Vorderpfalz
Kauflaune oder Krisenstimmung im Weihnachtsgeschäft? Einzelhändler ziehen Bilanz
Von einem „fantastischen Advent“ berichtet Bekleidungs- und Schuhhändler Peter Bödeker. Allein in Speyer betreibt er eine Handvoll Filialen, weitere Läden sind unter anderem in Mutterstadt, Neustadt, Frankenthal und Mainz. Ob Jacken, Mäntel, Pullover oder Winterschuhe – praktisch alle Produktgruppen seien sehr gut nachgefragt worden. Bödeker, der auch Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ ist, führt den Kundenansturm in der Domstadt nicht zuletzt auf Attraktionen mit überregionaler Strahlkraft zurück. Vom Weihnachts- und Neujahrsmarkt auf der Maximilianstraße profitieren viele Gewerbetreibende in der Stadt, sagt er. Zudem sei die Premiere des Höhenfeuerwerks über dem Dom am 18. Dezember mit etwa 8000 Besuchern ein Erfolg gewesen.
Ein weiterer Grund für die guten Geschäfte seien attraktive Angebote der Einzelhändler, ist der Speyerer überzeugt. In den Bödeker-Filialen seien viele Artikel auch noch in den nächsten Tagen um 30 Prozent im Preis reduziert. Im Outlet an der Speyerer Auestraße laufe außerdem noch bis 6. Januar ein Räumungsverkauf. Auch Michael Schmitt, Inhaber von „Schmitt – Mode für Männer“ mit Standorten in Speyer und Ludwigshafen, ist „sehr zufrieden“ mit dem Weihnachtsgeschäft. Mit zwei Prospekten habe er um Kunden geworben. „Auch jetzt noch haben wir Winterware reduziert“, informiert Schmitt. Trotz großer Nachfrage direkt nach den Festtagen gebe es „noch schöne Teile in allen Produktgruppen“, fügt er hinzu.
Weniger, aber dafür gute Qualität
„Wir haben unser geplantes Ziel zwar nicht zu 100 Prozent erreicht, sind aber mit dem bisherigen Umsatz zufrieden und auf die Zahlen dieser Woche gespannt“, sagt Johanna Reichert, Chefin bei Osiander in Speyer. In der Buchhandlung sei es zwar „gefühlt eher ruhig“ zugegangen. Die Verkaufszahlen seien dennoch „im Großen und Ganzen gut“. Trotz vieler Krankheitsfälle hätten die Mitarbeiter die Nachfrage gut bewältigt – auch dank neuer Selbstscankassen. Durch die Partnerschaft mit Thalia könne Osiander seinen Kunden immer wieder neue Aktionen und ein erweitertes Sortiment anbieten. Dazu zählten auch Veranstaltungen mit Autoren.
„Es war schon einfacher“, sagt Mike Burkhardt vom Kaufhaus Birkenmeier in Frankenthal. Er sei trotzdem „verhalten optimistisch“, bis Ende des Jahres das Ergebnis von 2022 zu erreichen. Bei seinen Kunden beobachtet er neben einer „gewissen Sparsamkeit“ auch einen gestiegenen Anspruch an Qualität und Design. Es werde weniger, aber hochwertiger gekauft. In Zeiten, in denen beispielsweise die Warenhauskette Galeria auch in der Region Standorte schließe, biete man in dem familiengeführten Kaufhaus in der Frankenthaler Innenstadt ein breites Sortiment von Mode über Haushaltswaren bis hin zu Schmuck und Spielwaren. Mit 30 Mitarbeitern setzt Birkenmeier in Abgrenzung zum Onlinehandel auf Beratung und Service. „Unsere Stammkunden wissen das zu schätzen – und wer neu zu uns kommt, ist überrascht, dass es so etwas noch gibt“, sagt Burkhardt, der die Geschäftsleitung im kommenden Jahr an Tochter Teresa übergibt.
