Ludwigshafen Kreishandwerker: Hans Ziegle wirbt um Nachwuchs

„Die Selbstständigkeit als Handwerker ist ein sichererer Arbeitsplatz als die mittlere Führungsebene bei einem DAX-Unternehmen.“ Kreishandwerksmeister Hans Ziegle hat mit diesem Vergleich bei der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz darum geworben, dass mehr Schulabgänger ins Handwerk gehen.
Aber auch das Handwerk befinde sich im Umbruch, sagte Ziegle. Die Strukturen der Betriebe, der demografische Wandel, die Globalisierung und der Trend zur Liberalisierung seien die größten Herausforderungen. Aber die Anstrengungen lohnten sich, so Ziegle: „Arbeitslosigkeit ist im Handwerk ein Fremdwort.“ Gegenüber dem Vorjahr habe sich nicht allzu viel geändert, erklärte Hauptgeschäftsführer Rainer Lunk in seinem Geschäftsbericht. Der Rückgang der Mitgliedsbetriebe halte weiter an. Noch 3905 Betriebe sind dem Dienstleistungszentrum Handwerk Vorderpfalz angeschlossen. Das sind 137 weniger als ein Jahr davor. „Vor allem die Anzahl an Bäckerei- und Fleischereibetrieben schmilzt weiterhin pro Jahr um fünf Prozent ab“, nannte Lunk die Hauptursache. Die Gründe dafür sind bekannt: „Fehlende Betriebsnachfolger und die Verkaufsstrategie von Discountern und Global Playern bedeuten das Aus für traditionelle Handwerksbetriebe.“ In der Gesamtbetrachtung über die 151 Handwerksbranchen sei die Entwicklung aber noch nicht bedrohlich. Bedenklicher sei der erneute Rückgang von Zwischenprüfungen. Nur noch 812 Teilnehmer waren angemeldet – 951 waren es 2014. Immerhin blieb die Anzahl der Zwischenprüfungen mit 53 konstant. „Der Fachkräftemangel im Handwerk nimmt inzwischen gravierende Formen an“, mahnte der Hauptgeschäftsführer. Wegen fehlender Mitarbeiter könnten etliche Betriebe trotz guter Konjunktur manche Aufträge nicht annehmen. Die Kreishandwerkerschaft engagiere sich auch selbst, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So ging die Jugendfördermaßnahme des Dienstleistungszentrums ins 20. Jahr. „Weit über 1100 junge Menschen ohne Ausbildungsperspektive haben dadurch in den vergangenen Jahren eine neue Chance erhalten“, so Lunk. Skeptischer beim Blick in die Zukunft war hingegen Kreishandwerksmeister Ziegle: „Ich glaube, wir werden in Zukunft eher zu wenig Arbeit für zu viele Menschen haben.“ Auch dies sei eine Herausforderung für die Kreishandwerkerschaft. (env)