Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kostenloses Frühstück für hungrige Schüler

Zwei Seniorinnen schmieren die Brote.
Zwei Seniorinnen schmieren die Brote.

Dass Kinder ohne Frühstück im Bauch im Unterricht sitzen, gehört an der Albert-Schweitzer-Grundschule in Süd ab sofort der Vergangenheit an. Der Verein „Brotzeit“ versorgt seit Montag die Schüler mit einem kostenlosen und gesunden Frühstück. Es ist die erste Schule in Rheinland-Pfalz, die für das Projekt ausgewählt worden ist.

Mechthild Ball und Barbara Kreis sind am Montagfrüh kaum zu bremsen. Die beiden Seniorinnen sind zwei von sechs Frühstückshelferinnen, die ab sofort jeden Morgen unter der Woche den Kindern liebevoll ihr Frühstück zubereiten. Fleißig schneiden sie die Salatgurken, schmieren Butter auf Brote, belegen sie mit Geflügelwurst oder Scheibenkäse. Die Doppeldecker türmen sich auf dem Tisch und werden einzeln in Papiertüten verpackt, in Kunststoffboxen sortiert und in die Klassensäle gebracht.

In normalen Zeiten hätten die Frühstückshelferinnen ein Büffet mit Milch, Brot, Müsli, Joghurt, Obst und Brotaufstrichen aufgebaut. 30 Minuten vor Schulbeginn würden sie dann die Türen des Frühstücksraums für die Kinder öffnen. Doch coronabedingt ist alles anders. Das Tütenfrühstück ist derzeit die einzige Alternative zum Büffet.

Gibt schon Wartelisten

„Alle Schulen haben einen Warenkorb, aus dem sie das Frühstück zusammenstellen können“, erklärt Hans-Jürgen Engler, Geschäftsführer von „Brotzeit“, der zur Eröffnung aus München angereist ist. Gerade in Mannheim und Ludwigshafen habe er einen hohen Bedarf festgestellt, die Nachfrage sei groß, es gebe bereits Wartelisten, erläutert er. „Brotzeit“ nahm 2009 in München seine Arbeit auf – mit dem Ziel, den Hunger von Schulkindern zu bekämpfen. Gesicht des Vereins ist die Schauspielerin Uschi Glas (77). 275 Schulen in neun Bundesländern würden aktuell an dem Projekt teilnehmen, sagt Engler.

„Ein neues Projekt in Zeiten von Corona zu lancieren, ist eine große Herausforderung“, betont Gabriela Eckhartt-Mittendrein, Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule. Just am Tag des Projektstarts heißt es nun auch für die Grundschüler in Ludwigshafen wieder „Homeschooling“. Nur ein Bruchteil der Kinder wird aktuell notbetreut und darf sich daher über ein Frühstück freuen. Ab der kommenden Woche sollen – in wechselnder Reihenfolge – auch die übrigen Kinder, die montags ihre Unterlagen für die Bearbeitung zu Hause abholen, in den Genuss einer Stulle kommen. „Es ist gerade in diesen Zeiten so wichtig, etwas Positives zu starten. Es ist mutig, dass sich die Albert-Schweitzer-Grundschule auf diesen Weg macht“, betont Elisa Pahler, Projektleiterin für die Südpfalz.

Kinder lernen konzentrierter

Mit einem gesunden Frühstück im Bauch seien die Kinder konzentrierter, unterstreicht Eckhartt-Mittendrein die Bedeutung der Mahlzeit für einen guten Start in den Tag. Die Schulleiterin hatte vor über einem Jahr im Radio von „Brotzeit“ gehört und die Bewerbung dafür auf den Weg gebracht. Ende vergangenen Jahres kam von der Stadt als Schulträger das Okay für den Start des Projekts.

Bis zu 25 Prozent aller Schüler, so bundesweite Schätzungen, kommen ohne Frühstück in die Schule. „Bei uns sind das fünf, sechs Schüler pro Klasse“, rechnet Eckhartt-Mittendrein vor. Das soll nun der Vergangenheit angehören. Doch noch ein Aspekt ist ihr und den Verantwortlichen von „Brotzeit“ wichtig: das Miteinander, der Austausch mit den Frühstückshelferinnen, die nicht nur das Essen zubereiten, sondern im Idealfall auch ein offenes Ohr für ihre kleinen Gäste haben und damit sozusagen als „Ersatz-Oma“ fungieren. Mit 60 bis 80 Kindern pro Tag rechnet die Schulleiterin im Normalfall außerhalb von Corona-Zeiten. In der kommenden Woche wird eine weitere Ludwigshafener Schule von „Brotzeit“ versorgt: die Schlossschule in Oggersheim.

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