Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kindercampus, Kita-Plätze und Katastrophen

Kunst am Bau: Diese bespielbaren, überdimensionierten Buntstiftspähne sollen auf dem Schulhof der Pestalozzi-Grundschule entsteh
Kunst am Bau: Diese bespielbaren, überdimensionierten Buntstiftspähne sollen auf dem Schulhof der Pestalozzi-Grundschule entstehen.

Für das größte Projekt in Mutterstadt – der Kindercampus – ist ein Ende in Sicht. Die Gemeinde geht neue Wege in Sachen Kinderbetreuung. Doch das kostet Geld.

Zwei Listen liegen vor Thorsten Leva (SPD). Die eine ist etwa genauso lang wie die andere. Demnach kann der Bürgermeister für 2025 in etwa so viel abhaken, wie für 2026 auf der To-do-Liste steht. Wer kennt das nicht? Auf beiden Listen steht, wie schon seit einigen Jahren, ganz oben der Kindercampus. Es ist das Mega-Projekt für Mutterstadt – umfangreich, teuer und dringend notwendig. An der Pestalozzi-Grundschule soll ein neues Gebäude für sieben Kita-Gruppen samt neuem Außengelände und einem Hort sowie einer Mensa für Kita- und Grundschüler entstehen. Das Kita-Gebäude ist der Ersatzbau für die protestantische Kita Arche Kunterbunt. Zum Schuljahr 2027/28 soll der Campus einsatzbereit sein. „Wir sind sowohl finanziell als auch zeitlich im Plan“, sagt Thorsten Leva. 17,5 Millionen Euro wird die Gemeinde nach Fertigstellung investiert haben. Der Rohbau steht, Ende November wurde Richtfest gefeiert. Nun geht es an den Innenausbau, der sich über das Jahr 2026 ziehen wird.

Die Bauarbeiten stellten bisher nicht nur die Bauverwaltung auf die Probe, vor allem die Grundschüler der Pestalozzi-Schule bekamen die Arbeiten hautnah zu spüren. Besorgte Eltern hatten Bedenken – insbesondere wegen der Einschränkungen auf dem Schulhof. „Doch das konnten wir in Gesprächen mit der Schulleitung und den Elternvertretern lösen“, berichtet der Bürgermeister. In diesem Jahr wird der Schulhof neu gestaltet. Das soll größtenteils in den Ferien geschehen. Doch schon jetzt sei klar, dass die sechs Wochen nicht ausreichen werden. „Wir werden versuchen, die Beeinträchtigungen für die Schule so gering wie möglich zu halten“, verspricht Thorsten Leva.

Noch ist der Schulhof der Grundschule vom Baufeld abgetrennt. Rechts steht der Rohbau für Kita und Mensa, nun soll der Innenausb
Noch ist der Schulhof der Grundschule vom Baufeld abgetrennt. Rechts steht der Rohbau für Kita und Mensa, nun soll der Innenausbau beginnen.

Betreuungszeiten ausweiten

Die Geduld sollte sich aber für alle lohnen. Der Schulhof soll viele Spiel- und Klettermöglichkeiten bekommen – eines sogar mit künstlerischem Wert. „Kunst am Bau“ nennt sich das und wird seit Gründung unseres Bundeslandes gefördert. Der Sieger ist bereits gekürt. Überdimensionierte farbige Buntstiftspäne zum Klettern sollen auf dem Schulhof entstehen. Weiter gewerkelt wird auch an der Mandelgraben-Grundschule, die Sanierung des Daches läuft weiter, soll aber voraussichtlich Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro, abzüglich der Fördermittel des Programms Kipki von etwa 400.000 Euro.

In einem weiteren Punkt werden die Grundschulen im Fokus stehen: die Umsetzung des Ganztagesfördergesetzes (GaFöG). Bevor es in die genaue Planung geht, möchte die Verwaltung die Ergebnisse der Elternumfrage des Kreises abwarten. Klar sei aber schon jetzt, die Betreuungszeiten an der Pestalozzi-Grundschule (derzeit bis 14 Uhr) müssen ausgeweitet werden. Die Mandelgrabenschule ist Ganztagsschule. „Doch vor allem für die Ferien sind noch viele Dinge ungewiss“, sagt der Bürgermeister. Nach dem GaFöG haben die Erstklässler des Jahrgangs 2026/27 Anspruch auf Betreuung in den Ferien.

Grünes Licht für Kita-Miet-Modell

Apropos Kinderbetreuung: Die im Vergleich zu anderen Kreiskommunen hohe Zahl an fehlenden Kindergartenplätzen in Mutterstadt war 2025 Thema und wird es bleiben. Derzeit fehlen laut Bürgermeister Leva etwa 90 Plätze. Weiterhin gibt es in der Kommune keine Plätze für Kinder unter zwei Jahren. Diese wurden jüngst in Plätze für Kinder unter drei Jahren umgewandelt, da so mehr Kinder in einer Gruppe pro Erzieherin betreut werden dürfen, konnten so acht Kita-Plätze mehr in der Gemeinde angeboten werden. Und: In den beiden kommunalen Kitas sind alle Stellen besetzt. „Wir sind sogar knapp über 100 Prozent“, sagt Thorsten Leva.

