Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kurt Krömer beweist sich als Meister der Fäkalsprache

Hat sein Stilmittel gefunden: Kurt Krömer.
Hat sein Stilmittel gefunden: Kurt Krömer.

Derb zur Sache ging es bei Kurt Krömer im Rosengarten: Mit seinen cholerischen Verbalentgleisungen brachte der Berliner Wutbürger seine Fans im ausverkauften Musensaal zum Toben. Dass nicht alle seine Fans Kurt Krömer als Kunstfigur begreifen, wurde dem Komiker Alexander Bojcan durch Facebook bewusst.

„Stresssituation“ heißt das sechste und noch aktuelle Bühnenprogramm, mit dem Alexander Bojcan (45) alias Krömer auch schon im Februar 2018 den Musensaal bespielte. „Boah, seid ihr hässlich“, zeigte der Fernseh-Star sich seinem Publikum gleich zur Einstimmung von seiner Schokoladenseite. Die 1100 Fans hatten wohl jetzt schon erste Zwerchfellkrämpfe. Der Alleshasser erinnerte sich an das 80er-Jahre-Wohnungsinventar: „Wir hatten eine kackbraune Cordcouch, durchfallverschissene hellbraune Schrankwände und einen in der Höhe verstellbaren scheißbraunen Wohnzimmertisch mit Fliesen als Auflage.“

Das Publikum prustete ob Krömers fäkalspritziger Rhetorik. Wie „warme Pisse“ schmecke etwa das Bier in Köln wie in Düsseldorf – auch männliche und weibliche Geschlechtsteile fanden zum Gefallen der Zuschauer durch Krömers Schandmaul vielfache Nennung in breitestem Tourette-Vokabular.

Plötzlich wird es still

Dabei blieb die gespielte Wut des Soziopathen im biederen Bankkaufmanns-Look nicht gegenstandslos. So nahm er sich zuerst „die Lehrer“ vor, die immer schlechter ausgebildet seien – in Berlin würde schon das „Seepferdchen“ als Qualifikationsnachweis reichen. „Statt nach deutschen Berühmtheiten werden immer mehr deutsche Schulen nach Vororten von Aleppo benannt“, warf Krömer erstmals eine Pointe in den Raum, bei der es fast still blieb. „Warum klatschst du alleine, haste ’ne Macke oder was?“, holte Krömer die Stimmung mit Publikumsbeleidigungen zurück. Auch frauenfeindlich wurde es: „Man sollte nicht alles verteufeln“, sieht Krömer Positives darin, dass Frauen beim IS „nur in Ausnahmefällen das Haus verlassen dürfen: So ist immer jemand da, wenn ein Paket kommt“.

Gelacht wurde auch dann, wenn Krömer richtig widerlich wurde: Bei seiner Mutter „wölbt sich der Deckel“ und er habe sich schon gefragt: „Ins Heim oder gleich ins Krematorium?“. Letztlich habe er ein billiges Heim im Internet gefunden. In diesem hätte es Krömer „schon bei der Vorbesichtigung geschüttelt vor Ekel“ und er habe gleich erkannt: „Meins wär’s nicht.“

Witze über die AfD

Dass Krömer auch ganz nah ganz eklig kann, merkte Tilo aus dem Odenwald. „Was hast du hier erwartet? Einen Wunderheiler?“, konnte Krömer Tilos 40-Kilometer-Anfahrt kaum fassen. Dafür holte er ihn auf die Bühne. Mehrfach gab Krömer dem Gast einen Kuss auf den Mund – während einer Intim-Umarmung, die für Tilo die Ewigkeit bedeutet haben muss.

Auch in die 70er-Jahre ging Krömer zurück, als Passivrauchen für Kinder noch normal war – zu Hause wie auf der Autofahrt in den Urlaub. „Zugeraucht bei geschlossener Scheibe“ habe der Junge dann nach einer Stunde Fahrt gefleht, nur einen Fensterspalt zu öffnen. „Nein, sonst erkältet ihr euch!“, sei die Sorge seiner Mutter gewesen. Deutlich hörbar dämpfte sich das ausgelassene Johlen im Saal, als Krömer Stellung gegen „die rechten Pocken von der AfD“ bezog: „AfD-Wähler finden mich gut? Geht gar nicht!“, habe Krömer auf seiner Facebook-Seite eine „große Kehrwoche“ veranstaltet.

Auch mit seinen Witzen über Alexander Gauland – der „zu spät sediert“ worden sei und wie Batman oder Pinocchio stets dieselbe Kleidung trage – scheint Krömer in Mannheim weniger Gäste zu erreichen als mit den epischen Ausführungen zu dem Patienten, der mit einer Kuli-Mine im Penis zum Arzt kommt.

Sei’s drum – Zugaben muss das Ekel mehrere geben, bevor seine „Freudentränen“ die Leute „aus dem Saal spülen“. Und auch dann sei auf seinen „Rettungsring der Dankbarkeit“ Verlass, will man Krömer fast glauben, dass auch er ein netter Kerl sein kann.

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