Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Julian Maier-Hauff und Tayfun Ates auf der Sommerbühne

 Nu Jazz: Julian Maier-Hauff (links) und Tayfun Ates haben ganz spontan zusammengefunden.
Nu Jazz: Julian Maier-Hauff (links) und Tayfun Ates haben ganz spontan zusammengefunden.

Das Konzert auf der Sommerbühne der Alten Feuerwache wurde kurzfristig umbesetzt. Statt EPI gab es Nu Jazz mit Julian Maier-Hauff und Tayfun Ates.

Anstelle von Eleanna Pitsikaki mit EPI traten spontan Julian Maier-Hauff und Tayfun Ates auf der Sommerbühne in Mannheim auf. Zu hören gab es elektronische Beats mit analogen Klängen, eine interessante Art von Nu Jazz.EPI sei wegen Krankheit ausgefallen, sagte Maier-Hauff den Zuhörern. Dass er zusammen mit Tayfun Ates hier spielen werde, habe er erst am Vormittag erfahren.

Groove und Flow gehören zum Nu Jazz, das bringt die Abstammung von tanzbaren elektronischen Rhythmen mit sich. Das ist dem Spontan-Duo auch sehr gut gelungen. Nach und nach sammelten sich Leute vor der Bühne und wackelten ein bisschen mit. Richtig gezappelt wurde da nicht, dafür war das mittlere Tempo von 100 BPM auch nicht gedacht. Die Schlagzahl blieb durchgängig, wer sich darauf einließ, konnte das als entspannend und anregend zugleich erleben. Für Abwechslung sorgten Improvisationen der beiden Musiker über die weiter fließenden Grooves hinweg.

Analog und elektronisch

Ates und Maier-Hauff haben gemeinsam die Verbindung von analogen und elektronischen Klängen in ihrer Musik. Ates ist Perkussionist, als solcher ist sein Hauptinstrument die Darbuka. Das ist eine Bechertrommel, die im arabischen Raum lange Tradition hat. Er lernte das Instrument als Autodidakt in Bulgarien, wo er geboren ist. Dort spielte er viel auf Hochzeiten und Festen. Mit 15 Jahren kam er nach Deutschland, wo er seither lebt. Er studierte an der Popakademie Weltmusik und unterrichtet an der Orientalischen Musikakademie. Wie sich im Lauf des Abends noch zeigen sollte, singt er auch und spielt eine Rauschflöte. Maier-Hauff hat Jazztrompete studiert, in Mannheim, dann mit Abschluss in Basel. Dazu spielt er Klavier, Saxofon und Posaune. Eher zufällig entdeckte er eine Loop-Station, ein Gerät, das aufzeichnet und die Aufnahme in Endlos-Schleife (Loop) abspielt. Der Vorgang lässt sich wiederholen. Das gibt Solisten die Möglichkeit, Klänge und Figuren übereinanderzuschichten. Das war für den Trompeter der Weg in die Live-Elektronik. Dass er dafür ein Händchen hat, belegt der Gewinn eines Wettbewerbs eines Herstellers für Looper und Musikelektronik. Von da ausgehend entdeckte Maier-Hauff weitere elektronische Instrumente und Effekte.

Der Eindruck von Weite

Daraus entwickelte er Live-Auftritte, die Jazz und elektronische Musik verbinden. Auch Ates verwendet neben seinen akustischen Instrumenten elektronische Mittel. Dazu gehören Drumcomputer, die digital gespeicherte Klänge als Beats wiedergeben. Das können synthetische erzeugte Klänge ebenso sein wie aufgezeichnete akustische Klänge – und die verwendet Ates auch. So hat er verschiedene „natürliche“ Klänge auf einem Instrument gespeichert, das mehrere Schlagflächen hat, die er mit Drumsticks bespielt. So spielt er zum Beispiel auch mal ein Timbales Solo, ohne tatsächlich diese karibischen Trommeln vor sich zu haben.

Maier-Hauff spielte Trompete und improvisierte über modale Klangräume. Das ging, weil die Beats harmonisch relativ unverbindlich waren, im wesentlichen lagen da Grundtöne, später mit wenigen Wechseln. Mit viel Hall und Echo entstand der Eindruck von Weite. Das erste Zusammenspiel ist den beiden sehr gut gelungen, beide ergänzten sich oder ließen auch dem anderen Freiraum. Das Publikum ließ sich vom Flow tragen.

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