Ludwigshafen Land der unmöglichen Begrenztheit

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Kritiker haben seine Art des Vortrags einmal als „Kumpel-Kabarett“ bezeichnet. Und tatsächlich vermag HG. Butzko die großen Zusammenhänge so zu erklären, als würden sie „umme Ecke“ im Ruhrpott stattfinden. Mit „Echt jetzt“ gastierte der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2014 in der Mannheimer Klapsmühl’. Dabei ist sein Kumpel-Kabarett nicht nur Spaß, sondern entschieden aufklärerisch.

Der „Ruck“, der durch das Land gehen müsse, wie Bundespräsident Roman Herzog 1997 einforderte, habe sich mittlerweile längst als Rechtsruck erwiesen, in Deutschland und im übrigen Europa wie in den USA. 1997 habe man mit dem Begriff „Alternative“ in der deutschen Politik noch die Grünen assoziiert, nicht wie heute die AfD. Butzko gibt unter anderem der Bildungsmisere die Schuld daran, dass die „Blödbirnen“ den Rechtspopulisten scharenweise auf den Leim gehen. „Echt jetzt“ ist Butzkos zehntes Programm in 22 kabarettistischen Jahren und ein Anlass zurückzublicken, ohne die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart zu vernachlässigen. „Butzkolonne“, lautete der Titel seines Debüts, das er ab August 1997 auf die Bühne gebracht hat. „Wie die Zeiten sich seitdem geändert haben“, staunt er und erinnert an eine 20 Jahre alte Episode der Serie „Die Simpsons“, in der Donald Trump als US-Präsident gezeigt wurde – geradezu prophetisch. „Das war der Brüller überhaupt! Was haben sie gelacht!“, entsinnt Butzko sich. 1997 seien die USA noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen, heute das der unmöglichen Begrenztheiten, folgert der Gelsenkirchener bitter. So wie er da auf der Bühne sitzt, auf einem Barhocker am Bistrotisch mit dem Bierkrug vor sich, könnte man sich HG. – eigentlich Hans-Günter –, auch am Tresen einer Trinkhalle vorstellen. In Jeans und Shirt, eine Kappe auf dem haarlosen Haupt, wirkt er unscheinbar wie der redensartliche „kleine Mann“. Aber hinter jedem Lacher, den er hervorruft, ist unverkennbar der Ernst der Lage zu spüren, der ihm zugrunde liegt. „Das hier ist Gehirn-Jogging, zehntausend Meter“, erklärt er und erörtert in der zweiten Hälfte seines Programms geradezu erschöpfend die Digitalisierung. Darüber, dass heute jedes Kind schon morgens vor der Schule auf sein Smartphone starrt und im Laufe des Tages unzählige Male wieder, redet er sich regelrecht in Rage. Die Macher der Digitalisierung, die beispielsweise im Silicon Valley sitzen, schickten ihre Kinder wohlweislich nahezu ausnahmslos in Waldorf- und Montessori-Einrichtungen, weil sie wüssten, dass Smartphones, Tablets und Computer dort verboten seien. Die Zukunft, „wenn Algorithmen entscheiden, wer einen Kredit und wer welche Medikamente bekommt“, erscheint HG. Butzko zappenduster.

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