Ludwigshafen Klassiker, Neuheiten und ein Weltfest
Elf Tanzproduktionen und sieben Schauspielinszenierungen erwarten die Besucher der XIII. Festspiele Ludwigshafen vom 21. Oktober bis 9. Dezember. Die Werkschau ist diesmal dem Wiener Burgtheater gewidmet. Gestern ist das Programm vorgestellt worden.
Bevor die Festspiele eröffnet werden, kommt aber noch vom 13. bis 15. Oktober das Festival „Offene Welt“. Das afghanische Ensemble Malalai zeigt mit „Die afghanische Jungfrau von Orleans“ eine Adaption von Schillers Stück auf die Situation in dem von Krieg und Terror heimgesuchten Land. Ferner führt Luise Rist mit ihrer Gruppe Mahala international, zu der Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Deutschland gehören, das Stück „Crossing Borders“ auf. Und die Paradise Bangkok Molam International Band verbindet in ihrem Konzert Pop mit traditioneller Thai-Musik. Abschluss ist wieder das Weltfest auf dem Vorplatz des Theaters. Offizieller Beginn der Festspiele ist der Auftritt der Göteborgs Operans Danskompani am 21. Oktober. Die schwedische Tanzkompagnie zeigt die sehr unterschiedlichen Tanzstücke „Noetic“ und „Icon“: Das eine ist sehr ästhetisch und visuell ausgerichtet, das andere sehr theatralisch. Eine weitere herausragende Tanzproduktion in dem hochkarätigen internationalen Programm kommen vom Nederlands Dans Theater 1, darunter die brandneue Choreographie „New Creation“. Olivier Dubois, Leiter des französischen Ballet du Nord, entführt mit „Auguri“ in die mythische Vorzeit. Das Choreographen-Duo Honji Wang aus Frankfurt und Sébastien Ramirez aus Frankreich arbeitet in „Borderline“ mit dem Vokabular des Hip-Hop und erzeugt mit Seilen den Eindruck von Schwerelosigkeit. Anne Teresa De Keersmaekers „Rain“ zur Musik von Steve Reich wurde vor 15 Jahren uraufgeführt und ist inzwischen ein Klassiker des modernen Tanzes. In neuer Besetzung ist das Stück nun wieder auf Tour. Mit der slowenischen EnKnap Group bestreitet tanzmainz, die Truppe Honne Dohrmanns, des Kurators des Tanzprogramms der Festspiele, einen Abend. Einen sehr afrikanischen Schwanensee bietet die südafrikanische Tänzerin und Choreographin Dada Masilo. Außerdem ist auf der großen Bühne noch einmal Helena Waldmanns „Gute Pässe, schlechte Pässe“ zu sehen, das im März in Ludwigshafen Premiere hatte. Auf der Hinterbühne führt während der Festspiele der Tänzer Alexander Vantournhout durch eine tragische Autobiografie des Körpers. Hier setzt sich der aus Venezuela stammende und in Montreal lebende José Navas in „Rites“ tanzend mit dem Problem des Alterns für einen Tänzer auseinander. „A Dance Tribute to the Art of Football“ schließlich heißt der satirische Zugriff der norwegischen Jo Strømgen Kompani auf das Fußballspiel. Das renommierte Wiener Burgtheater bildet mit vier Gastspielen diesmal den Schauspiel-Schwerpunkt. Den Anfang macht Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“. Darin geht es um Mobbing und Rufmord an einem Mediziner. Die Hauptrolle spielt Joachim Meyerhoff, der mit seinen autobiografischen Romanen auch als Schriftsteller sehr erfolgreich ist. Das von Dieter Giesing werkgetreu in Szene gesetzte Stück nennt Intendant Tilman Gersch sehr aktuell. Ferner ist das Burgtheater mit Inszenierungen der von Elfriede Jelinek neu bearbeiteten Komödie „Die Affäre Rue de Lourcine“ von Eugène Labiche, mit Harold Pinters „Geburtstagsfeier“ und Yasmina Rezas neuer Komödie „Bella Figura“ zu sehen. Tilman Gersch selbst steuert eine Inszenierung des Monologs „Judas“ der niederländischen Autorin Lot Vekemans bei. Gestern hatte das Stück am Badischen Staatstheater in Karlsruhe Premiere. Timo Tank spielt darin die Rolle des Judas, des Verräters und Denunzianten Jesu. In Ludwigshafen wird der tiefgründige Text über Schuld in drei Kirchen aufgeführt: am 22. Oktober in der Martinskirche, am 29. Oktober in der Friedenskirche und am 12. November in der Melanchthonkirche. Alle drei Vorstellungen beginnen um 17 Uhr. Auch ein Konzert gehört wieder zu den Festspielen. The Residents aus San Francisco zählen zu den Vorreitern experimenteller Musik. Die stets maskiert und in Frack und Zylinder auftretenden Musiker machen auf ihrer „In Between Dreams“-Tournee Station im Pfalzbau. Am Vorabend des Reformationsfestes am 30. Oktober ist in der Gesprächsreihe „Wort und Wein“ der Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch zu Gast. Selbstverständlich geht es um Luther, aber auch um dessen Lieblingswein, den inzwischen vom Aussterben bedrohten Malvasier. Die Festspiele haben einen Etat von 810.000 Euro, erwartet werden Einnahmen von 265.000 Euro, Zuschüsse und Sponsorengelder kommen von Land und BASF. Die Etatsituation ist damit weiterhin schwierig. Um die zunehmend klammen Theater nicht nur in Ludwigshafen geht es am 13. November bei einer Podiumsdiskussion. Überregionale Kultur