Radsport
Kerweradrennen: Eine Prämie für die standhaften Fahrer
Die Entscheidung um den Sieg im Rennen der Elite-Amateure war beim 41. Kerweradrennen des RSC Ludwigshafen längst gefallen. Trotzdem musste die Jury um Oliver Franke und Raymond Klaus bis zur letzten Sekunde wachsam bleiben. Daran hatte Familie Metzger aus Mutterstadt ihren Anteil. Sie hatten in diesem Jahr eine kuriose Idee.
Familie Metzger hatte spontan einen 50-Euro-Schein bei der Prämienannahmestelle auf den Tisch gelegt. Das ist zunächst nichts Außergewöhnliches, in fast jeder zweiten oder dritten Runde wurde ein Fünfziger für die drei Fahrer, die als erste den Zielstrich überquert hatten, ausgelobt. Aber diesmal war es anders. Die Prämiengeber hatten ihren Preis für den letzten im Feld verbliebenen Fahrer Elite-Amateur ausgelobt: Für denjenigen, der nicht vorzeitig selbst aufgab und den auch nicht die Roten Flagge von Oliver Franke zum vorzeitigen Aufhören zwang. Keine einfache Aufgabe, denn am Ende waren es nur noch 21 Akteure, die sich im Rennen befanden. Die übrigen waren längstens nicht mehr auf der Strecke, standen bereits unter der Dusche oder waren schon auf dem Nachhauseweg.
Prominenter Besuch
Zu den 21 Standhaften gehörte Jonas Tenbruck (Fratelli Racing Team). Er biss sich trotz des Höllentempos, das die Spitzengruppe angeschlagen hatte, über 55 Runden durch und wurde belohnt. Als Letzter im Wettbewerb durfte er sich über die 50 Euro der Familie Metzger freuen. Dabei wäre das eher eine Sache von Anne Slosharek, der gelernten Radsprinterin, gewesen. Sie hätte dann am Stehversuch vor der Ziellinie so lange gewartet, bis ihre Konkurrenten den Strich passiert hätten. Diesmal war die 19-Jährige, die derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst an der Elite-Schule des Sports, dem Heinrich-Heine Gymnasiums in Kaiserslautern, absolviert, auf Heimatbesuch bei ihrem Vater Martin. Dieser hat das Radhaus Koch übernommen, seine Tochter nutzte den Tag zur Physio in Ludwigshafen. Da durfte auch der Besuch des Kerweradrennen nicht fehlten. Ein Rückenmarködem sorgt bei ihr immer wieder für Rückenschmerzen und zwingt sie zu Pausen beim Krafttraining. Trotzdem will sie nach dem vierten Platz im Keirin bei der DM von Berlin am Donnerstag und Freitag beim Sprintermeeting in Dudenhofen an den Start gehen. So staunte sie ebenfalls, als Streckensprecher Michael Schulz die kuriose Prämie bekannt gab.
In Mutterstadt ist man nicht kleinlich, wenn es um die Prämien geht. Selbst die Christdemokraten hatten in der Parteikasse 100 Euro übrig und sorgten sieben Runden vor dem Ende für eine hohe Prämie. Weil es so schön war, wurde in der gleichen Runde noch eine Prämie von 50 Euro der Zeller Recycling GmbH für die Verfolgergruppe ausgelobt. Während Fabian Genuit, der Haßlocher im Trikot von Möbel Ehrmann, sich die CDU-Prämie nicht entgehen ließ, war es Andre Schütz (Skull Racing Team), der sich über die Geldspritze von Andreas Zeller freute. Am Ende gab es viele zufriedene Gesichter.
Nachfolger wird eingearbeitet
Die wichtigste Botschaft war aber, dass es beim Kerweradrennen auch in den nächsten Jahren weitergehen wird. Noch im vergangenen Jahr hatte Finanzvorstand Joachim Speckmann seinen Rückzug aus Altersgründen angekündigt. Diesmal war er zwar ebenfalls dabei, allerdings hatte er eine besondere Aufgabe. Er arbeitete seinen Nachfolger Benjamin Keller schon einmal vor Ort ein und erläuterte an seiner Seite, wie die Prämien aller Akteure erfasst werden, um am Ende eine zügige Auszahlung ohne Diskussionen vornehmen zu können.
Mutterstadt gehört inzwischen pfalzweit zu den wenigen Kerweradrennen, die sich zu einer Institution entwickelt haben. Der Zuspruch war auch diesmal wieder großartig. Denn Neustadt-Duttweiler, Mutterstadt und Bornheim sind die regionalen Austragungsorte, die übrig geblieben sind. Alle andere sind aus dem Rennkalender verschwunden. Und einen Sieger gab es auch. Diesmal ließ Vorjahressieger Andreas Mayr (RSC Kempten) Teamkollegen Moritz Augenstein den Vortritt. Immerhin hatte er den Rundengewinn eingeleitet und frühzeitig die Weichen auf Sieg gestellt. Auf Platz drei landete Eiko Berlitz (Equipe Stuttgart-Vaihingen).