Ludwigshafen Lass die Sonne herein
Patrice hat bei seinem Auftritt in der Alten Feuerwache in Mannheim mit karibischen Rhythmen der Winterstimmung den Kampf angesagt. Zu den meist fröhlichen Reggae-Sounds des Musikers haben die Besucher ausgelassen getanzt. Dessen Texte allerdings enthalten zuweilen eine ernste Botschaft.
Gaston Patrice Babatunde Bart-Williams, so lautet der vollständige Name des in Köln geborenen Künstlers. Seine deutschen wie afrikanischen Wurzeln – sein Vater stammt aus Sierra Leone – schlagen sich nicht nur in seinem Namen nieder, sondern auch in seiner Musik. In dieser verbindet er die flotten Reggae-Rhythmen mit lässigen Hip-Hop-Beats oder Klängen aus Funk, Jazz und Soul. Sein erstes Album veröffentlichte Patrice, der im Jahr 2000 auch Teil der afrodeutschen Künstlerformation Brothers Keepers war, die sich gegen Fremdenhass und Rassismus stark machte. Das aktuelle Album „Life’s Blood“ erschien in diesem Jahr. Der musikalische Einfluss seiner Vorbilder Bob Marley und Jimi Hendrix ist seinen Kompositionen deutlich anzuhören. Ebenfalls unverkennbar ist seine Stimme, die leicht nasal klingt und dadurch, ähnlich wie bei Jan Delay, einen unverwechselbaren Charakter ausbildet, der sich harmonisch in die fröhlichen Reggae-Melodien einfügt. Dazu passt Patrices lockeres Auftreten. In Mannheim springt er, sogar wenn er in die Gitarrensaiten greift, ausgelassen auf der Bühne hin und her. Die Besucher tun es ihm gleich, indem sie sich gekonnt zu den fetzigen Klängen bewegen. Die häufigen Rhythmenwechsel machen es ihnen dabei nicht einfach, denn Patrice spielt gerne mit Rhythmen und Klängen verschiedener Genres, nimmt sie auseinander, um sie zu einem neuen Gebilde zusammenzufügen. So folgen auf typische Reggae-Lieder solche, die im Rhythmus etwas verzögert daherkommen und dadurch noch etwas lässiger und grooviger wirken. Doch unter der vermeintlich fröhlich-fluffigen Oberfläche brodeln meist ernste Themen. So singt Patrice in „Boxes“ darüber, dass Menschen in Kategorien denken und sich auch angewöhnt haben, nach diesen zu leben. Im von den Fans frenetisch gefeierten „Soulstorm“, mit dem er 2005 erfolgreich in den Charts war, macht er deutlich, wie wichtig es ist, sich seine Seele im harten Alltag zu bewahren. Musik ist für ihn, wie er selbst sagt, ein wichtiges verbindendes Element, ein Element der Freiheit, dem er mit „Music“ eine Hymne geschrieben hat, die das Publikum lautstark mitsang. Dasselbe gilt für „Sunshine“, das mit seinem eingängigen Rhythmus und Refrain Mut macht, die Sonne auch in dunklen Momenten des Lebens nicht aus den Augen zu verlieren. Seine Fans beglückt Patrice mit extralangen Versionen ihrer Lieblingshits, die er teilweise mit bekannten Stücken aufpeppt. So mixt er gemeinsam mit seiner Band geschickt Bob Marleys „Could You Be Loved“ oder „Ain’t No Sunshine When She’s Gone“ von Bill Withers in seine Werke und verpasst ihnen das passende Reggae-Gewand, damit sie sich harmonisch in das Konstrukt einfügen. Die Lebensfreude, die Patrice in der Alten Feuerwache versprüht, ist ansteckend. Seine Fans nehmen sich seine Worte, man solle froh sein, am Leben zu sein, und jeden Tag feiern, zu Herzen. Gemeinsam rücken sie dem Winterblues, der gerade um sich greift, auf die Pelle und tanzen sich quasi den Sommer herbei – zumindest die Leichtigkeit, die diese Jahreszeit mit sich bringt. Doch über dieser lockeren Lebenseinstellung schwebt eine leichte Brise Nachdenklichkeit, die allerdings nicht beschwert, sondern einfach daran erinnert, dass das Leben nicht immer eitel Sonnenschein ist. Genau für diese Mischung wird der 37-Jährige von seinen Fans mit tosendem Applaus gefeiert.