Fußball Klassensplitter: Kickers Neuhofen vor Abstieg aus der A-Klasse
Kickers Neuhofen droht das, was die Verantwortlichen auf jeden Fall vermeiden wollen: Ein Kurzgastspiel in der Fußball-A-Klasse Rhein-Mittelhaardt. Nach der 2:4-Niederlage in Maikammer droht dem Aufsteiger der sofortige Abstieg. „Wir haben Platz acht als Ziel ausgerufen, peilen einen gesicherten Mittelfeldplatz an“, hatte Spielertrainer Sebastian Schiller im August des vergangenen Jahres erklärt. Eine zu optimistische Vorgabe? Eigentlich nicht, der Kader ist gespickt mit Akteuren, die zuvor schon auf diesem Niveau oder sogar höherklassig gespielt haben. Von Anfang an lief es aber nicht richtig rund, Neuhofen bewegte sich meist am Rande der gefährdeten Zone oder stand auf einem Abstiegsplatz.
„Bis zur Winterpause hatten wir große Verletzungsprobleme und daraus resultierend eine geringe Trainingsbeteiligung. Fehlende Fitness war da durchaus ein Thema“, räumt der 31-jährige Schiller ein. Er selbst hatte sich nach der Hinserie einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt aktuell noch aus. Es war bereits seine dritte Verletzung dieser Art. Ein herber Schlag. Der Mittelfeldspieler ist der Dreh- und Angelpunkt im Aufbauspiel der Kickers. Ebenso hart hat den Neuling der zeitweise Ausfall von Kapitän René Reichert wegen einer Verletzung an der Patellasehne getroffen. Reichert ist allein wegen seiner Torgefährlichkeit (acht Treffer in elf Saisoneinsätzen) ein Aktivposten.
Zittern nach Gegentoren
Inzwischen sieht es wieder besser aus. „Die fehlende Fitness ist kein Thema mehr, die Einstellung ist gut“, betont Schiller, der Gymnasiallehrer in Mosbach ist, Sport und Geschichte unterrichtet. Derzeit sind es andere Punkte, die Neuhofen Kopfzerbrechen bereiten. „Die Leistung stimmt, aber wir können sie nicht über 90 Minuten abrufen. Wenn wir ein Gegentor bekommen, geht das große Zittern los“, hat der Coach erkannt. Zwei Beispiele sind die Begegnungen in Berghausen im März (2:5) und gegen Friedelsheim im April (3:4), als die Kickers jeweils eine 2:0-Führung verspielten. Und somit auch Zähler liegen ließen, die jetzt fehlen.
Ähnlich war es am vergangenen Freitag beim TuS Maikammer, als der Aufsteiger wieder einmal großzügig Punkte verschenkte. „In der Halbzeit liegen wir 2:1 vorne, waren lange Zeit die bessere Mannschaft, versäumen aber das dritte Tor zu erzielen“, schildert Schiller den Ablauf. Als die Abwehr einen lang geschlagenen Ball der Maikammerer falsch einschätzte, fiel der Ausgleich. Und danach begann das Kopfkino. „Angst, Nervosität und Ungeduld waren spürbar“, blickt der Spielertrainer zurück. Nach einem eigenen Eckball lief seine Mannschaft in einen Konter, den die Gastgeber mit dem 3:2 abschlossen. Das vierte Gegentor besiegelte die Niederlage.
Punkte dringend nötig
Am Sonntag im Heimspiel gegen den ASV Waldsee greifen die Kickers nach dem letzten Strohhalm. „Ein Sieg gegen den Tabellennachbarn ist Pflicht“, fordert der 31-Jährige. Eine durchaus richtige Einschätzung: Zum Saisonausklang warten die Auswärtspartien beim VfB Haßloch und dem ASV Harthausen, zwei Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Dort dürften die Trauben hoch hängen. Gegen Waldsee müsse man ein anderes Gesicht zeigen und entschlossen seine Chance am Schopf packen. Ein Dreier in dieser Partie dürfte allerdings nicht genügend, auch auswärts müssen die Kickers noch punkten.
Die 22 Zähler, die derzeit auf dem Konto stehen, verschleiern etwas den tatsächlichen Stand. Die Wertung der abgebrochenen Begegnung beim VfL Neustadt steht noch aus. „Wir haben 4:2 geführt, und ein Neustadter hatte die Rote Karte gesehen. Das Spiel war längst fortgesetzt, da ist dem VfL eingefallen, dass er die Rote Karte als Fehlentscheidung betrachtet und hat dem Schiedsrichter mitgeteilt, dass man vom Feld gehe“, berichtet Schiller. Alles andere, als Neuhofen die drei Punkte zuzusprechen, wäre nicht zu vermitteln. Das Gerichtsurteil dürfte eine Formsache sein.
Unabhängig davon, ob die Kickers den Ligaverbleib auf den letzten Drücker noch schaffen oder absteigen, die Mannschaft bleibt zusammen. „Keiner will wechseln, was mich in meiner Meinung bestärkt, dass wir eine super Truppe sind“, freut sich Schiller. Ein Beleg dafür, dass die Kickers ein Fußballteam sind, aber auch eine Ansammlung von Freunden, die sich schon lange kennen und einst gemeinsam beim VfL Neuhofen und dem FC Arminia Ludwigshafen III spielten. Als es beim FCA nicht mehr weiterging, weil die „Zweite“ den Weg in der A-Klasse blockierte, entschloss man sich 2021 einen neuen Verein zu gründen – die Kickers.