Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Jugendliche in der Ausbildung nicht alleine lassen

Die Ausbildungsassistenten residieren in der Rheinuferstraße.
Die Ausbildungsassistenten residieren in der Rheinuferstraße.

„Man müsste die Joblinge erfinden, wenn es sie noch nicht gäbe“, erklärte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) zur Einweihung des Büros in Ludwigshafen. Dabei läuft das Projekt schon seit Jahren problemlos. Neu ist das Programm „AsAflex“. Es ist eine Premiere und möglicherweise eine Blaupause für die Joblinge in ganz Deutschland.

AsAflex ist das dritte Standbein der Joblinge, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Jugendliche auf dem Weg in die Ausbildung zu unterstützen und auch während der Lehrzeit helfend zur Seite zu stehen. Das Kürzel steht dabei für eine „assistierte Ausbildung“, der Zusatz „flex“ deutet an, wie flexibel diese Unterstützung sein will. „Das geht bis hin zu Einzelunterricht“, erklärte Thomas Magin aus dem Ludwigshafener Joblinge-Büro, das im ehemaligen Klebs+Hartmann-Stammhaus in der Rheinuferstraße zuhause ist.

Aktuell noch ein exklusives Programm, denn die Finanzierung von Agentur für Arbeit und Jobcenter umfasst lediglich Menschen, die eine Ausbildung bei einem Ludwigshafener Unternehmen absolvieren oder in der Stadt oder zumindest im unmittelbaren Umland wohnen. Diese dürfen eine besondere Unterstützung auf dem Weg in ein selbstständiges Berufsleben erwarten. Und das schon seit November 2022 und mit beachtlichem Erfolg. „Wir haben 190 Auszubildende mit 50 Dozenten in 48 Berufen betreut“, berichtete Matthias Becker, ehrenamtlicher Vorstand der Joblinge in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Ansprache auf der Straße

Modulübergreifend haben hingegen noch deutlich mehr Jugendliche von der Arbeit der Joblinge profitiert. „Wir hatten seit 2016/17 allein rund 1200 Jugendliche im ,Plan A’“, so Becker. Dieser richtet sich an alle Jugendlichen, die Unterstützung brauchen. „Jugendliche, die vom System nicht mehr erreicht werden“, erklärte Projektleiterin Charlotte Rapp. Diese werden von den Joblingen auf unterschiedliche Arten angesprochen. „Einige werden von unseren Jugendlichen mitgebracht, andere sprechen wir gezielt auf der Straße an.“ Das können im Jahr bis zu 800 Kontakte werden.

Immerhin bis zu 70 Prozent schaffen dank viel Begleitarbeit und sanften Drucks den Weg ins „Standardprogramm“ der Joblinge, „unser Klassikprogramm“, so Magin. Hier erhalten jeweils vier Mal im Jahr Gruppen von 20 Personen ein Aufbauprogramm, das sie auf die Ausbildung vorbereitet. „Das beginnt mit einer gemeinsamen Projektarbeit, führt über eine Kulturwoche, und dann erhält jeder Teilnehmer seinen persönlichen Mentor, der ihn auf dem Weg in die Ausbildung begleitet.“ Stolze 90 Prozent der Absolventen dieses Programms werden im Anschluss erfolgreich in Ausbildungsberufe vermittelt und bei Bedarf dort weiter unterstützt – alles in allem keine schlechten Quoten für Schulabbrecher, die es ansonsten gar nicht erst auf den Arbeitsmarkt schaffen.

Kein Wunder, dass nicht nur Oberbürgermeisterin Steinruck bei der offiziellen Einweihung schwärmte: „Dieses Programm ist genau das, was wir in Ludwigshafen mit Blick auf Sozialstruktur und Unternehmen brauchen.“ Lavan Sabir, Leiterin des Joblinge-Büros in der Metropolregion, will in diesem Ehrgeiz nicht nachlassen: „Es bleibt unser Ziel, jeden Jugendlichen zu unterstützen, der Unterstützung braucht.“ Das hörte Steinruck gerne: „Wir wollen keinen Jugendlichen zurücklassen.“

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