Ludwigshafen Kurze und knackige Auftritte

Was haben die Parkinsel, ein Kreisverkehr oder ein Schaufenster gemeinsam? Sie alle können mir nichts dir nichts in eine Theaterbühne verwandelt werden. Das jedenfalls wollen die Nachwuchsschauspieler des Vereins Nano-Theater, der aus dem Jugendspieltheater des Pfalzbaus unter der Leitung von Eva Adorjan hervorgegangen ist.
Während der Intendanz ihres Mannes Hansgünther Heyme hat Eva Adorjan das Jugendspieltheater des Pfalzbaus geleitet. Mit Kindern und Jugendlichen hat sie zahlreiche Theaterstücke entwickelt und aufgeführt. „Manche sind schon seit vielen Jahren dabei“, erzählt Eva Adorjan. „Sie haben als Kinder begonnen und sind mittlerweile Teenager.“ Nicht nur zwischen den Kindern untereinander habe sich ein enges Verhältnis entwickelt, sondern auch zwischen ihr, den Kindern und den Eltern, die oft organisatorisch in die Inszenierungen involviert waren, bilanziert die Theatermacherin: „Das schweißt zusammen.“ Deshalb wollte die Gruppe zusammenbleiben, als mit Tilman Gersch ein neuer Intendant das Schicksal des Pfalzbaus bestimmte. Adorjan und ihr Ensemble gründeten den Verein Nano-Theater. Zirka 20 Kinder und Jugendliche aus Ludwigshafen, Mannheim und der Vorderpfalz machen momentan mit. Triebfeder für die Vereinsgründung seien auch die Eltern gewesen, erzählt die Vereinsvorsitzende Eva Adorjan, die seit Januar als Dozentin für Darstellendes Spiel an der Universität Koblenz-Landau tätig ist. „Sie wollten, dass die Kinder weiterhin zusammen Theater machen, auch wenn das bedeutet, dass sie sich jetzt mehr engagieren müssen. Denn auf die Ressourcen des Pfalzbaus, beispielsweise was Requisite oder Kostüme angeht, können wir nicht mehr zurückgreifen.“ Die Nachwuchsdarsteller sind in zwei Gruppen eingeteilt: Kinder zwischen 8 und 13 Jahren und Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. Als Proberaum dient übergangsweise ein leerstehendes Ladengeschäft in der Schützenstraße, das den Großeltern einer Nano-Darstellerin gehört. „Wir suchen aber dringend einen festen Raum“, betont Constanze Wohninsland, die mit Eva Adorjan die Proben der Jugendgruppe leitet. Für die Kinder ist Beate Ulrich zuständig. Der Name Nano-Theater ist Programm. „Wir spielen kurz und knackig. Die Theaterstücke dauern nicht länger als 20 Minuten“, erklärt Eva Adorjan. „Mikro-Theater gibt es bereits, wir machen Nano-Theater.“ Für ein längeres Programm werden dann einfach mehrere Stücke aneinandergereiht. Dazu kommt, dass sie nahezu überall und auf kleinstem Raum gespielt werden können. Die Bühne des Pfalzbaus stehe jetzt nicht mehr zur Verfügung, sagt Adorjan. Doch sie und ihre Schauspieler sehen das weniger als Verlust denn als Chance. Sie sind frei und können überall spielen. Mehr noch: Sie können den Raum in die Handlung des Stückes einbeziehen, die Handlung von äußeren Begebenheiten beeinflussen lassen. „Wir sind eine Guerillatruppe. Wir kapern den öffentlichen Raum und versuchen, ihn durch Kunst zu ergründen.“ Einen ersten großen Auftritt hatte die Jugendgruppe bereits. Während des Festivals des deutschen Films spielte sie nahe der Zeltstadt auf der Parkinsel unter einem großen Baum. Zu Michael Endes Gedichtsammlung „Trödelmarkt der Träume“ hatten die Jugendlichen mehrere phantasievolle Szenen erarbeitet. „Zum Thema Träume passt das Ambiente der Parkinsel natürlich wunderbar“, sagt Eva Adorjan. Aber ein Kreisverkehr, eine Telefonzelle oder eine Bäckerei kommen ebenfalls als Spielstätte für künftige Projekte in Frage. Die Inszenierung auf der Parkinsel war für die Darsteller eine neue Erfahrung. „Wir hatten keine Distanz zum Publikum“, sagt Laura. „Wir haben direkt zwischen den Leuten gespielt, das war manchmal schwierig.“ Doch die Nähe zum Publikum hat für die 16-Jährige aus Bad Dürkheim auch eine positive Seite: „Man sieht sofort die Reaktion des Publikums.“ Dem stimmt Mark-Kevin aus Limburgerhof zu: „Man sieht gleich, ob es den Leuten gefällt oder nicht und ob man gegebenenfalls etwas ändern muss.“ So sei seine Lehrerin direkt auf ihn zugekommen und habe das Stück gelobt, erzählt der 17-Jährige. An weiteren Ideen mangelt es den jungen Darstellern nicht. Ein Theaterstück in einem Schaufenster ist geplant, ebenso wie mehrere Nano-Stücke zum Thema Krieg, Kindersoldaten und Flüchtlinge. Eva Adorjan und Constanze Wohninsland unterstützen die Jugendlichen beim kreativen Prozess. „Die Jugendlichen wollen zu politischen Themen Stellung beziehen, das ist ihnen sehr wichtig“, weiß Eva Adorjan. Die Nano-Stücke werden dann gemeinsam entwickelt. „Momentan sind wir in der Findungsphase und arbeiten noch nicht an einem konkreten Projekt.“ Die Proben sind wie kleine Versuchsreihen, in denen Eva Adorjan und ihr Ensemble mit minimalistischen Theaterformen experimentieren und improvisieren. Vor allem Körperlichkeit und verschiedene Ausdrucksformen spielen eine Rolle. Mit wenigen Mitteln beim Publikum Gefühle wecken und es zum Nachdenken bringen – das will Ludwigshafens erste Theaterguerilla. Termine Nach der Sommerpause starten die Proben wieder im September. Neue Mitglieder bei Kindern (mittwochs 16.30 bis 17.30 Uhr) wie Jugendlichen (mittwochs 18 bis 20 Uhr) sind willkommen. Die Proben finden in der Schützenstraße 28 in Ludwigshafen statt. Auch eine Gruppe für Erwachsene will der Verein ins Leben rufen. Weitere Informationen im Internet unter www.nanotheater.de.