Leute in LU RHEINPFALZ Plus Artikel Krippenbauer Kistner: Detailarbeit an der Werkbank

An der Werkbank entstehen die Krippen.
An der Werkbank entstehen die Krippen.

Mit seinem Hobby hat Karl Heinz Kistner aus Ruchheim bereits viel Gutes bewirkt. Der 68-Jährige baut hochwertige Weihnachtskrippen aus Holz, die er für den guten Zweck zur Verfügung stellt. Jedes Exemplar ist ein Unikat.

Karl Heinz Kistner denkt schon im Herbst an Weihnachten. Denn immer am 15. Oktober beginnt er damit, seine ganz besonderen Krippen zu bauen. Besonders sind sie unter anderem, weil sie aus massivem Fichtenholz und mit vielen aufwendigen Details gefertigt werden und jede ein Einzelstück ist. Besonders werden sie aber auch durch die Tatsache, dass der Ruchheimer sie ab dem 1. Advent an Einrichtungen und Institutionen verschenkt, damit diese damit Mittel für ihre Arbeit generieren können.

Begonnen hat Kistners Faszination für Krippen bereits in seiner Kindheit. „Als ich etwa fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich um eine Weihnachtskrippe gebettelt“, erinnert er sich. „Die Adventszeit war immer die schönste Zeit im Jahr“, sagt Kistner. Und die Krippenszene, in der die Geschichte von der Geburt Jesu dargestellt wird, hatte für ihn dabei stets einen großen Stellenwert.

Erste Krippe vor 40 Jahren

Deshalb war es kein Zufall, dass er vor über 40 Jahren mit einer Jugendgruppe im Alten Rathaus ausgerechnet eine Krippe baute. Bei späteren Jugendfreizeiten entstanden die nächsten Krippen. Und so wurde für den gelernten Elektromechaniker, Schreiner und Bautechniker ein richtiges Hobby daraus. Für die Personalrats-Weihnachtsfeier der Gemeinde Mutterstadt, bei der Kistner früher gearbeitet hat, fertigte er bald jedes Jahr eine Krippe an. Doch im Jahr 2008 hatte der Ruchheimer einen Unfall, der ihn in den Rollstuhl zwang und sein Leben schlagartig veränderte.

Nur zehn Jahre später musste Karl Heinz Kistner einen schweren Verlust verkraften. Seine Frau Gabriele, die stets treu an seiner Seite war, starb nach schwerer Krankheit. Und er sei kurz davor gewesen, in ein tiefes Loch zu fallen, schildert der Rentner seine Situation. So habe er nach elf Jahren Pause wieder mit dem Krippenbau angefangen. „Es ist ein bisschen Therapie“, sagt der 68-Jährige, der mit seinem Kater Kurti alleine lebt. „Man spürt die Schmerzen nicht so.“

Viele Arbeitsstunden

Etliche Stunden Arbeit steckt er in jede einzelne Krippe, die an seiner Werkbank im Arbeitszimmer entsteht. Eine hohe Qualität ist ihm sehr wichtig, denn wenn seine Werke etwa bei Auktionen für den guten Zweck versteigert werden, sollen sie einen ordentlichen Preis erzielen. „Allein der Materialwert inklusive Figuren liegt bei rund 200 Euro“, erklärt der erfahrene Handwerker.

Alles in Handarbeit. eine6 von Kistners Krippen.
Alles in Handarbeit. eine6 von Kistners Krippen.

„An meinen Krippen sind keine Spanplatten“, sagt Kistner. Alle Teile werden dreifach gestrichen und miteinander sowohl verleimt als auch – von außen nicht sichtbar – verschraubt. Kleinteile wie Besen, Rechen oder Leitern fertigt er selbst an. Und dies tut er mit so viel Liebe zum Detail, dass man sich am Innenleben der Krippe kaum satt sehen kann. Als Elektromechaniker weiß Kistner natürlich auch, wie er seine Unikate perfekt beleuchtet. Drei bis fünf Lampen aus dem Modelleisenbahnbedarf werden pro Krippe verbaut.

Engel mit Magnet

„Die Szene ist ans Lukasevangelium angelehnt“, sagt der Bastler. Deswegen sei bei den Figuren auch immer der Verkündigungsengel dabei. Kistner platziert ihn gerne auf einen Baumstamm neben dem Stall. Und damit er nicht fällt, ist der Engel mit einem Magneten gesichert.

Die erste Krippe, die nach dem Tod seiner Frau entstanden sei, habe seine Schwiegermutter bekommen und halte sie in Ehren, erzählt der Witwer. Auch für seine Enkelin habe er schon eine Krippe gebaut. Aber jedes Jahr möchte er mit seinen Krippen auch Gutes tun. So hat unter anderem das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus schon Exemplare bekommen, zum Verkauf und für die Patienten auf der Kinderstation Noah. Auch die evangelische Kirchengemeinde Ruchheim und das Tierheim Ludwigshafen hat Kistner bereits beschenkt.

Abnehmer gesucht

Dieses Jahr habe sich die Suche nach geeigneten Abnehmern jedoch schwierig gestaltet, bedauert der 68-Jährige. Deshalb hofft er nun umso mehr darauf, dass sich im kommenden Jahr Einrichtungen und Institutionen finden, die eine seiner Krippen verkaufen und aus dem Erlös ihre Arbeit oder Projekte finanzieren möchten. Denkbar seien Einrichtungen oder Vereine für Kinder, aber auch ein Frauenhaus, sagt Kistner. Interessenten könnten sich bei ihm melden. Der Ruchheimer gibt gern, wenn er weiß, dass damit anderen geholfen wird.

Kontakt

Institutionen und Einrichtungen können sich unter Mail karl.kistner@gmail.com mit Karl Heinz Kistner in Verbindung setzen.

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