Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kultureinrichtungen der Stadt seit Monaten offline

Verständnis für über zwei Monate Totalausfall? Ein Blick auf die Seite des Theaters im Pfalzbau.
Verständnis für über zwei Monate Totalausfall? Ein Blick auf die Seite des Theaters im Pfalzbau.

Es sind schwere Zeiten für die Kultur. Man könnte auch sagen: Sie geht gerade ziemlich den Bach runter. Bei Künstlern, Kulturschaffenden und Veranstaltern hat sich das eigentlich aus der Logistik-Branche kommende Schlagwort „First out – last in“ etabliert: Theater, Museen, Kinos und Konzertsäle waren die ersten, die in der Corona-Pandemie schließen mussten, und sie werden die letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Ähnlich geht es ein paar anderen Wirtschaftszweigen, der Gastronomie, dem Tourismus, dem Messewesen.

Webseiten seit über zwei Monaten defekt

Ob man jede einzelne Schließung trotz ausgeklügelter Hygienekonzepte im Detail nachvollziehen kann oder nicht – darum soll es hier nicht gehen. Fakt ist: Der kunst- und kulturinteressierte Teil der Bevölkerung in und um Ludwigshafen hat es gerade schwer. Nicht nur, dass die Menschen auf Theater und Museumsbesuche verzichten müssen. Die Stadt macht ihnen auch noch ein ziemlich armseliges Informationsangebot darüber, worauf sie sich vielleicht freuen könnten, wenn es wieder losgeht. Denn seit über zwei Monaten (Monaten!) sind die Webseiten der wichtigsten städtischen Kultureinrichtungen nicht erreichbar. Wenn man die Seiten des Theaters im Pfalzbau, des Wilhelm-Hack-Museums, der Volkshochschule, des Kulturzentrums Das Haus und des Ernst-Bloch-Zentrums aufruft, bekommt man immer die gleiche Meldung: „Die Seite ist aufgrund von Wartungsarbeiten momentan nicht erreichbar. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Wie groß das Verständnis der Leiter der Häuser für diese missliche Situation ist und ob es (verständnisvolle oder verständnislose) Reaktionen aus der Bevölkerung gibt – das wüssten wir gerne. Eine Anfrage an die Häuser beantwortete die Pressestelle der Stadt aber mit einem arg dürftigen Statement für alle. Die Installation sei „sehr komplex, daher hat die Fehleranalyse einige Zeit in Anspruch genommen“, sagte eine Sprecherin zum, noch einmal, über zwei Monate (!) dauernden Totalausfall, der als Indiz dafür interpretiert werden kann, dass die Kultur gerade keinen besonderen Stellenwert genießt.

Stadt: „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“

„Für uns war es wichtig, den Fehler genau zu identifizieren. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Damit schützen wir die Stabilität und Integrität unserer Systeme“, sagte die Sprecherin. Es sei aber absehbar, dass alle Seiten wieder wie gewohnt im Netz sind. Alle betroffenen Institutionen hätten zudem die Möglichkeit, über ludwigshafen.de und Social-Media-Kanäle auf ihre Angebote aufmerksam zu machen, „sofern diese aufgrund der Pandemie derzeit überhaupt stattfinden können“.

Alles halb so wild? Wenn es keine Kulturveranstaltungen gibt, braucht man auch keine Webseiten, um über sie zu informieren? Nein. Zum einen hat die Pandemie gerade auch in der Kultur der Digitalisierung einen enormen Schub gegeben. Allerorten werden Podcasts ins Netz gestellt, Videokonferenzen veranstaltet, Filme produziert und Audio-Stadtrundgänge, es gibt Livestreams von Vorträgen und Konzerten. Wobei öffentliche oder mit öffentlichem Geld geförderte Institutionen es einfacher haben, sie zu realisieren als privat finanzierte Häuser. Diese Formate bieten den Häusern eine Möglichkeit, die Verbindung zu ihrem Publikum nicht zu verlieren und auch: zu rechtfertigen, warum sie Steuergelder bekommen. In genau dieser Zeit, in der die Digitalisierung wichtiger ist denn je, sind in Ludwigshafen städtische Internetseiten monatelang nicht erreichbar.

Trotz Pandemie gibt es Angebote

Zum anderen gilt es für die Volkshochschule keineswegs, dass sie auf ihre Webseite gut verzichten kann. Dass sie ihre Online-Angebote in der Pandemie nicht gebündelt präsentieren kann, ist speziell für diese Institution eine Katastrophe. Klar kann man sich über Facebook informieren. Aber vielleicht kann oder will ja gar nicht jeder die sogenannten sozialen Medien nutzen. Aber der- oder diejenige kann ja auch immer noch anrufen und sich die Kurse vorlesen lassen. Früher, kurz nach der Steinzeit, ging das ja auch.

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