Ludwigshafen
Karl-Otto-Braun-Museum erinnert an den Maler Johannes Frech
Der Gang durch die hauptsächlich im Georg-Süß-Raum des Museums präsentierte Werkschau offenbart die große Vielfalt im Schaffen des Künstlers. Er beschränkte sich keineswegs auf eine bestimmte Technik oder Stilart. Seine Werke zeigen eine rege Auseinandersetzung mit den Gestaltungsformen seiner Zeit, belegen eine kontinuierliche Entwicklung und eine große Vielfalt an Motiven und Themen. Diese reichen vom klassischen Stillleben, der großflächigen Landschaftsmalerei bis hin zu kleinen Tusche- und Zeichenformaten. Unverkennbar in zahlreichen Werken ist auch die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Moderne.
Eine gewichtige Rolle spielten dabei die Industrielandschaften in Ludwigshafen und Mannheim. Die Hafenmotive kannte der als Maurer tätige Frech nicht nur vom flüchtigen Hinsehen, sondern sicherlich auch in ihrer täglichen Realität. Er dürfte auch Blicke hinter die Fassaden geworfen haben. Daneben stehen ebenfalls in Tusche und gezeichnet Miniaturen pittoresker Ansichten aus der Vorderpfalz. So eine Reihe Ansichten und Details von der mittelalterlichen Architektur Freinsheims und Eindrücke von der Wein- wie der Bergstraße. In vielen Details geben die Gemälde Hinweise auf Lebensformen des agrarisch geprägten Umlandes und Einblicke in das soziale Leben der von dem Maler mit neugierigen Augen beobachteten Umgebung.
Viele Werke sind in Privatbesitz
So das Bauernpaar, das mit der Sense über dem Rücken durch die Getreidefelder marschiert. Typisch für seine Freude an der Darstellung des Alltäglichen sind die großformatigen Stammtischbrüder, die liebevoll und detailreich wiedergegeben in der Küche des Museums zu sehen ist. Dort hängt auch seine Würdigung der „Obbarer Dambnudl“, die auch schon in einem Gedicht des populären, aber wegen seiner positiven Haltung zum Nationalsozialismus auch umstrittenen Pfälzer Heimatdichters Karl Räder zu Ehren kam. Eine eindrucksvolle Lichtstudie bietet das Bild eines Hühnerstalls mit einem majestätischen Hahn und dem durch ein Fenster einfallenden Sonnenlicht.
Das vollständige Werk Frechs könne nicht gezeigt werden, sagte Regina Heilmann. Viele Bilder des Künstlers befänden sich in Privatbesitz, auch im Kunsthandel würden immer wieder welche angeboten. Doch das Karl-Otto-Braun-Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung an Werken. Für diese Ausstellung kamen erfreulicherweise zahlreiche Leihgaben – darunter auch zwei Exponate aus den Beständen des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museums – und einige Schenkungen hinzu.
Mit Gemälden bezahlt
Die Malerei war für den zwölf Stunden am Tag hart arbeitenden Maurer keine ausschließlich künstlerische Muse, sondern auch Broterwerb im wahrsten Sinne des Wortes. So entstanden viele seiner Bilder mit einem ausgesprochenen Gebrauchswert, und die kamen auch deswegen in Privatbesitz, weil Frech bei Geldmangel mit Gemälden bezahlen konnte. Und doch war der Maler gleichzeitig bestrebt, sich künstlerisch weiterzuentwickeln, seine Kenntnisse zu vertiefen und seine Technik zu verbessern. Dazu nahm er auch immer wieder Unterricht.
1881 geboren und 1949 verstorben, erlebte Johannes Frech bewegte Jahrzehnte geprägt von Extremen, Katastrophen und Abgründen. In Oppau lebte er am Puls der Zeit des aufstrebenden Deutschen Kaiserreiches von 1871 wie der Blütezeit der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, in unmittelbarer Nachbarschaft der BASF, die mit der Ansiedlung des Ammoniakwerkes Oppau zur Boomtown machte.
Die Arbeiterbewegung in Edigheim und Oppau
Und durch die Arbeit als Maurer hatte er einen unverblümten Blick auf die Entwicklung der Region – genauso wie auf die soziale Lage. Davon inspiriert darf man auch sein soziales und politisches Engagement sehen. Er war sowohl als Sozialdemokrat als auch in der Arbeiterchorbewegung engagiert und leitete den Chor des Gesangvereines Thalia.
Zur Finissage am Sonntag, 10. März, wird Klaus Jürgen Becker vom Stadtarchiv Ludwigshafen unter dem Titel „Johannes Frech – Sohn seiner Klasse“ eine kleine Ortsgeschichte der Oppau-Edigheimer Arbeiterbewegung zwischen 1890 und 1949 Revue passieren lassen.
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Johannes Frech – Ein Oppauer Maler“ ist bis Sonntag, 10. März, jeden Sonntag von 10-13 und von 14-17 Uhr, im Karl-Otto-Braun-Museum, Edigheimer Straße 26, Ludwigshafen-Oppau, zu sehen.