Ludwigshafen Kling, kling

Die meisten Radfahrer reagieren freundlich auf die Kontrolle. Einige bedanken sich sogar für Tipps. So mancher Mangel ist offens
Die meisten Radfahrer reagieren freundlich auf die Kontrolle. Einige bedanken sich sogar für Tipps. So mancher Mangel ist offensichtlich: wie bei dieser kaputten Klingel (unten).

„Sehr vorbildlich, der Frühverkehr“, kann Oliver Blanz auch an diesem Morgen sagen. Es ist Donnerstag, 7 Uhr. Die Mundenheimer Straße in Süd ist eine der Hauptverkehrsachsen für den zweirädrigen Berufsverkehr in Richtung Innenstadt, BASF oder nach Mannheim. Kaum hat sich die achtköpfige Kontrollgruppe in Uniform positioniert, nähern sich die ersten Drahtesel-Pendler. Schon von weitem sind sie dank neongelber Warnweste sichtbar. Auch einen Helm tragen sie. Vorbildlich eben. Angehalten werden dennoch alle; schließlich ist Fahrradkontrollwoche. Von Montag bis Freitag waren die Polizisten Oliver Blanz und Daniel Ander von der Polizeiinspektion 1 mit ihren Kollegen von der „Arbeitsgruppe Fahrrad“ in der Stadt unterwegs und haben an besonders verkehrsreichen Stellen oder Unfallschwerpunkten kontrolliert. Die Ergebnisse gibt die Polizei am Montag bekannt. Kling, kling – mal in hohem, dann in tieferem Ton. Werden vier Radfahrer gleichzeitig kontrolliert, gibt’s ein Klingel-Quartett. Funktioniert das Signalzeichen? Wie ist es mit der Bremse? Haben die Räder vorne und hinten je zwei Reflektoren an den Speichen oder alternativ Reflektorstreifen? Gibt es Vorder- und Rücklicht? Hat der Fahrer einen Helm auf? All das überprüfen die Polizisten. Einen Helm zu tragen, ist in Deutschland zwar keine Pflicht, aber trotzdem empfehlenswert. „Meist dauert die Kontrolle nicht länger als 30 Sekunden“, sagt Blanz. In der Mundenheimer Straße, früh morgens, ohnehin nicht. Hier sind die Profis unterwegs, die auf ihrem Arbeitsweg pro Strecke teils 20 Kilometer und mehr hinter sich lassen. Das Fahrrad in Schuss und verkehrssicher zu halten, ist da selbstverständlich. Daniel Ander schätzt, dass die Helmquote im Berufsverkehr bei etwa 80 Prozent liegt. Über den Tag verteilt trägt im Durchschnitt nur jeder dritte Erwachsene einen Kopfschutz – so das Ergebnis der Kontrollwoche im vergangenen Jahr. Gerade kommt wieder ein behelmter Zeitgenosse angefahren, hohes Tempo, Fahrradkleidung. Bei ihm gibt es ein anderes Problem. Er hat auf beiden Seiten Kopfhörer im Ohr. Mindestens ein Ohr muss jedoch frei sein. Als Oliver Blanz von ihm zehn Euro Verwarnungsgeld verlangt, zeigt sich der Mann uneinsichtig. Er habe die Musik so leise gestellt, dass er sicherlich mehr höre, als ein Autofahrer mit aufgedrehtem Radio, ist seine Begründung. Blanz schreibt die Daten des Mannes auf. „Das ist jetzt nicht euer Ernst!?“ Die Frau, die anschließend angehalten wird, hat keine Lust auf Kontrolle. Eine Radlerin kurz dahinter wird auf fehlende Reflektoren am Vorderreifen aufmerksam gemacht. „Ich wusste tatsächlich nicht, dass ich die brauche. Gut, dass sie es sagen“, antwortet die junge Bebrillte einsichtig und dankbar. Wer seit Montag kontrolliert, trifft donnerstags alte Bekannte. „Moin“, grüßt ein Mann, während er sein Fahrrad zum Stehen bringt und ergänzt grinsend in Richtung Polizei: „Ich habe Sie gestern schon vermisst.“ Während kleine Ausstattungsmängel wie fehlende Reflektoren mit einer mündlichen Verwarnung bedacht werden, muss bei einigen Verstößen gezahlt werden. Wer fahrend mit dem Handy telefoniert, muss etwa 55 Euro hinblättern. Die Kopfhörer-Geschichte trifft nun eine 21-Jährige, eilig auf dem Weg zur Schule. „Ist auf beiden Ohren Musik?“, fragt die Polizistin. „Ja“, sagt die Frau und kramt kurz darauf missmutig zehn Euro aus dem Rucksack. Teurer wird’s, wenn jemand in falscher Richtung auf dem Radweg unterwegs ist – eine der Hauptunfallursachen, wie Ander und sein 27-jähriger Kollege Blanz berichten. „Die Autofahrer gucken meist nur in eine Richtung.“ Bei der Kontrollwoche geht es nicht nur darum, Fehlverhalten zu entdecken und die Menschen zu sensibilisieren. Manches Mal zeigt das Verhalten der Menschen auch, was bei der Straßenplanung nicht gut gelaufen ist. Ander nennt die Lagerhausstraße als Beispiel. Auf der gerade erst frisch sanierten Strecke im Stadtteil Süd hätten sie auch kontrolliert. Einen Radweg gibt es dort nicht, lediglich einen sogenannten Schutzstreifen stadtauswärts. Wer in die Stadt hineinradelt, muss sich die Straße mit den Autos teilen. Von denen sind morgens viele und die teils mit hohem Tempo unterwegs, sagt der 32-Jährige. Verunsicherte Radfahrer nutzen daher auch mal den Schutzstreifen in die falsche Richtung. Das ist verboten, aber an dieser Stelle sogar fast nachvollziehbar, muss Ander zugeben. Die Arbeitsgruppe möchte das an die Stadt weitergeben. Dann kommt ein kleiner Junge, grünes Fahrrad, grüner Helm. „Wir schauen jetzt, ob dein Fahrrad verkehrssicher ist“, erklärt die Polizistin freundlich. Am Ende heißt’s: „Super! Du hast alles richtig gemacht.“ Kein Berufspendler, aber ebenso ein Vorbild.

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