Ludwigshafen Jetzt gilt’s!
Nach knapp 13 Schuljahren ist es für mehr als 800 Schüler in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis soweit. Heute bis Ende Januar treten sie die schriftlichen Prüfungen in je drei Leistungskursen an. Je nach Fachkombination folgen noch ein oder zwei mündliche Prüfungen im März. Dann, so alles gut geht, werden die Abiturienten ihre Hochschulreife in der Tasche haben. Los geht es heute an allen Schulen mit dem Fach Deutsch: um punkt 9 Uhr, etwa eine Stunde später als in früheren Jahren. Grund dafür sind zentrale Prüfungsaufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch, die erstmals einer bundesweiten Aufgabensammlung entnommen sein werden. Weil diese Aufgaben für alle Schulen in Rheinland-Pfalz gleich sind, müssen die Prüfungen in den vier betroffenen Fächern landesweit am selben Tag zur selben Zeit beginnen, wie Schulleiter Klaus Hartmann vom Heinrich-Böll-Gymnasium erklärt. So wird sichergestellt, dass sich die Schüler nicht gegenseitig über die Aufgaben informieren können. Mit den vom Mainzer Bildungsministerium ausgewählten Aufgaben geht das Land einen Schritt Richtung Zentralisierung. Ein Zentralabitur hat Rheinland-Pfalz damit aber nicht eingeführt. Die neuen Aufgaben ergänzen lediglich die Abiturprüfungen, die wie üblich von den Fachlehrern erstellt und vom Ministerium genehmigt werden. Im Fach Deutsch können die Abiturienten heute die zentrale Prüfungsaufgabe umgehen, wie Oberstufenleiter Olaf Becker vom Ludwigshafener Carl-Bosch-Gymnasium erklärt. Die Schüler können zwischen der zentralen und einer vom Fachlehrer gestellten Aufgabe wählen. In Mathematik und den Fremdsprachen dagegen führt kein Weg an den zentralen Aufgaben vorbei. Dabei gebe es die größten Veränderungen bei den Fremdsprachen, erzählt Martin Storck, Schulleiter des Maxdorfer Lise-Meitner-Gymnasiums. Die Bearbeitungszeit verlängere sich wegen neuer Aufgabenformate von vier auf viereinhalb Stunden und zusätzlich zu den üblichen Schreibaufgaben würden nun zusätzlich zentrale Aufgaben zum Lese- und Hörverstehen gestellt. Beim Hörverstehen beispielsweise wird überprüft, wie genau und vollständig die Abiturienten einen gesprochenen englischen oder französischen Text verstehen. Gerade dieser neue Aufgabentyp habe die Schulen vor einige organisatorische Herausforderungen gestellt, wie die Schulleiter übereinstimmend berichten. Das Max-Planck-Gymnasium hat beispielsweise zwei Testläufe mit der Tonanlage in der Aula durchgeführt, um sicherzustellen, dass jeder Schüler von jedem Platz aus den Hörtext akustisch gut verstehen kann. Trotzdem sollen für alle Fälle tragbare Ersatzgeräte bereitgehalten werden, wie Schulleiter Mike Thisling-Pfeier sagt. Am Carl-Bosch-Gymnasium, wo vier Englisch-Leistungskurse die Prüfungen in den Musikräumen schreiben werden, wurden Tonanlagen so umfunktioniert, dass die Hördatei in allen vier Räumen gleichzeitig abgespielt werden kann. Und an der IGS Ernst-Bloch in Oggersheim wurde sogar die Sitzordnung auf die Position der Lautsprecherboxen abgestimmt. Immerhin: Bei einem Testlauf – den letzten Klausuren vor dem Abitur – habe technisch alles reibungslos funktioniert, berichtet Klaus Hartmann für das Heinrich-Böll-Gymnasium. „Das gibt Sicherheit. Und auch die Schülerinnen und Schüler kennen nun das neue Aufgabenformat und haben es in einer echten Prüfungssituation schon durchgespielt.“ Auch Oberstufenleiter Thomas Lück von der IGS Gartenstadt lobt den Testlauf, bei dem das Ministerium probeweise zentrale Höraufgaben vorgab. „Unsere Lehrer und Schüler würden sich so einen Testlauf auch in Zukunft wünschen“, sagt Lück, „zurzeit ist das leider nicht vorgesehen.“ Ob angesichts des neuen Abiturs Schüler oder Lehrer aufgeregter seien? „Eindeutig die Lehrer“, stellt Lück von der IGS Gartenstadt fest und lacht. Denn auch die Fachlehrer sehen die zentralen, vom Bildungsministerium ausgewählten Aufgaben am Prüfungstag zum ersten Mal und bangen mit den Schülern mit.