Ludwigshafen „Lasst bloß die Finger davon“
Mit Drogen und Sucht werden Jugendliche häufig konfrontiert. Die Polizei kennt die Problematik und ist daher oft in Schulen zu Gast, um Schüler aufzuklären und für die Gefahren des Drogenkonsums zu sensibilisieren. Vor wenigen Tagen war Kommissar Fabian Koob im Max-Planck-Gymnasium in Friesenheim. Er warnte, dass etwa 75 Prozent aller Schüler „über ein paar Ecken“ an Drogen herankommen könnten.
„Ihr müsst stark genug sein, euch beispielsweise bei Partys auch gegen Gruppenzwang zu entscheiden und ,Nein’ zu sagen.“ Das sagt Fabian Koob (26) den Schülern der Klasse 9c. Der Kommissar erläutert den Schülern: „Ich habe beruflich täglich mit Leuten zu tun, die seit 30 Jahren versuchen, von Heroin loszukommen. Sie haben keinen Beruf mehr, keine Familie, sie haben nichts mehr in der Hand.“ Die Schüler der 9c sitzen aufmerksam im Chemieraum. In seinem Vortrag greift Fabian Koob auf seine Erfahrungen als Streifenpolizist zurück. „Ich habe in Ludwigshafen viel mit Leuten zu tun, die regelmäßig Cannabis rauchen. Sie können sich dann an nichts mehr erinnern. Sie haben ständig neue Ideen, aber ziehen nichts durch. Sie verfallen in Passivität, ihnen ist alles egal. Cannabis ist nicht harmlos, hat schwerwiegendste Folgen“, warnt er. Zwei Stunden dauert der Vortrag. Er ist Teil einer Aktion der Polizeiinspektion 2 in Oppau, die mit diesem Angebot an neun weiterführende Schulen geht. Fabian Koob ist der Leiter eines zehnköpfigen Teams. Seine Kollegen sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Das sei wichtig, um mit den Schülern besser in Kontakt zu kommen. Die Beamten konzentrieren sich mit ihren Vorträgen auf die Mittelstufe, wo sie auf Schüler zwischen zwölf und 14 Jahren treffen. Ihre Themen: die verschiedenen Drogenarten und die strafrechtlichen Folgen. Laut der Suchtmittelbeauftragten des Planck-Gymnasiums, Dorothea Bogenstahl, ist Koobs Besuch eingebettet in ein größeres Programm der Schule. Ähnliche Vorträge gebe es auch für Klassen aus den Stufen 7, 8 und 11. Dabei geht es nicht nur um illegale Drogen. In der siebten Klasse machen Lehrer auf die Gefahren des Rauchens aufmerksam, in der achten Klasse kommen Mediziner und klären über Lungenkrebs auf. Bei den Klassen neun und elf treten Polizeibeamte wie Fabian Koob und Julia Görg auf. Zudem werden am Max-Planck-Gymnasium Elternabende veranstaltet, bei denen die Eltern sensibilisiert werden. Das sei notwendig, erklärt Bogenstahl, da die Eltern meist zwischen 40 und 50 Jahre als seien und die heutigen Drogen möglicherweise nicht mehr kennen würden. Aufklärungsaktionen wie der Vortrag von Polizist Koob scheinen in der Tat sehr wichtig zu sein. Denn Lehrer und Polizisten berichten, dass drei Viertel aller Schüler jemanden kennen, der jemanden kennt, der Drogen verkauft. Sie wären also in der Lage, rasch an Drogen heranzukommen. „Es gibt auch bestimmte Plätze, wo die Jugendlichen von Leuten angesprochen werden, die Drogen anbieten“, erklärt Polizist Koob. Beim Vortrag der Kommissarin Julia Görg (30) geht es um die Gefahren des Alkoholkonsums. „Jeder Körper reagiert anders. Manche werden lustiger, manche dumm und aggressiv. Es kommt auf die Persönlichkeit an“, erklärt Görg. Um den Schülern einen Eindruck zu vermitteln, wie Alkohol das Sehvermögen beeinträchtigt, gibt sie Schülern zwei sogenannte Rauschbrillen, die diese der Reihe nach aufsetzen und nach vorne kommen. Die Polizistin wirft ihnen kleine Bälle zu, die die Schüler fangen sollen. Aber: Viele können die Bälle gar nicht fangen, was für Gelächter und gute Stimmung sorgt – auch wenn der Hintergrund ernst ist. Kommissarin Görg geht außerdem noch auf die Risiken des Rauchens ein. Schischas (Wasserpfeifen) seien auch gesundheitsgefährdend, weil der Rauch im Wasser gekühlt werde und dadurch in noch tiefere Schichten der Lunge eindringen könne. Ihre Zahlen zeigen, wie gefährlich die gesellschaftlich akzeptierten und legalen Drogen wie Tabak und Alkohol sind. Mit 18 Millionen Abhängigen und 140.000 Toten sei Rauchen die Todesursache Nummer eins bei Suchtmitteln in Deutschland. Beim Alkohol gebe es in Deutschland 2,7 Millionen Abhängige und 42.000 Tote im Jahr. Viele Fakten für die Schüler. Was sie gehört haben, regt die Jugendlichen zum Nachdenken an – und das ist ein Ziel solcher Vorträge. Die Präventionsarbeit zahle sich aber aus, davon ist Direktor Mike Thisling-Pfeifer überzeugt: „Hier bei uns in der Schule spielen Drogen aktuell keine Rolle.“