„Preiskampf wird härter“
Der Preiskampf im Einzelhandel sei härter geworden und beginne immer früher im Weihnachtsgeschäft, beobachtet Anna-Katharina Rollenbeck-Rieth, Filialleiterin bei Mode Jost in Frankenthal. Das Unternehmen mit Sitz in Grünstadt und Niederlassungen in Worms, Landau und Bruchsal ziehe bewusst bei Rabatt-Aktionen wie dem „Black Friday“ nicht mit. „Dafür finden Kunden bei uns auch Ende des Jahres noch eine schöne Auswahl in allen Größen“, sagt Rollenbeck-Rieth. Nach einem starken Vorjahr sei der Umsatz 2023 etwas schwächer. Insbesondere bei Jacken habe sich der warme Herbst und Winter deutlich bemerkbar gemacht. Grundsätzlich werde stärker aufs Geld geachtet. „Dass die Lieferanten mit den Preisen hochgegangen sind, merken die Kunden“, sagt Rollenbeck-Rieth. Die Konsequenz lasse sich an den Stückzahlen im Verkauf ablesen: „Da wird genau überlegt, ob man das zweite Oberteil noch mitnimmt.“
Rundweg zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft ist Seniorchef Edmund Keller vom gleichnamigen Schuh-Fachgeschäft in Ludwigshafen. „Wir hatten den gleichen Umsatz wie im Vorjahr – und 2022 war ganz gut“, sagt der inzwischen 93-jährige Geschäftsinhaber. Damen-, Herren- sowie Wanderschuhe hätten sich gut verkauft. Nur die Nachfrage nach Hochgebirgsschuhen sei etwas schwächer gewesen. Vielleicht hätten Meldungen über Bergrutsche und erhöhte Risiken im hochalpinen Bereich etwas auf die Stimmung der Leute gedrückt, vermutet Keller.
Ludwigshafen: Innenstadt belebt
Vor Weihnachten sei die Ludwigshafener Innenstadt einigermaßen belebt gewesen. Allerdings gebe es in seiner Nachbarschaft in der Ludwigstraße nicht mehr viele Fachgeschäfte. „Die Leute kaufen nicht mehr so spontan, sondern überlegter“, beobachtet Keller eine gewisse Zurückhaltung. Der in anderen Läden beliebte Umtausch von Weihnachtsgeschenken falle in seinem Fachgeschäft weg. Schuhe würden vor dem Kauf anprobiert, dazu gebe es Beratung, betont Keller. Ein Kunde, der bisher Modelle einer besonders hochwertigen Marke aus den USA in Mannheim gekauft hat, berichtet, dass er jetzt nach Ludwigshafen zu Keller komme, weil die guten Schuhgeschäfte in der Nachbarstadt zugemacht hätten.
Verregnete Adventssamstage
„An den beiden ersten Wochenenden ging vor allem Mode“, sagt Lutz Pauels, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim-City. Allerdings sei der Kundenansturm in Mannheim an den verregneten ersten Samstagen hinter den Hoffnungen zurückgeblieben. „Dafür war es am dritten gerammelt voll.“ Pauels verweist auf einen weiteren wichtigen Tag für den Handel: Der „Black Friday“, also der Freitag vor dem ersten Adventssamstag, sei „wirklich sehr gut gelaufen“. Er hofft auf die Zeit zwischen den Jahren, wenn viele Menschen noch Urlaub haben. Dann würden nicht nur Gutscheine eingelöst, sondern auch noch reichlich Umsatz gemacht. Bei allem Optimismus ist der Vorsitzende der Werbegemeinschaft aber vorsichtig: „Wir wären zufrieden, wenn sich der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres einpendelt.“
„Konsumstimmung im Keller“
„Endgültig abgerechnet wird erst am 5. Januar“, äußert sich auch Hendrik Hoffmann, Geschäftsführer des Quartiers Q6/Q7 in Mannheim und Präsidiumsmitglied des Handelsverbands Baden-Württemberg, abwartend. Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden, spricht dagegen unter dem Strich von einem Minus. „Die Konsumstimmung ist im Keller, die anhaltenden Krisen in dieser Welt sorgen für Verunsicherung und steigende Preise. Das sind nicht die Rahmenbedingungen, in denen wir auf ein wirklich gutes Weihnachtgeschäft hoffen konnten“, sagt er.
Der Regen an den ersten drei Adventssamstagen habe kaum Lust auf einen weihnachtlichen Bummel durch die Innenstädte gemacht. Ausnahme seien Touristenstädte wie Heidelberg, wo sich der Handel über deutlich mehr Besucher gefreut habe. Spielzeug, Haushaltswaren und Lebensmittel seien besonders gefragt, Textil- und Bekleidungshandel hätten sich schwergetan. Beliebtestes Geschenk waren einmal mehr Gutscheine, so das Zwischenfazit für Nordbaden.