Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert würdigt jüdisches Leben in Deutschland

Kantor Johannes Michel
Kantor Johannes Michel

Mit einem Konzert unter Kirchenmusikdirektor Johannes Michels Leitung hat das Ensemble Mannheim Vocal seine Huldigung an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland in der Christuskirche dargebracht. Das Programm: geistliche Werke Michels und deutsch-jüdischer Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy.

Drei der jüdischen Komponisten des Programms, Kurt Weill, Hermann Berlinski und Hugo Chaim Adler (der auch in Mannheim gewirkt hatte) konnten in die USA emigrieren – Letzterer nach Internierung im KZ Dachau. Der abgesehen von Mendelssohn älteste, Emanuel Kirschner (1857 bis 1937), Erster Kantor von Münchens Großer Synagoge, starb 1938 wenige Monate nachdem er zum letzten Mal dort gesungen hatte, bevor die Kirche auf Hitlers Befehl abgerissen wurde. Adlers Sohn Samuel blieb übrigens nach dem Krieg seiner Geburtsstadt verbunden und machte sich sehr verdient um Aussöhnung und Kontakt.

Einige Entdeckungen

Zurück zum Konzert. Dort gab es einige Entdeckungen zu machen. Zuerst sei Hermann Berlinskis Orgelstück „Der brennende Busch“ genannt, das mit seinen sich schlangenhaft windenden Melodielinien, vielschichtigen Harmonien, aufwühlenden Dissonanzen und gewaltigen Verdichtungen ausgesprochen modern und höchst eindrucksvoll wirkte.

Ihm standen die sensiblen Lyrismen von drei noch in Mannheim entstandenen Kompositionen Hugo Chaim Adlers gegenüber. Nicht zu vergessen freilich die Ausdruckskraft, die deklamatorische Intensität und der lebendige Dialog zwischen Orgel und Singstimme in „Schalom al Israel“, Michels sechs hebräischen Gesängen für Bariton und Orgel. Einen krönenden Schluss des Konzerts bildeten dann vier Psalmen von Mendelssohn: „Warum toben die Heiden“, „Mein Gott, mein Gott“, „Denn er hat seinen Engeln“ und „Jauchzet dem Herrn“.

Transparenter Chorklang

Den Aufführungen des Abends lässt sich vorbehaltlos bemerkenswert hoher Anspruch bescheinigen. Dafür sprachen die erlesene Qualität des perfekt ausgewogenen, stets vorbildlich transparenten Chorklangs unter Michels überlegener Leitung – etwa beim bewegenden Dialog zwischen Solostimmen und Chor in „Mein Gott, mein Gott“. Zudem sprachen gestalterische Präsenz und ausgeprägter Wille beredt für die Wiedergaben.

Mit exzellenten Leistungen warteten schließlich Kantor Amnon Seelig und die beiden Organisten Marion Krall und Matthias Berges auf.

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