Ludwigshafen Krach in der Kreishandwerkerschaft

Fritz Koch war bis vor Kurzem Obermeister der Innung Sanitär-Heizung-Klempnertechnik (SHK). Er wollte mit seiner Führungsmannschaft die in Ludwigshafen ansässige Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz verlassen, mit ihrer in Neustadt sitzenden Schwester-Innung fusionieren und unter das Dach der Kreishandwerkerschaft Südpfalz/ Deutsche Weinstraße schlüpfen. Der Sanitärmeister aus Frankenthal nennt als Grund unter anderem die Höhe der Umlage, die seine Innung nach Ludwigshafen überweise. Während die Innung ihre Beiträge seit 2003 nicht mehr erhöht habe, steige die Umlage an den Berufsverband in den letzten Jahren regelmäßig um zwei bis drei Prozent. Dass aus der Fusion nichts wurde, kreidet Koch vor allem dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz, Rainer Lunk, an. Der habe im Vorfeld der Mitgliederversammlung Ende April dafür gesorgt, dass die vorher im Innungsvorstand einstimmig abgesegneten Pläne dort von eigens dafür mobilisierten Leuten abgelehnt wurden. „Da sind Leute aufgetaucht, die noch nie auf einer Veranstaltung der Innung waren“, berichtet Koch. Weil sie für sich und ihre Position keine Perspektive mehr sah, nahmen der Frankenthaler und sein Führungsteam den Hut. Anfang Juli schließlich kam bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der rund 150 Betriebe starken Sanitär-Innung ein neuer Vorstand mit dem Altriper Axel Volkmer an der Spitze ins Amt. Warum die Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz um den Verbleib der Innung Sanitär-Heizung-Klimatechnik gekämpft habe, liege auf der Hand, sagt Koch, der dem Berufsverband 14 Jahre vorstand und bis 2017 noch als Landesinnungsmeister amtiert. „Die fürchten um ihre Pfründe und darum, dass ein Dominoeffekt eintritt, wenn erst einmal eine Innung ausgetreten ist“, meint er. Immerhin gehe es um einen stattlichen Betrag, der dann zur Finanzierung des Dienstleistungszentrums Handwerk in Ludwigshafen gefehlt hätte. Die Sicht von Rainer Lunk auf die Vorgänge der vergangenen Monate ist eine andere: Der Konfrontationskurs Kochs und seiner Mannschaft habe vor allem mit „erheblichen Differenzen“ im Vorstand der Kreishandwerkerschaft zu tun. Diese gingen dem Geschäftsführer zufolge sogar so weit, dass die dortigen Kollegen eine Zusammenarbeit mit dem Frankenthaler abgelehnt hätten. Das Thema der Betreuungsbeiträge, die Innungen an die Kreishandwerkerschaft zahlen müssen, sei erst aufgerufen worden, als es konkret um die Kündigung der SHK-Innung ging. Lunk hat dafür auch keinerlei Verständnis: „Die übrigen 16 Innungen, die in unserem Haus betreut werden, sind mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis sehr zufrieden“, betont der Geschäftsführer. Lunk sagt, dass die Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz Betriebe halten wolle. Er stellt aber auch klar: „Der Abgang dieser Innung mit 149 Betrieben nach Neustadt hätte in unserem Dienstleistungszentrum mit über 4000 betreuten Betrieben keine wirtschaftlichen Turbulenzen ausgelöst.“ Was Koch als Mobilisierung gegen seine Fusionspläne bezeichnet, ist für Rainer Lunk seiner Pflicht zur Information der Innungsmitglieder geschuldet: „Der Vorstand wäre verpflichtet gewesen, im Vorfeld einer solchen Entscheidung alle Innungsmitglieder detailliert zu informieren. Da dies nicht der Fall war, haben wir den Betrieben mitgeteilt, welche Konsequenzen diese Initiative hat.“ Klaus Seiferlein, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südpfalz/Deutsche Weinstraße, bestätigt die Bemühungen der Ludwigshafener Kollegen, eine Fusion mit der 56 Betriebe starken Innung in Neustadt zu verhindern. Selbst aktiv um eine Fusion bemüht habe er sich nicht – es sei nicht gerne gesehen, im Gebiet des jeweils anderen zu wildern. Er wehrt sich allerdings gegen den Eindruck der geringeren Leistungsfähigkeit seines Hauses, das selbst Ergebnis der Fusion der Kreishandwerkerschaften Südpfalz und Deutsche Weinstraße ist. Möglicherweise liegt hier auch der tiefere Grund für die Schärfe der Auseinandersetzung. Die Kreishandwerkerschaften Vorderpfalz und Deutsche Weinstraße standen vor einigen Jahren, als sie noch „solo“ war, schon einmal kurz vor einem Zusammenschluss, wie er mit der Südpfalz etwas später gelungen ist. Ein damals geschlossener Kooperationsvertrag sollte in einer Fusion münden. Die Neustadter stiegen damals aus, die Ludwigshafener waren stinksauer. Unterdessen wollen sich Koch und seine Getreuen nicht vollständig aus der Innungsarbeit zurückziehen. Das Prinzip laute nun „konstruktive Opposition“.