Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kripo: Wie Brandermittler nach Ursachen und Tätern suchen

Eine Brandortbegehung gehört zum Berufsalltag der ermittelnden Polizeibeamten.
Eine Brandortbegehung gehört zum Berufsalltag der ermittelnden Polizeibeamten.

Wie arbeitet eigentlich die Kriminalpolizei? Im Detail wollen das die Gesetzeshüter natürlich nicht verraten. Ein Brandermittler hat uns dennoch Einblick gegeben und erklärt, wie er sich auf die Suche nach Brandursachen und Tätern macht.

Wenn es brennt, dann rücken zum „ersten Angriff“ Feuerwehr, Notarzt und Polizei aus. Letztere schickt aus ihren Reihen Mitarbeiter des Kriminaldauerdienstes (KDD), die mit den Untersuchungen beginnen können, sobald ihnen der Einsatzleiter der Feuerwehr den Brandort „übergeben“ hat – wenn also keine Einsturzgefahr besteht und auch keine schädlichen Stoffe in der Luft sind. Brandermittler und Kriminaloberkommissar Sascha (Name von der Redaktion geändert), tätig im Kommissariat I der auch für Frankenthal, Speyer sowie den Rhein-Pfalz-Kreis zuständigen Ludwigshafener Kriminalpolizei, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht involviert.

Die Arbeit des 30-Jährigen beginnt, sobald die Kollegen vom KDD die Brandreste sichergestellt, Fotos gemacht, das betroffene Objekt möglicherweise beschlagnahmt und auch versiegelt haben. „Ich bekomme von ihnen dann die Akte mit den zusammengetragenen Informationen“, erzählt er. Handele es sich um einen Gebäudebrand, übernehme die weiteren Ermittlungen immer die Kriminalpolizei. Außerdem gelte: „Die Feuerwehr äußert sich nie zur Brandursache, das ist immer die Aufgabe der Polizei.“

Spürsinn und Technik

Doch wie findet man so eine Brandursache eigentlich heraus, wenn von einer Wohnung kaum mehr etwas übrig geblieben ist? „Am Anfang gibt es immer eine gemeinsame Brandortbegehung“, sagt Sascha. „Ich muss mir das mit denjenigen anschauen, die sich vor Ort wirklich gut auskennen, also die Eigentümer oder die Mieter.“ Ein Brand verändere ja sehr viel in den Räumen, und als Brandermittler müsse man eine Rekonstruktion vornehmen. „Wenn Regale umgefallen sind, dann versuche ich zum Beispiel, die wieder an ihren ursprünglichen Platz zu stellen“, erklärt der Kriminaloberkommissar. „Und wenn sich im Brandschutt etwas aufgehäuft hat, dann muss ich das minutiös auseinandernehmen und schichtweise abtragen.“

Sind Brandbeschleuniger im Spiel gewesen, dann hilft Sascha nicht selten sein kriminalistischer Spürsinn und die berufliche Erfahrung: „Manche Gerüche erkennt man tatsächlich schon anhand des Brandschutts“, sagt er. Ohne allzu viel verraten zu wollen, erklärt der 30-Jährige aber auch, wie die Kriminaltechniker vorgehen, wenn sie von ihm beauftragt werden. „Die Kollegen haben Geräte, die Teilchen aus der Umgebungsluft filtern – und bestimmte Moleküle zeigen dann an, ob ein Brandbeschleuniger verwendet wurde.“ Bis zu vier Tage lang könne man innerhalb einer Wohnung Brandbeschleuniger feststellen, im Freien gestalte sich das Ganze ein bisschen schwieriger.

Ein Autobrand.
Ein Autobrand.

Kommt es zum Strafverfahren?

