin lief im Oktober doch einiges. Neue Laufformate – anstatt eines Massenstarts liefen die Läufer beispielsweise alleine oder in Kleingruppen in zeitlichen Abständen los – wurden getestet und auch größtenteils positiv beurteilt. Der Feudenheimer Herbstlauf oder auch der Hockenheimringlauf, beides bereits arrivierte Veranstaltungen, gingen erfolgreich über die Bühne. „2021 wird die ,Normalität’ eine andere sein und nicht die, die wir von den Jahren 2019 und davor kennen“, glaubt Hellige. Er rechnet damit, dass es bis April/Mai dauern werde, ehe auch wieder an Laufwettkämpfe gedacht werden könne. „Das bedeutet, es werden wieder kleinere Sportveranstaltungen stattfinden, so dass alle Sportler aufatmen können.“ Große Veranstaltungen mit mehreren 1000 Teilnehmern werden seiner Ansicht nach vermutlich erst wieder 2022 möglich sein.
„Jegliche Lobbyarbeit verhallt“
Ähnlich bewertet auch Bernd Rollar, der seit vielen Jahren bei Sportveranstaltungen – insbesondere bei Lauf-, Rad- und Triathlonevents – mit seiner Zeitmessfirma br-timing unterwegs ist, die Situation. „2021 läuft im ersten Quartal sehr schleppend an“, sagt er. Der Maudacher Neujahrslauf sei definitiv abgesagt. Der Oggersheimer Berglauf im Februar werde aktuell noch geplant. Ob er allerdings stattfinden kann, steht in den Sternen. „Aus meiner Sicht haben wir eine ähnliche Situation wie im laufenden Jahr: Selbst motivierte Veranstalter, die sich mit mittlerweile ja auch bewährten Konzepten an die Planung von Veranstaltungen trauen, werden mit unsicheren Rahmenbedingungen – welche Verordnung ist am Lauftag gültig – konfrontiert und erfahren von der genehmigenden Behörde nicht die geringste Unterstützung“, kritisiert Rollar. Stattdessen würden sie mit unterschiedlichsten, selbst gestrickten Regeln schikaniert, wenn nicht gleich direkt eine Absage erteilt werde, unterstreicht er. „Leider verhallt jegliche Lobbyarbeit der Dachverbände und des DOSB ja schon für den Trainingsbetrieb“, bedauert Rollar, zugleich auch Vizepräsident Finanzen der Deutschen Triathlon Union (DTU). Ein klein wenig zuversichtlich schaut er auf die Zeit nach Ostern: „Auch wenn sich die großen Veranstaltungen mit Teilnehmerfeldern, sagen wir mal 500 aufwärts, sich hier aber immer noch bedeckt halten oder zu kleinen Lösungen tendieren.“ Rollar vermisste im abgelaufenen Jahr vor allem eines: den Kontakt zur großen Sportfamilie. „Es fehlt einfach das Miteinander mit Läufern und Veranstaltern. Man kennt sich und freut sich, sich zu sehen.“ Die andere Seite sei natürlich auch der wirtschaftliche Teil. „Zwei Monate Teilsaison können kein Jahr kompensieren, die Investitionen liegen brach.“ Auf eine gewisse Normalität hoffe er eher im zweiten Halbjahr – aber das auch nur dann, wenn sich die Veranstalter trauen würden. „2020 waren viele Absagen sehr früh und hätten dann doch durchgeführt werden können.“
Rollar hofft, nicht nur als Zeitnehmer, dass der Breitensport nicht langfristig Schaden nehme und es weiterhin Wettkämpfe aller Couleur gebe. „Die aktuelle Situation ist für viele Vereine nicht nur finanziell eine Herausforderung, sondern auch strukturell“, macht Rollar deutlich.
Ohne Plausch kein Lauf
Alex Rossbach, Vorsitzender der Sandbox Warriors, würde jetzt mitten in den Vorbereitungen auf den Maudacher Neujahrslauf stecken. „Aus den bekannten Gründen findet der Neujahrslauf 2021 nicht statt.“ Der Verein habe sich gegen eine virtuelle Version entschieden. „Wir finden, zu einem Lauf gehören auch Dinge, wie gemeinsam in der Startaufstellung dem Rennen entgegenzufiebern und auch danach noch bei einem Plausch zusammenzustehen. Wenn das alles nicht gegeben ist, fehlt einem Lauf eindeutig der Charakter und die Atmosphäre“, sagt Rossbach, der bereits den Blick in Richtung Karlsternlauf wirft. Dieser findet traditionell im Juni in Mannheim statt.
Der LC Schifferstadt hatte vom 4. bis 6. Dezember zum virtuellen Nikolaus-Lauf „Corona-Edition“ eingeladen. Verschiedene Strecken konnten gelaufen werden und der Erlös ging an den Vogelpark Schifferstadt. Auch andere Vereine bewiesen zuletzt Kreativität. Der TFC Ludwigshafen beispielsweise veranstaltete eine Lauf-Challenge, bei der die Mitglieder in einer Woche über 4000 Kilometer zurücklegten. Der Ludwigshafener Lauf-Club lud zu einem internen Anti-Corona-Lauf, bei dem wahlweise fünf, zehn, 15 Kilometer oder ein Halbmarathon in einer Woche gelaufen oder gewalkt werden konnte. Nicht wenige Mitglieder des LLC entschieden sich, alle Strecken zu absolvieren.