Ludwigshafen Jede Menge Gute-Laune-Musik

91-82589990.jpg

„Da simmer dabei, dat is pri-hi-ma“ haben sich die Fans der Höhner gesagt, als die Kölner Spaßkapelle ins Mannheimer Capitol kam. Mitgebracht haben die Rheinländer das neue Album „Alles op Anfang“ und zwei neue Musiker. Nach 44 Jahren versuchen die Höhner, auch ein paar ernstere Töne ins Repertoire zu schmuggeln.

In Mannheim haben die Söhne Kölns offenbar keine Probleme, verstanden zu werden. Textsicher und laut singen die Capitol-Besucher mit. Selbst bei den neuen Songs des im Januar erschienenen jüngsten Albums. Mit dessen Song „Kumm loss mer danze“ geht es los. Die Aufforderung zu tanzen lässt sich auch umsetzen, denn der Saal ist zur Tanz- und Stehfläche freigeräumt. Später gibt es auch ein paar Steh-Schunkler. „Dat klingk noh Kölle“ wird mit lautem „ohoo-ho-ho!“ beantwortet und „Mir mache die Nacht zom Dag“ stimmt zwar nicht ganz, aber fast, denn die Höhner ziehen ohne Pause durch bis 23 Uhr. Da sind dann die vier Zugaben mitgerechnet. Bis dahin gab es vorwiegend Party-Rock und -Pop. Die Gute-Laune-Musik ist eingängig und ganz auf ihren Zweck ausgerichtet. Die Bassdrum klopft zuverlässig „Four to the Floor“, ein Rhythmus, den man in jeder Lebenslage und bei jedem Promillestand erkennen kann. Handwerklich kann man über die Höhner nichts Negatives sagen. Alles stimmt, alles klingt, wie es sein soll. Große Solos, bei denen die Instrumentalisten glänzen, gibt es bewusst nicht. Die Leute wollen singen und tanzen, da will keiner sich fünf Minuten Gitarren-Gefuddel anhören müssen. Folglich spielt Gitarrist John Parsons, ein eingekölnerter Waliser, immer nur ein paar kurze Statements, obwohl man merkt, dass er zu mehr imstande wäre. Jens Streifling stammt aus Sachsen, ist aber als ehemaliger BAP-Musiker Kölner ehrenhalber. Er spielt Gitarren, Mandoline und Saxophone und liefert sich mal ein lustiges Duell mit einem der „Neuen“ Micki Schläger, der dafür Akkordeon spielte und ansonsten am Keyboard sitzt. Wolf Simon am Schlagzeug ist neu in der Stammbesetzung, auf Touren hat er früher schon für den inzwischen ausgestiegenen Janus Fröhlich gespielt. Er hat auch mal ein Solo, das bejubelt wird. Die beiden neuen Bandmitglieder haben sich offensichtlich gut eingelebt, auch bei den alten Songs sind sie voll und ganz dabei. Es gibt ein paar Cover-Songs, natürlich umgedichtet: die „Echte kölsche Band“ war mal Albert Hammonds „Free Electric Band“. Aus dem Anti-Kriegslied „Johnny I hardly knew ye“ haben die Höhner „Mir kumme met alle Mann vorbei“ gemacht, es geht um „Festpiraten“, die Partys „entern“ und dann einen draufmachen. Ernst ist es den Höhnern mit ihrem Engagement gegen Leukämie. Sie haben einen Song einem Mädchen gewidmet, das ganz jung gestorben ist, weil es keinen Knochenmarkspender für sie gegeben hat. „Stille Helde`“ besingt Menschen, die sich freiwillig und unauffällig für gute Sachen engagieren. Die eine oder andere Pop-Ballade fordert zum Kuscheln und Feuerzeughochhalten auf. Das Programm macht den Eindruck, als wollten die Höhner sich künftig etwas breiter aufstellen und nicht nur Kölle, Kölsch und Party feiern. Für die bisherigen Fans gibt es aber immer noch genug Spaß.

x