Ludwigshafen
Kartenzahlung auf dem Weihnachtsmarkt: Glühwein gibt es nur gegen Bares
Wer auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Platz unterwegs ist und etwas essen oder trinken will, muss meistens Bargeld dabei haben. Denn bei der Mehrzahl der Hütten ist die Kartenzahlung gar nicht möglich. Zum Beispiel beim Waffel- und Crêpes-Stand von Ramon Würtele. Am Tresen klebt sogar ein Schild, das darauf aufmerksam macht. „Wir haben das früher tatsächlich mal versucht“, sagt Würtele. „Aber das Gerät hat immer gesponnen. Also haben wir es wieder gelassen.“
Ohnehin würden „99 Prozent“ von sich aus mit Bargeld zahlen. „Wenn jemand kommt, der danach fragt, dann ist die Person meistens zwischen 14 und vielleicht 20 Jahre alt. Über 30 fragt das keiner“, sagt Würtele. Irgendwann müsse es wahrscheinlich sein – aber im Moment bestehe einfach keine Nachfrage.
Genauso geht es auch den Betreibern des Churro-Stands nebenan. „Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage“, sagt Bianca Bügler. „Die meisten sind darauf vorbereitet, dass man auf dem Weihnachtsmarkt nicht mit Karte zahlen kann.“
Getränke nur gegen Bargeld
Glühwein kann man an keinem der fünf Stände in Ludwigshafen mit Karte bezahlen. Lothar Honecker aus Mutterstadt betreibt einen davon. „Nur ganz wenige Leute fragen danach. Und dadurch, dass wir Pfand für die Tassen verlangen, macht es das Ganze komplizierter“, sagt er.
Sein Kollege Roger Werlich aus Ludwigshafen, ebenfalls Glühweinhütten-Betreiber, pflichtet ihm bei: „Es gibt einfach keinen Bedarf dafür.“ Ganz gegen das Kartenzahlen ist er allerdings nicht. „Wer weiß, ob ich mir das nicht irgendwann doch hole, vielleicht bringt es ja Umsatz. Überlegt habe ich mir das schon, aber ich weiß nicht, wie das dann zum Beispiel mit der Steuer funktioniert, da habe ich einfach noch Fragen.“ Einig sind sich beide, dass ein junger, neuer Hüttenbetreiber wahrscheinlich gleich Kartenzahlung einrichten würde. „Für die jungen Menschen ist das selbstverständlich. Aber wir kommen aus einer anderen Zeit“, sagt Honecker.
Das Team vom Fish-and-Chips-Stand hätte nach eigenen Angaben gerne Kartenzahlung angeboten. Aber aufgrund ihres kurzfristigen Einsatzes sei das nicht mehr möglich gewesen, sagt Koch Robert Yavuz. „Vielleicht fragen drei Kunden nach Kartenzahlung. Aber die sind dann auch weg, wenn sie erfahren, dass das nicht geht“, sagt Yavuz. Dass viele Gastronomen gerade auf dem Weihnachtsmarkt keine Kartenzahlung anbieten, liege seiner Sicht nach unter anderem an hohen Gebühren: „Wenn man in einem Restaurant 70 Euro ausgibt, da machen die 30 oder 40 Cent, die der Zahlungsdienstleister pro Zahlung kriegt, nicht viel aus. Aber wenn es um vier Euro für eine Portion Pommes geht, dann ist das was anderes“, sagt Yavuz.
„Viele Fehlinformationen“, sagt ein Händler
Ganz anders läuft das bei Pit Münz. Der Fußgönheimer verkauft nichts zu essen, sondern unter anderem Strickwaren und Edelsteine. Kartenzahlung funktioniert bei ihm schon seit Jahren. Das Problem mit den Gebühren kann er nicht ganz nachvollziehen. „Ich habe ein Gerät, das ich für 35 Euro gekauft habe, das mir gehört, und bei einer Zahlung gehen dann nur 0,9 bis 1,2 Prozent davon ab. Das ist vernachlässigbar, man kann hier auch Sachen für 1,50 Euro mit Karte kaufen, das ist doch egal“, sagt Münz. Angefangen hätte alles, als er plante, einen Markt in Ramstein zu besuchen. Die Amerikaner, so dachte er, würden auf Kartenzahlung bestehen. Zunächst war er von den Konditionen seiner Hausbank abgeschreckt, dann jedoch habe er sich informiert und ein Gerät einer anderen Firma gekauft. Jetzt ist er zufrieden mit dem Stand der Dinge. „Viele wollen ja mit Karte zahlen. Hätte ich nur Barzahlung, würde mir Kundschaft entgehen, ungefähr 20 bis 30 Prozent zahlen bei mir mit Karte. Ich glaube, da kursieren viele Fehlinformationen bei den Händlern“, sagt Münz.
Probleme mit Bargeld
Noch klarer für die Karte steht das Unternehmen hinter dem Eierlikör-Verkauf, das Rick Furchner betreut. „Eigentlich ist bei uns gar keine Barzahlung möglich. Aber weil wir hier einen Ausschank haben, machen wir es trotzdem.“ Die gesamte Logistik mit dem Bargeld sei umständlich: „Bei klassischen Banken muss man Einzahlungen oft lange im Voraus ausmachen, es müssen Geschäftsführer dabei sein, oder man bezahlt einen Abholdienst. Eigentlich gibt es nur Probleme“, sagt Furchner. Wenn Kunden größere Beträge für Geschenke bezahlen müssten, wollten viele ohnehin zur Karte greifen, etwa ein Drittel zahle bargeldlos. 0,8 bis 1,2 Prozent Gebühr griffen für Giro- und Debitkarten, 2 Prozent für Kreditkarten.
Auch bei der Mac-and-Cheese-Hütte von Andy und Simone Kappel geht Kartenzahlung. „Die Leute freuen sich richtig, wenn sie das Schild sehen“, sagt Simone Kappel. „Das bringt uns 30 Prozent mehr Umsatz“, sagt Andy Kappel. Viele Menschen hätten gar kein Bargeld mehr dabei, die Gebühren seien marginal. „Ich persönlich mag Bargeld“, sagt Andy Kappel. „Aber warum sollten wir uns das entgehen lassen?“
Öffnungszeiten
Der Ludwigshafener Weihnachtsmarkt findet bis zum 23. Dezember auf dem Berliner Platz statt. Geöffnet ist er sonntags bis donnerstags von 12 bis 21 Uhr und freitags bis samstags von 12 bis 21.30 Uhr.