Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Chemiker aus Spanien: Wichtiger Bestandteil der BASF

Tània Jiménez Jornet startete ihre Ausbildung 2014 und arbeitet nun in der Hydramin-Fabrik.
Tània Jiménez Jornet startete ihre Ausbildung 2014 und arbeitet nun in der Hydramin-Fabrik.

„Meine Freunde sind alle hier. Es war die richtige Entscheidung“, sagt Tania Jiménez Jornet. Die 29-jährige Spanierin arbeitet seit 2014 bei der BASF. Sie profitierte als eine der ersten vom länderübergreifenden Programm, mit dem der Konzern jährlich 20 junge Iberer zu Chemikern ausbildet.

Zum zehnjährigen Jubiläum erhielten nun weitere 18 junge Menschen ihre Ernennungsurkunde zum „Tecnico Superior en Quernica Industrial“, aus dem nach einem Jahr Arbeit im Stammwerk der Chemiker wird.

Jürgen Kipper, Leiter der Ausbildung Produktionstechnik, ist stolz auf die lange Lebensdauer des Austauschprogramms, das die BASF 2013 aus der Taufe gehoben hatte. Zwar hatten damals viele Unternehmen versucht, spanische Jugendliche über eine Ausbildung als Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen, „aber soweit ich weiß, sind wir die Einzigen, die das noch immer tun“.

170 Erfolgsgeschichten

Den Grund dafür sieht er in der Herangehensweise. „Andere haben einfach Jugendliche aus Spanien hierhergeholt und ihnen eine Ausbildungsstelle geboten.“ Die BASF habe hingegen in der Nähe des Werks Tarragona nach Kooperationspartnern gesucht und diese im „Institut Comte de Rius“ als Berufs- und Sprachschule sowie bei BASF Espanola auch gefunden. Ein Großteil der Ausbildung finde daher in Spanien statt. Nur in zwei längeren Praxisphasen sind die jungen Menschen aus der Hafenstadt in Katalonien im Nordosten Spaniens in Ludwigshafen zu Gast, wo sie nach dem Abschluss der Ausbildung auch eingesetzt werden sollen. Fast 170 junge Männer und Frauen sind seit 2013 diesen Weg gegangen.

Im Jubiläumsjahr kamen weitere junge Männer und vier Frauen hinzu. Ana Oleanau ist eine davon. „Ich fand den Weg spannend, und es hat mich interessiert, eine neue Sprache zu lernen“, erklärt die 22-Jährige. Dass sie dafür Spanien verlassen musste, sei die leichtere Entscheidung gewesen. „Ich bin schließlich schon als Kind aus Rumänien nach Spanien umgezogen.“ In Deutschland und erst recht bei der BASF sieht sie nun gute Chancen für ihre berufliche Zukunft, denn auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit auf der iberischen Halbinsel nicht mehr bei über 50 Prozent wie vor zehn Jahren liegt, „sie beträgt heute noch immer 30 Prozent“, so Kipper.

„Studium war teuer“

Das sah auch Tania Jiménez Jornet so. „Ich hatte gerade angefangen, in Spanien Chemie zu studieren, als ich von dem Programm gehört habe.“ Selbst mit einem abgeschlossenen Studium seien die Verdienstmöglichkeiten übersichtlich gewesen. „Und das Studium war auch noch teuer.“

Stattdessen entscheid sie sich für die duale Ausbildung und hat diesen Schritt ebenso wenig bereut, wie Marlon Castro Bajana, der seit 2015 in Ludwigshafen arbeitet und mittlerweile in Schifferstadt wohnt. „Ich habe tiefsten Respekt für die Entscheidung, im jugendlichen Alter sein Land und seine Familie zu verlassen“, erklärt Ausbildungsleiter Markus Hermann. Er hatte die passende Belohnung mitgebracht, denn wenn die 18 jungen Spanier im Januar von ihrem Weihnachtsurlaub nach Deutschland zurückkehren, haben alle ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in der Tasche.

Lob für den Mut

Ein Lob dafür gab es auch von Silvia Köhler, die den Mut der jungen Menschen würdigt: „Ich kann mir vorstellen, dass Sie durch ein Tal der Tränen gegangen sind“, sagt die Arbeitsdirektorin von BASF Espanola. Sie forderte die neuen Chemiker auf, sich weiter mutig einzubringen. „Sie sind ein wichtiger Bestandteil der BASF.“

Ja, es sei eine harte Zeit gewesen, blickte Oleanau auf die vergangenen 26 Monate zurück. „Vormittags hatten wir Chemieunterricht und nachmittags Deutsch.“ Aber sie dankt dem Unternehmen für die „großartige Gelegenheit“ und dankte zudem allen, die das Programm nicht nur ermöglichten, sondern auch seit zehn Jahren mit Leben füllen: Seien es die Ausbilder an beiden Standorten oder die Lehrer am „Institut Comte de Rius“.

„Rundherum positiv“

„Es war für uns alle eine große und positive Veränderung“, sagt sie im Namen der Abschlussklasse von 2023, und: „Ich hoffe, dass Projekt besteht noch für viele weitere Jahre.“ Das zumindest konnte ihr Jürgen Kipper zusichern. Und auch auf spanischer Seite profitiere man. „Die Erfahrungen mit dem dualen Ausbildungssystem sind rundherum positiv“, bilanziert Schulleiter Narcis Almena.

x