Bürgermeister Thorsten Leva
Bürgermeister Thorsten Leva

Klar ist aber auch: Mutterstadt braucht eine weitere Kita – am besten sofort. Die Gemeinde sucht schon lange nach einem Grundstück. 2025 erhöhten die Fraktionen den Druck, verschiedene Vorschläge wurden diskutiert. Der schnelle Erfolg blieb aus. In der letzten Ratssitzung 2025 packte Bürgermeister Leva etwas Konkretes unter den Weihnachtsbaum: Man wolle mit der Casa Group zusammenarbeiten. Der Rat gab grünes Licht. Das Unternehmen werde ein Grundstück in der Schulstraße kaufen und dort eine Kita für vier Gruppen bauen, was etwa 70 bis 80 Plätzen entspricht. „Die Gemeinde wird die Räume dann anmieten“, berichtet der Bürgermeister. Kosten für die Kommune: rund 31.000 Euro monatlich.

Des Weiteren wird 2026 ein weiterer Container in der Kita am Mandelgraben aufgestellt. Etwa 20 Kinder hätten dort Platz. Jetzt müsse nur noch das Personal dafür gefunden werden. Zudem möchte die Gemeinde den evangelischen Kindergarten Himmelsgarten im Blockfeld übernehmen – also das Gebäude kaufen und dort selbst eine Kita einrichten, dann mit einer weiteren Gruppe. „Da sind wir im Moment im Gespräch mit der Kirche“, informiert der Bürgermeister.

Weniger Geflüchtete

Die Anzahl an Zuweisungen von Flüchtlingen nach Mutterstadt ist nicht so hoch ausgefallen, wie Anfang des Jahres prognostiziert. Im Dezember lebten 301 geflüchtete Menschen in Mutterstadt, im Mai waren es noch 328. „Das ändert aber nichts dran, dass wir die Containeranlage am Mutterstadter Wald unbedingt im kommenden Jahr errichten müssen. Die Zustände da sind nicht gut“, sagt er. Derzeit wartet die Verwaltung auf die Baugenehmigung. Es soll weiterer Wohnraum entstehen und die derzeit genutzte Containeranlage an der Waldstraße, in der derzeit 51 Personen leben, soll saniert werden.

Mutterstadt ist und bleibt eine Zuzugsgemeinde. Der Bedarf an Wohnraum und Grundstücken ist nach wie vor hoch. Abhilfe könnte das Neubaugebiet Südwest schaffen. Doch dessen Erschließung hängt davon ab, ob Landbesitzer insgesamt 30 Prozent der Flächen an die Kommune vor Erschließung verkaufen. Diese Flächen werden unter anderem für soziale Vorhaben benötigt. „Derzeit sind wir bei etwa 20 Prozent“, sagt Leva. Dieses Jahr soll ein Zeitplan erstellt werden.

Hoffen auf die Tram

Noch attraktiver für Neubürger könnte Mutterstadt werden, wenn die Pfalztram tatsächlich durch die Mutterstadter Gemarkung Richtung Dannstadt fährt und nicht in Mutterstadt endet. „Das wird eine große Sache für die Region“, sagt Leva. Weg vom Auto ist auch die Intention des Mutterstadter Verkehrsausschusses, den Ort freundlicher für Radler zu gestalten. Das Fahrradwegekonzept soll abschnittsweise im Pfalzring umgesetzt werden.

Ein weiteres Augenmerk soll im Jahr 2026 auf den Brand- und Katastrophenschutz gelegt werden, sagt Thorsten Leva. Es soll ein Verwaltungsstab gebildet werden, um bei Krisen besser vorbereitet zu sein. Dafür wird es intensive Schulungen für die Mitarbeiter und für den Bürgermeister geben.

Minus im Plan 2026

Die Finanzen der Verwaltung gleichen keiner Krise, aber der Blick des Bürgermeisters auf die Haushalte ist durchwachsen. Ein Plus von 3,3 Millionen Euro steht unter dem Ergebnishaushalt 2024. Der aktuelle Stand der Gemeindefinanzen 2025 ist ein Plus von etwa 20.000 Euro. Im Plan für den Ergebnishaushalt für dieses Jahr steht ein Minus von 747.000 Euro. „Auch in den Jahren danach müssen wir mit einem negativen Ergebnis rechnen – aufgrund der Aufgaben, die wir haben“, sagt Leva. Er nennt ein Beispiel: Alleine die Finanzierung des Kindercampus koste die Gemeinde jedes Jahr 700.000 Euro an Zinsen. „Zufrieden können wir nicht sein“, sagt der Bürgermeister. Aber: Er ist mit der Arbeit der Verwaltung zufrieden – „und, dass es bei uns in Mutterstadt bei dem, was die Gemeinde beeinflussen kann, sehr gut läuft“.

Die Serie

Was wurde 2025 alles erledigt, was steht 2026 an? Wir haben mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus.

Termin

Der Neujahrsempfang der Gemeinde Mutterstadt ist am Freitag, 9. Januar, 18 Uhr, im Palatinum (Bohligstraße 1).

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