Ludwigshafen Jugend übt sich in Demokratie
Am 22. November vor 70 Jahren ist zum ersten Mal die Beratende Landesversammlung zusammengetreten, um eine Verfassung für das neu gegründete Land Rheinland-Pfalz zu erarbeiten. Das hat der Landtag am Dienstag mit einem Festakt im Koblenzer Stadttheater gefeiert. Mit dabei waren vier Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums (CBG).
„Es ist eine große Ehre für uns, beim Festakt dabei zu sein“, sind sich Gülin Sari, Silas Götz, Florian Hüttner und Selina Akdeniz einig. Die drei Gymnasiasten und ihr ehemaliger Klassenkamerad Florian, der mittlerweile eine Ausbildung macht, durften die Feierstunde mitgestalten. Ihre Klasse hatte sich im vergangenen Schuljahr als eine von vier zehnten Klassen aus ganz Rheinland-Pfalz für den 31. Schüler-Landtag qualifiziert (wir berichteten). Florian, Selina, Silas und Gülin wurden damals zum Landtagspräsidenten und seinen Stellvertretern sowie zum Fraktionsvorsitz und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Als Funktionsträger des Schülerparlaments durften sie nun auch an dem Festakt im Koblenzer Stadttheater teilnehmen. Aus erster Hand erlebten sie, wie aufwendig es ist, so eine Veranstaltung zu organisieren. Bei einem Treffen mit dem Protokollchef des Landtags besprachen sie einige Wochen vor dem großen Tag genau den Ablauf der Feierstunde und ihre Programmpunkte. „Alle Teilnehmer haben bestimmte Plätze“, nennt Gülin nur eines von vielen Details, die es im Vorfeld zu bedenken gab. Als gewählter Landtagspräsident des Schülerparlaments begrüßte Florian die rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Obwohl er schon eine Ausbildung macht, ist er trotzdem gerne mit nach Koblenz gefahren. Der 17-Jährige musste vor einem prominenten Publikum sprechen: So waren unter anderem Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) und Ex-Landtagspräsident Christoph Grimm (SPD) als Zeitzeugen unter den Gästen. Die Festansprache hielt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). „Leider hatte Herr Schulz keine Zeit für ein Gespräch mit uns“, bedauerten die Nachwuchs-Politiker. Doch dafür diskutierten Gülin und Silas zusammen mit zwei anderen Schülern auf dem Podium mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) über das Thema Jugend und Politik. „Ist Mitmachen in der Politik bei Jugendlichen angesagt oder nicht?“, lautete eine Frage. „Politik ist sehr wichtig. Es ist unsere Zukunft. Wenn wir nicht mitarbeiten, können auch unsere Vorstellungen und Wünsche nicht erfüllt werden“, sagt Selina. Die 16-Jährige ist Mitglied der SPD und engagiert sich auf Landesebene in der Arbeitsgruppe „Migration und Vielfalt“. Sie weiß aber auch, dass der Sprung in die Politik sehr schwer ist. „Jugendliche werden kaum in Politik eingebunden und denken oft, dass sie sich nicht einbringen können“, ergänzt die 16-jährige Gülin. Das müsse sich ändern. Florian, der im Jugendgemeinderat aktiv ist, hat hingegen die Erfahrung gemacht, dass sich die Jugendlichen eher weniger für Politik interessieren, selbst im Jugendgemeinderat. Silas (17) wünscht sich, dass die Schwelle zur Politik gesenkt wird. Für die vier Nachwuchspolitiker hat sich durch die Teilnahme am Schüler-Parlament und der Feierstunde ihr Bild von Politik erweitert und verändert. „Vorher habe ich Politik nur im Unterricht mitbekommen, jetzt konnte ich Praxiserfahrungen sammeln und habe sehr großes Interesse an Politik“, fasst Gülin ihre Erfahrungen zusammen. Selina weiß nun genau, wie eine Plenarsitzung abläuft. „Politik ist viel mehr Arbeit, als man denkt“, sagt Silas. Die Schüler-Runde nickt zustimmend. |rad