Mannheim Jazzfantasie und Rockpower: Flo & Fauna bei Ella & Louis

 Bassist Florian Hartz.
Bassist Florian Hartz.

Noch ein Piano-Trio im Videostream des Mannheimer Clubs Ella & Louis? Das sieht nur so aus. Denn hinter dem Namen Flo & Fauna verbirgt sich ein Trio, das sich nicht als Klavier plus „Begleitung“ präsentiert. Bandleader Florian Hartz spielt E-Bass. Die Musik ist auch kein „straight ahead“-Mainstream, sondern Fusion. Auf ganz eigene Art.

Es groovt gleich ordentlich los. Das Trio zeigt vom Start weg Spielfreude. Bei vielen Fusion-Bands der Vergangenheit konnte man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht finden – oder vor lauter Sechzehntel-Gefuddel keine Melodie. „Wald“ heißt das Debüt-Album des Trios. Der Abend im Ella & Louis war zugleich das Konzert zur Veröffentlichung des Albums. „Eigentlich war jetzt eine große Deutschland-Tour mit vielen Konzerten geplant“, sagte Florian Hartz. Er trägt den Ausfall mit Fassung, kann sogar was Positives an der Situation finden: „Wir sparen viele Hundert Kilometer, das ist besser für unsere CO2-Bilanz. Und Sie können bequem zu Hause auf dem Sofa liegen – oder auf dem Tisch tanzen.“

Schöne alte Sounds

Der Sound des Trios ist nicht der eines Piano-Trios. Zwar spielt Lukas Langguth auf dem Flügel, aber da steht auch ein Synthesizer. Es ist einer von der alten, analogen Sorte. Man sagt ja, weiternutzen sei das beste Recycling und so kommen mit dem Instrument auch Sounds zu Ehren, die es mit Beginn des Digitalzeitalters nicht mehr zu hören gab. Hier hat der Synthie aber eher die Rolle eines Effekts, die tragende Rolle hat das natürlich klingende Klavier.

Florian Hartz spielt einen E-Bass und hat dafür auch ein paar Effekte: Da gibt es mal einen Oktaver, der dem Bass mehr Druck gibt, oder ein Auto-Wah, manchmal auch „Quacker“ genannt, der je nach Anschlag den Basston „kwack“ sagen lässt. Der Effekt war im elektrischen Funk der 70er recht angesagt. Und Hartz lässt auch die Basssaiten mal knallen, slappt fetzig. Klar ist also, dass der 25-Jährige aus Augsburg hier als durch und durch elektrischer Bassist auf der Bühne steht. Sein Bass hat auch keine Begleitfunktion.

Ständig wechselnde Rollen

Tatsächlich sind die Rollen im Trio sehr gut verteilt und wechseln auch ständig. Es gibt viel Freiraum zur Improvisation. Schön zu sehen ist im Video, dass zum Beispiel Hartz so lange spielt, bis er den Kollegen per Blickkontakt und Nicken signalisiert: Ich komm’ zum Schluss des Solos. Der Bassist hat zuerst Mathematik studiert und sich dann für den Jazz an der Musikhochschule Mannheim entschieden. Er macht auch Theatermusik und hat ein Musical im Funk-Groove geschrieben, das „We love you“ heißt.

Die Stücke des Abends sind durch die Bank fetzig und grooven sehr schön. Jakob Dinnebier am Schlagzeug hat mit klassischen Musikern schon Sinfonisches und Neue Musik gespielt, jetzt studiert er noch Jazz in Mannheim. Er verbindet Jazzfantasie und Rockpower am Schlagzeug.

Lukas Langguth spielt nicht nur Klavier, sondern auch Posaune und singt. Er hat Erfahrung sowohl in Klassik als auch in Jazz; derzeit studiert er Jazz in Nürnberg.

Das Zusammenspiel des Trios reicht von sehr präzisen rhythmischen Spielereien bis hin zu großen Freiräumen, die von der spürbaren Improvisationsfreude geprägt sind. Die Musik ist enorm abwechslungsreich und vielseitig. All das spielen die jungen Musiker mit einer selbstverständlichen Souveränität. Der Sound ist eigen und wiedererkennbar.

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