Ludwigshafen Katzen und Kinder

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Der in Moskau geborene, in Berlin lebende Schriftsteller und DJ Wladimir Kaminer war einmal wieder zu Gast in der Alten Feuerwache. „Wo der russische Bär Fahrrad fährt“, so der Titel seiner ausverkauften Lesung mit anschließender Russendisko, war in Mannheim leider nicht zu erfahren.

Dafür las Kaminer Geschichten vom Erwachsenwerden aus seinem im vergangenen Sommer erschienenen Buch „Coole Eltern leben länger“, aus unveröffentlichten Manuskripten sowie von Lebenskünstlern und von Künstlerpech aus seinem neuesten Werk. Das wird den Titel „Das Leben ist (k)eine Kunst“ tragen und im Herbst erscheinen. Die annähernd 50 Kurzgeschichten in „Coole Eltern leben länger“ handeln überwiegend von Kaminers eigener Familie, seiner Frau Olga, den Kindern Nicole und Sebastian, den beiden Siamkatzen und natürlich vom Autor selbst. Die Tochter und der Sohn, 18 und 15 Jahre alt, sehen sich sogar im Schulunterricht mit dem literarischen Werk ihres Vaters konfrontiert, seit eine der Erzählungen aus seinem frühen Band „Schönhauser Allee“ in einem Deutschlehrbuch für die achte Klasse gelandet ist. Während ihr Vater sein Publikum mit einer Lesung unterhält, werkelt ihre Mutter im abseits gelegenen Garten, und die Kinder sind allein zu Hause. Er verfahre dabei nach dem Sprichwort „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, erklärte Wladmir Kaminer. Er wisse also am liebsten gar nichts, aber ein wenig erahne er doch. Immer wenn er sie anrufe, versicherten sie ihm, sie säßen an ihren Hausaufgaben. Wenn er dann allerdings nach Hause komme, die 50-Kilo-Topfpflanze umgeworfen sei, der Cognac-Vorrat geplündert und die versteckten Zigarren aufgeraucht, frage er sich schon, wie die Katzen das bewerkstelligt hätten. Er wolle seine Leser und Zuhörer nicht mit politischen Texten quälen, äußerte Kaminer, berichtete dann aber doch, wie er das Demonstrieren auf der Straße erst in Deutschland kennengelernt habe. In der Sowjetunion habe man lediglich am heimischen Küchentisch Protest laut werden lassen und demonstriert allenfalls, indem man vermehrt zum Alkohol gegriffen habe oder sich krankschreiben ließ. Die Regierung im Kreml habe man als Feuer speienden Drachen wahrgenommen oder als riesige Betonplatte, die über den Köpfen aller schwebt. In seiner Erzählung „Umsonst fliegen“ lässt Kaminer seine Tante Ilma in Donezk zwischen die Fronten ukrainischer Freiwilligenverbände und prorussischer Separatisten geraten. Später bei der Russendisko spielte Kaminer auch einige ukrainische Songs: „Um ein Zeichen des Friedens zu setzen“, wie er sagte.

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