Mutterstadt
Kättl Feierdaach im Palatinum: Die Absurditäten des Alltags
Für Jutta Hinderberger gab es abgesehen vom Bühnenjubiläum gleich mehrere Premieren: Zum ersten Mal spielte sie ihr Soloprogramm vor 800 Zuschauern, und zum ersten Mal trat sie in der Gemeinde auf, in der sie – die heute in Speyer lebt – aufgewachsen ist: Mutterstadt.
Als bereits bei ihrem Erscheinen auf der Bühne die Halle bebt, strahlt Jutta Hinderberger. Die Begeisterung macht es fast schwierig, das Programm wie geplant zu beginnen: In der ersten Szene besucht Kättl selbst ein Theater. Die anderen Zuschauer sitzen schon, bloß sie kommt zu spät und platziert sich chipsknabbernd in die Stuhlreihe davor. Zwei Stühle auf der Bühne stehen deshalb mit den Rückenlehnen zu den Zuschauern. „Ihr sitzt in der ersten Reihe, aber ich bin Ersterer“ jubelt sie.
Diese nervtötende Situation kennt jeder Konzertgänger: Man ist rechtzeitig da, hat einen guten Platz – und dann setzt sich jemand schmatzend vor einen. Funfact: Live im Zuschauerraum laufen gerade verspäte Gäste an der Bühne vorbei …
Ein „Best of“ der letzten sieben Programme
Da auf der Bühne in Kättls Theater nichts passiert, dreht sie sich zu den Zuschauern: „Dann guck’ ich eben euch zu!“ Und startet mit ihrer Show, ein „Best of“ der letzten sieben Programme. Sie erzählt von ihren Erlebnissen mit ihrem Mann „Moiner“ und ihrer Freundin Hannelore. Die Kunstfigur Kättl Feierdaach ist eine naive, liebenswerte und zugleich schlagfertig-raffinierte ältere Dame mit Blümchenbluse, Stützstrümpfen, langem Mantel, Hut, fröhlich roten Backen und Pfälzer Dialekt. Sie lacht über die Besonderheiten ihres Mannes und über ihre Freundin. Für beide würde sie aber jederzeit alles tun. Kättl erzählt, wie sie ihren Mann kennengelernt hat, von den Erlebnissen bei ihrer Reha, für die sie vorher versehentlich bei einem Fetischversand einen Badeanzug bestellt hatte und sich wunderte, dass die Kappe schon dran war. Ihr Mann musste Löcher für Augen und Mund hineinschneiden und sie eine weitere Öffnung zukleben.
Sie berichtet vom Autofahren („Moiner genießt das Orientieren, ich die Landschaft“), von der Parkplatzsuche, vom Einkaufen, vom Wellnesshotel mit dem „Rosenblätterduftölcremebad“. Alles Alltagssituationen, die sie herrlich übertrieben darstellen kann – oder Kuriositäten, wie sie nur eine „Unschuld“ vom Land erleben kann, die das Leben in der Stadt mit all den absurden Angeboten nicht kennt.
Eine Stretchjeans wie ein Strampelanzug
Zum Kreischen, wie sie, die Mantel, Rock und Bluse trägt, sich live auf der Bühne in eine enge Stretchjeans zwängt, die so klein ist wie ein Strampelanzug. Dazu streckt sie auf dem Stuhl alle Viere von sich. Immer wieder lustig ist die Szene mit dem Regenschirm: Ein Mann aus dem Publikum soll einen Schirm halten und mit ihr gemeinsam um eine gedachte Pfütze gehen. Die meisten Männer reagieren wie Kättls „Moiner“ und bleiben selbst bei der Aktion trocken.
Der Abend endet so begeistert, wie er begonnen hat. Nach zwei Zugaben kann erst das helle Saallicht die Zuschauer vertreiben.