Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kreative Abschiedsstunde: Schüler entwerfen Theaterkostüme aus Papier

Rebecca Schuster (links) und Karla Yildiz stellen aus Zeitungspapier ein Theaterkostüm her, das typisch für die Antike ist.
Rebecca Schuster (links) und Karla Yildiz stellen aus Zeitungspapier ein Theaterkostüm her, das typisch für die Antike ist.

Am Ende ihrer Schulzeit tauchen Schüler der IGS Mutterstadt in vergangene Theaterepochen ein. Der Höhepunkt des Projekts endet mit einem dramatischen Akt.

Lange Bahnen unbedrucktes Zeitungspapier bedecken den Boden, es wird vermessen, geschnitten und geklebt. In Aktion sind die Abiturienten der beiden Grundkurse „Darstellendes Spiel“ (DS) der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt. Ihre Aufgabe: Theaterkostüme aus Papier gestalten – und zwar inspiriert von Epochen wie dem elisabethanischen Theater, der Commedia dell’ Arte oder dem Naturalismus. Nach der Fertigstellung der Kostüme soll die jeweilige Epoche zudem szenisch präsentiert werden.

„Die Schülerinnen und Schüler haben Skizzen gemacht, mit deren Hilfe sie das Kostüm heute erstellen wollen“, erklären die beiden Kursleiterinnen Petra Simon und Susanne Staenglen. Nicht bei jedem funktioniert der Praxistest allerdings wie vorab theoretisch geplant. „Ehrlich gesagt improvisieren wir gerade, und es sieht ganz anders aus als auf unserer Skizze“, erzählt zum Beispiel Julia Fußer und lacht. Von ihrer Projektpartnerin bekommt sie ein Kostüm passend auf den Leib „geschneidert“, welches das elisabethanische Zeitalter repräsentiert – es gilt als der Höhepunkt der englischen Renaissance.

„Tolle Möglichkeit, kreativ zu sein“

Rebecca Schuster steht ein paar Meter weiter und ist ebenfalls in die Rolle des Modells geschlüpft. Die Epoche, die sie gemeinsam mit Projektpartnerin Karla Yildiz zum Leben erwecken soll, ist die Antike. Seit der sechsten Klasse belegt Rebecca Schuster bereits Darstellendes Spiel und beschreibt das Fach als eine Art Insel im Schulalltag. „Es ist eine tolle Möglichkeit, kreativ zu sein“, erzählt sie im RHEINPFALZ-Gespräch. „Außerdem habe ich gelernt, laut zu sprechen, selbstbewusst vor einer Gruppe aufzutreten und mich in andere Positionen hineinzufühlen.“ Gut möglich, dass die junge Frau ihr großes Hobby am Ende sogar zum Beruf macht. „Ich möchte auf jeden Fall Theaterwissenschaften an der Universität Mainz studieren“, erzählt sie.

Die kreative Kostüm-Aktion findet nach dem schriftlichen Abitur statt und markiert somit das Ende der gemeinsamen Schulzeit. „Teilweise kenne ich die Schüler schon seit der fünften Klasse, es ist unsere letzte Unterrichtsstunde“, sagt Petra Simon mit Wehmut in der Stimme.

Das künstlerische Ergebnis zum Thema Antike von Rebecca Schuster (links) und Karla Yildiz.
Das künstlerische Ergebnis zum Thema Antike von Rebecca Schuster (links) und Karla Yildiz.

Längst habe der Kurs jedoch nicht nur im Klassenraum stattgefunden. „Eines unserer Projekte hat uns zum Beispiel an den Mannheimer Hauptbahnhof geführt“, erzählt Rebecca Schuster. „Wir haben am Bahnhof das Verhalten von Menschen beobachtet, während sie warteten – darauf basierend haben wir dann Charakterbiografien erstellt und passende Theaterszenen entwickelt.“ Die Abiturientin lässt sich bereitwillig interviewen, während sie auf einem Sockel steht und Karla Yildiz den „antiken“ Rock aus Zeitungspapier anpasst. Für dieses spezielle Projekt zur Verfügung gestellt hat es DIE RHEINPFALZ.

In neue Rollen schlüpfen

Auch Efe Sancabarlaz ist dazu verdonnert, still zu stehen. Sein Projektpartner Wiktor Lesiuk klebt nämlich gerade die Hose aus Zeitungspapier zusammen, die am Ende das Zeitalter des Naturalismus symbolisieren soll. „Der Naturalismus war eine Reaktion auf die drastischen gesellschaftlichen Veränderungen der Industrialisierung“, erläutert Sancabarlaz. Wie also wird das Kostüm aussehen? „Es soll auf jeden Fall typische Merkmale der Arbeitergesellschaft und der Industrialisierung aufweisen, deshalb werden wir Fetzen aus weißem Papier an den Ellenbogen und Knien anbringen“, sagt der Abiturient. „Wir sind beide seit der elften Klasse im Kurs Darstellendes Spiel“, erzählt Wiktor Lesiuk. Immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen mache ihm dabei am meisten Spaß.

Efe Sancarbarlaz (im Kostüm) wird von Wiktor Lesiuk passend zur Epoche des Naturalismus eingekleidet.
Efe Sancarbarlaz (im Kostüm) wird von Wiktor Lesiuk passend zur Epoche des Naturalismus eingekleidet.

Die Idee, zum Abschluss der Schulzeit noch einmal Theaterkostüme aus Zeitungspapier herzustellen, ist Petra Simon durch eine Fortbildung gekommen. „Das habe ich auch im vergangenen Jahr schon gemacht – mit guten Ergebnissen und viel Spaß“, berichtet sie. Emotional wird es am Ende dann allerdings auch. Und das nicht nur, weil die gemeinsame Unterrichtszeit der Abiturienten zu Ende geht. „Am Ende der vierstündigen Projektarbeit müssen die Kostüme wieder zerrissen werden“, sagt Simon. „Nur ein Abschlussfoto bleibt uns allen als Erinnerung.“

Geschafft: Nach dreistündiger „Ankleide" sind alle Theaterkostüme aus Zeitungspapier fertig.
Geschafft: Nach dreistündiger »Ankleide« sind alle Theaterkostüme aus Zeitungspapier fertig.
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