Weil nach einem Brand auch immer die Frage zu klären ist, ob es zu einem Strafverfahren kommt, muss Sascha prüfen, ob Vorsatz, Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt den Brand ausgelöst hat. Um das herauszufinden, stellt er den Betroffenen ganz klassische Fragen, die jeder schon einmal gehört haben dürfte, der im Fernsehen gerne Tatort schaut: Wer hatte Zugang zur Wohnung, war das Fenster geöffnet, wo haben Sie sich befunden, als der Brand ausbrach?

Wichtig ist natürlich aber auch, die Brandausbruchstelle zu finden. Insbesondere, wenn großer Schaden entstanden ist, brauche man dafür Erfahrung, sagt Sascha. „Eindeutige Zeichen – zum Beispiel, wenn die Flammen eine rußige Trichterform an der Wand hinterlassen haben – weisen manchmal aber auch recht schnell den Weg.“ Ist die Brandursache nicht eindeutig nachweisbar, dann greift der Kriminaloberkommissar auf das sogenannte Eliminationsverfahren zurück. „Um einzelne Brandursachen auszuschließen, gehen wir dann alle möglichen Szenarien durch und beantworten jeweils die Frage: Passt das, oder passt das nicht?“ Vor Ort hat Sascha dabei immer eine dicke Hose an, einen Overall und Sicherheitsschuhe. Nicht selten trägt er einen sogenannten Gebläsehelm, der ihm eine eigene und gefilterte Atemluft bietet.

Staatsanwaltschaft bestellt Gutachter

In der Regel dauere eine Brandortbegehung zwischen anderthalb und drei Stunden. „Plus noch einmal zwei bis drei Stunden, wenn ein Gutachter beauftragt wird“, sagt Sascha. Den bestellle die Staatsanwaltschaft immer dann, wenn beim Brand Personen verletzt wurden oder hoher Sachschaden entstanden ist. Aber auch, wenn Sascha als Brandermittler zwar Anhaltspunkte für eine technische Ursache sieht, den genauen Auslöser für den Brand aber nicht erkennen kann. „Komme ich zu dem Schluss, dass ein Technikfehler den Brand ausgelöst hat, dann schickt die Staatsanwaltschaft grundsätzlich keinen Gutachter.“ Weil dann kein schuldhaftes Verhalten zugrunde liege, werde entsprechend auch kein Strafverfahren eröffnet. „Erfahrungsgemäß ist ein solcher Fall für mich nach rund zwei Wochen abgeschlossen“, erzählt Sascha.

Brand in einem Wohncontainer.
Brand in einem Wohncontainer.

Stellt der Brandermittler allerdings fest, dass Vorsatz oder Fahrlässigkeit im Spiel war, dann komme es zum Strafverfahren, das in der Regel zwei bis sechs Monate dauern könne. Die allgemeine Ermittlungsarbeit, die dann zu leisten ist, umfasse zum Beispiel die Auswertung von Videoaufzeichnungen auf öffentlichen Plätzen, Zeugenaufrufe und die Observation von Verdächtigen. „Das ist oft eine Art Puzzlearbeit, für die man eine gewisse Ruhe und auch Geduld mitbringen muss“, sagt Sascha, der seit drei Jahren Brandermittler ist und dafür mehrere Schulungen absolviert hat.

92 Fälle im Jahr 2021

Im Jahr 2021 seien wegen Bränden 69 strafrechtlich relevante Ermittlungsverfahren und 23 sonstige Vorgänge von der Kriminalinspektion Ludwigshafen bearbeitet worden – die „sonstigen Vorgänge“ umfassen dabei Brände, die nachweislich eine technische Ursache hatten. „In fünf Fällen wurden Gutachter eingeschaltet“, erklärt Sascha, der in seinem Berufsleben aber nicht ausschließlich als Brandermittler tätig ist. „Das Kommissariat I der Ludwigshafener Kriminalpolizei ist auch zuständig für Vermisste, Todesermittlungsverfahren und Waffen“, erklärt er. Wenn der 30-Jährige also nicht gerade wegen eines Brands ermittelt, dann kann es auch sein, dass er sich um einen Vermisstenfall kümmert.

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