Ludwigshafen
Kriminalpolizei sucht Bewerber
Rund zehn Prozent aller Straftaten, die jedes Jahr im Polizeipräsidium Rheinpfalz registriert werden, werden von der Kriminalpolizei bearbeitet. In der Vorder- und Südpfalz sind 320 Beamte bei der Kripo, 170 davon arbeiten von Ludwigshafen aus. 21 Organisationseinheiten gibt es – die bekannteste ist das K 11, das Kommissariat für Kapitalverbrechen. Im „Tatort“-Krimi wird es Mordkommission genannt.
Doch der Aufgabenbereich der Kripo umfasst viel mehr. Die Beamten sind im Gegensatz zu ihren Kollegen von der Schutzpolizei, die in Uniform auf Streife fahren, in Zivil gekleidet und beschäftigen sich unter anderem mit schwerer sowie schwerster Kriminalität. Dabei geht es unter anderem um Gewaltverbrechen, Extremismus und Drogenhandel im großen Stil. Alleine von der Kriminalinspektion Ludwigshafen wurden im vergangenen Jahr knapp 4400 Straftaten bearbeitet. Darunter Vermögensdelikte, Todesermittlungsverfahren und sexuelle Straftaten.
Schwierig Nachwuchs zu finden
„Und das ist nur ein kleiner Teil der Kriminalitätsbekämpfung. Der überwiegende Teil wird von den Kollegen der Schutzpolizei geleistet“, erläutert Michael Dommermuth, Leiter der Kriminaldirektion Ludwigshafen. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Gewinnung von Nachwuchs für die Kripo. Doch dafür Werbung zu machen, ist gar nicht so einfach. Denn im Land Rheinland-Pfalz führt der Weg zur Kriminalpolizei über die Schutzpolizei. Nur wer erfolgreich das Bachelorstudium Polizeidienst absolviert und dann mindestens ein halbes Jahr in Uniform auf der Straße unterwegs ist, kann sich für den Kriminaldienst bewerben.
„Das ist kein einfacher Job, da muss man viel aushalten“, sagt Dommermuth. Im Gegensatz zur Schutzpolizei seien die Beamten der Kripo von den ersten Ermittlungen an bis hin zum Prozess vor Gericht mit dem Fall beschäftigt. Dieser Zeitraum kann sich über Monate strecken und belastend sein. Der Anblick von Leichen gehört zum Berufsalltag. Deswegen gebe es viele Hilfsangebote. Als der Kripochef in den Polizeidienst trat, war das noch anders. Als junger Beamter musste er einen tödlichen Verkehrsunfall aufnehmen. Das Opfer war eine junge Frau. Das nahm ihn mit. Sein damaliger Chef schenkte ihm ein Glas Schnaps ein. Der „Leichenschnaps“ gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Heute stehen Seelsorger und Psychologen den Beamten zur Seite.
Vielen fehlt die Uniform
Das bestätigt auch Sandra. Die Kriminaloberkommissarin arbeitet im Kommissariat 2 und befasst sich dort mit Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie Sexualdelikte. „Das nimmt einen natürlich mit, aber da muss jeder in sich hineinhören, ob man das erträgt“, sagt sie. Nach dem Wechsel von der Schutzpolizei zur Kripo sei es ihr zunächst schwergefallen, keine Uniform mehr zu tragen. „Das ist zuweilen schwierig, weil manche Menschen zunehmend skeptisch sind und uns teilweise nicht glauben, dass wir auch zur Polizei gehören“, erzählt sie.
So geht es auch Elisabeth. Die 45-Jährige wechselt gerade von der Schutzpolizei zur Kripo und absolviert die praktische Qualifizierung. Sie ist seit 1994 im Dienst und muss sich noch daran gewöhnen, keine Montur mehr zu tragen. „Ich wollte nach all den Jahren etwas Neues ausprobieren und habe neue Möglichkeiten gesucht, mich zu entfalten“, sagt sie. „Es ist nicht einfach, Mitarbeitende nach vielen Jahren auf der Straße bei der Schutzpolizei für uns zu gewinnen“, sagt Dommermuth. Viele scheuten die aufwendige Aktenarbeit. Spannend sei die Arbeit in jedem Fall.
Das bekräftigt auch Eric. Er arbeitet im Kommissariat 3 und beschäftigt sich mit Drogenkriminalität. „Es macht Spaß, im Team zu ermitteln und bis zum Schluss am Fall dran zu bleiben“, sagt er. Denn neben der Dokumentation gehörten auch Durchsuchungen, Observationen und Telefonüberwachung zu seinen Aufgaben.
Zur Sache: So geht’s zur Kripo
Wer sich für die Arbeit als Kriminalbeamter interessiert, muss zunächst das Bachelorstudium Polizeidienst an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz am Campus Hahn erfolgreich absolvieren. Das Studium dauert drei Jahre. Dann folgen mindestens sechs Monate im Polizeidienst, um praktische Erfahrung zu sammeln. Erst danach kann man sich auf freie Stellen bei der Kripo bewerben und an einem Auswahlverfahren teilnehmen. Erfolgreiche Bewerber kommen in die Grundqualifizierung, die rund sechs Monate dauert und aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Am Ende des theoretischen Lehrgangs folgt eine Prüfung, bevor die Bewerber in verschiedenen Kommissariaten Erfahrungen sammeln. Geeignete Bewerber werden in den Kriminaldienst übernommen und müssen abschließend für weitere drei Monate im Schichtdienst beim Kriminaldauerdienst arbeiten. Danach steht der Karriere bei der Kripo nichts mehr im Weg.
Ein Video mit Interviews finden Sie hier.