Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Krisen und Brände überstanden: Reit- und Fahrverein feiert Geburtstag

Ein großer Anteil der Mitglieder des Vereins sind Kinder und Jugendliche.
Ein großer Anteil der Mitglieder des Vereins sind Kinder und Jugendliche.

Vor 75 Jahren haben sich 30 Pferdeliebhaber zusammengetan. Reitstunden sind auch heute noch heiß begehrt. Ein Problem ist die Lage des Vereinsgeländes.

Auch wenn die großen Turniere mittlerweile der Vergangenheit angehören – auf dem rund zehn Hektar großen Vereinsgelände des Reit- und Fahrvereins Ludwigshafen ist noch immer jede Menge Leben. „Für Reitstunden haben wir eine Warteliste“, berichtete die Vorsitzende Martina Wolf bei der Feierstunde zum 75-jährigen Bestehen am Freitag.

Oggersheims Ortsvorsteherin Sylvia Weiler (SPD) meinte, dass zwar viele wüssten, wo der Verein ist, aber das tolle Gelände würden die meisten nicht kennen. Auch sie selbst staunte bei ihrem Besuch, was für ein Kleinod hier zwischen BG-Klinik, Wohnbebauung und dem Krankenhaus Zum Guten Hirten entstanden ist. Dabei sei die Lage allerdings auch eines der Probleme des Vereins, so Vorsitzende Wolf. Denn ursprünglich lag die 1957 gebaute Anlage noch weit außerhalb der Bebauung. Ein Erbbaugrundstück der Stadt Ludwigshafen, nachdem die Reiter zunächst auf einem Grundstück der Brauerei Mayer aktiv waren.

Im „Goldenen Pflug“ fing alles an

Am 14. Dezember 1950 hatten 30 Gründungsmitglieder im Oggersheimer Gasthaus „Goldener Pflug“ den Reit- und Fahrverein Ludwigshafen aus der Taufe gehoben. Schon zwei Jahre später war der Verein 360 Mitglieder stark. 1958 feierten die Reiter Richtfest auf der Anlage. Im Dezember 1961 wurde der neue Stall eingeweiht, heute der „Schulstall“, weil hier die meisten Schulpferde untergebracht sind. Der Trakehner Stall, in erster Linie für Mietpferde genutzt, folgte im Jahr 1964. „So entwickelte sich Stück für Stück die Anlage, die den Verein in der Semmelweisstraße heute ausmacht“, so die Vereinsvorsitzende.

Landwirt Hubertus Assmann und seine Ackergäule präsentieren das Pferd als Arbeitstier.
Landwirt Hubertus Assmann und seine Ackergäule präsentieren das Pferd als Arbeitstier.

Und zum Jubiläum präsentierte der Verein nicht nur die Welt der Reiterei, sondern ermöglichte auch einen Blick in die Arbeitswelt der Pferde. Hubertus Assmann hatte zwei Tiere von seinem Hof mitgebracht, die mit Fug und Recht als „Ackergäule“ bezeichnet werden durften. „Das sind aber auch die beiden einzigen ,Gäule’ auf der Anlage. Alle anderen sind Pferde“, betonte Wolf. Und die haben Namen. Polly zum Beispiel, die von Reiterin Nele im Stallgang gestriegelt wurde und dabei nicht nur sehr geduldig, sondern auch sehr neugierig auf Besucher reagierte. Und dann sind da noch Gaby und Heidi. Die beiden Shetland-Ponys in ihrem Unterstand gleich hinter dem Foyer der Reithalle begrüßten regelmäßig als Erstes die Besucher. „Mit ihnen machen wir Kindergarten-Reiten. Die Nachfrage dafür ist extrem groß“, sagte Martina Wolf.

Springvorführung des Aushängeschilds

Überhaupt sei der Reitunterricht ein großes Standbein des Vereins, der mit Alexandra Heckmann eine festangestellte Reitlehrerin in den eigenen Reihen hat. „Inklusive der beiden Shetties haben wir acht Schulpferde und sind damit am Ende der Kapazität“, erklärte Wolf. Etwa 70 der 170 Mitglieder des Vereins sind Kinder und Jugendliche. Zum Jubiläum segnete Jesuitenpater Tobias Zimmermann nicht nur die Schulpferde, sondern insgesamt fast 20 der edlen Tiere. Im Anschluss gab es eine Dressurquadrille und eine Springvorführung vom derzeitigen sportlichen Aushängeschild Dominique Michelle Weber-Henn. Voltigieren gehört ebenfalls zum Angebot.

Große Pläne für die Zukunft hat der Verein nicht. „Wir versuchen, den Standard so gut wie möglich zu halten“, so die Vorsitzende. Es gibt praktisch ständig etwas zu reparieren – an den Gebäuden oder den Freiluft-Pferdeboxen. Auch die trüben Fenster der Reithalle haben schon bessere Zeiten gesehen. „Und natürlich müssen wir einmal im Jahr den Boden erneuern.“

Kein Platz für Pferdetransporter

Auf Einnahmen aus eigenen Veranstaltungen müssen die Reiter in Oggersheim seit 2013 verzichten. „Wir haben rings um unser Gelände mittlerweile keine Parkflächen mehr für Pferdetransporter“, nannte die Vereinsvorsitzende das größte Manko des Jubilars. Die Wohnbebauung und das BG-Reha-Zentrum haben den Verein eingeschnürt. Damit können keine Reiter von außerhalb mehr nach Oggersheim kommen.

Trotzdem blickt Martina Wolf optimistisch in die Zukunft. Zwei Brände in den Jahren 1994 und 2013 hat der Reit- und Fahrverein ebenso überstanden wie eine große Steuernachzahlung 2012, die den Verein fast in die Insolvenz geführt hätte. „Aus den Schockzuständen entstand ein gestärktes Wir-Gefühl, auf das wir bis heute stolz sind“, betonte die Vorsitzende. Sie ist deshalb sicher: „Unser Verein ist mehr als ein Ort für Reitsport. Er ist eine Gemeinschaft, die in Krisenzeiten enger zusammenrückt.“ Und zum Jubiläum bewies, das man auch ausgelassen feiern kann.

x