Ludwigshafen Kuschelfell und Glöckchen
«Nord/Hemshof.»Dem Hobby nachgehen und dabei Gutes tun: Das ist das Anliegen einer Gruppe von sechs Damen, die seit März 2017 für an Demenz erkrankte Patienten des Klinikums Ludwigshafen Nesteldecken näht. Durch das Erfühlen der mit vielen Accessoires geschmückten Stoffe sollen bei den Patienten Sinne angesprochen und Erinnerungen aktiviert werden.
Ursprünglich hatte Isolde Helfmann eine ganz andere Idee. Die Pflegeexpertin, die 26 Jahre am Klinikum beschäftigt und dort abteilungsübergreifend für Themen der Pflege zuständig ist, wollte mit demenzkranken Patienten zusammen handarbeiten, um ihnen eine sinnvolle Tätigkeit im Krankenhaus zu ermöglichen – nach dem Motto: Patienten nähen für Patienten. „Aber das war nicht praktikabel“, erzählt die 51-Jährige. Eine Nähmaschine wäre zwar vorhanden gewesen. „Der Aufwand war zu groß, die Patienten haben ihre Untersuchungstermine, und sie bleiben ja auch immer nur ein paar Tage bei uns.“ In den allermeisten Fällen kommen die älteren Damen und Herren auch nicht wegen der Demenz ins Klinikum, sondern zum Beispiel, weil sie gestürzt sind. Die Demenz-Diagnose ergibt sich dann praktisch nebenbei. Ganz aufgeben wollte Isolde Helfmann ihren Plan allerdings nicht. Und so suchte sie sich über Annoncen zum einen Mitstreiterinnen – der „harte Kern“ der Gruppe besteht jetzt aus sechs ehrenamtlich engagierten Damen aus der ganzen Vorderpfalz. Und zum anderen bat sie die Bevölkerung um Spenden von Stoffresten und anderen Materialien. Mit großem Erfolg: Mehrere Umzugskartons voller Nähzubehör konnte sie an den Kreis verteilen. Der trifft sich inzwischen einmal im Monat für drei Stunden. Die eigentliche Handarbeit verrichten die Damen in der Zwischenzeit zu Hause. Ihre Nähmaschinen und all das benötigte Zubehör jedes Mal vom – oft weit entfernten – Parkplatz zum Treffpunkt der Gruppe zu schleppen, wäre nicht praktikabel. Zu Hause haben die Hobby-Näherinnen, von denen manche seit Jahrzehnten mit Nadel und Faden, Knöpfen und Reißverschlüssen hantieren, alles, was sie brauchen, an einem festen Platz. „Ich sitze jeden Tag an der Nähmaschine“, erzählt zum Beispiel Karin Galster. „Manchmal habe ich nachts im Bett eine Idee, und dann stehe ich auf und setze sie um.“ Bei den Treffen werden dann neue Ideen besprochen, die Werke der vergangenen Wochen begutachtet, man sitzt zusammen und erzählt. Gute Bekanntschaften sind inzwischen daraus entstanden. „Ich nähe selbst noch nicht besonders lange“, erzählt Helfmann und lacht. „Meine Aufgabe ist es, Stoff zuzuschneiden, Knöpfe anzunähen und für den Kuchen bei unseren Treffen zu sorgen.“ Zu denen dann durchaus auch Patienten kommen können. Die dann auch gleich die Nesteldecken in die Hand nehmen. 31 dieser Patchwork-Decken, die bei Demenz-Patienten besonders gut ankommen, sind in den vergangenen Monaten in der Gruppe entstanden. Das Besondere daran sind ihre vielen Details: Sie sind aus vielen verschiedenen Stoffen zusammengenäht. Beim Erfühlen, Ertasten und Erfahren kann man über Kuschelfell streicheln, man kann es knistern lassen, in Taschen hineingreifen, es sind Knöpfe daran befestigt, Glöckchen, Ringe, kleine Stücke Reißverschluss oder ein Taschentuch. Jede Decke ist ein Unikat, und die Möglichkeiten sind grenzenlos. „Die Beschäftigung mit der Decke dient der Aktivierung der Sinne“, erklärt Helfmann, „und gleichzeitig der Beruhigung.“ Bei den Senioren werden auch Erinnerungen hervorgerufen – und so manche Träne zum Fließen gebracht. Wenn der Patient die Decke gar nicht mehr hergeben möchte, kann sie ihm nach Absprache mit den Angehörigen auch gegen einen Obolus überlassen werden. Im neuen Jahr möchte der Kreis die Produktion fortsetzen und weitere Decken nähen. Auch Topflappen, Schals, Schürzen und vieles mehr sind in den vergangenen Monaten entstanden. Manches haben die Damen beim Weihnachtsmarkt des Klinikums Anfang Dezember verkauft. Vom Erlös sollen seniorengerechte Spielsachen wie große Puzzles angeschafft werden. Stoff- und andere Materialspenden sind weiterhin erwünscht – und neue nähbegeisterte Mitstreiterinnen ebenfalls. Kontakt Wer die Gruppe unterstützen möchte, erreicht Isolde Helfmann unter Telefon 0621/503-2364.