Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel James Brown lebt: Die Feisten im Mannheimer Capitol

Als Duo erfolgreich: Matthias Zeh (links) und Wahl-Mannheimer Rainer Schacht sind Die Feisten.
Als Duo erfolgreich: Matthias Zeh (links) und Wahl-Mannheimer Rainer Schacht sind Die Feisten. Foto: KUNZ

Im Herbst waren die Konzerte krankheitsbedingt ausgefallen, doch jetzt sind Die Feisten zurück. Das musikalische Kleinkunstduo sorgte mit dem Programm „Junggesellenabschied“ gleich an zwei Abenden nacheinander für ein ausverkauftes Capitol.

„Wir singen unser Hallo ganz einfach in den Wind / Der trägt es dann zu denen, die zu Haus' geblieben sind“, grüßen Rainer Schacht und Mathias Zeh (Künstlername: C) bei ihrem rundum überzeugenden Auftritt. „Ihr glaubt gar nicht, wie doll ich mich freue, dass ich heute Abend hier sein kann“, ergänzt Letzterer nach einer überstandenen Herzoperation. Der 57-Jährige blickt lakonisch zurück: „Ich habe mich reparieren lassen.“ Er und sein zwei Jahre jüngerer Kompagnon scheinen putzmunter und frisch wie eh und je.

Gesundheitliche Beschwerden älterer Herren

Ein brandneues Lied, das sie mit französischem Akzent vortragen, lesen sie noch vom Blatt ab. Sonst bieten sie ganz überwiegend eine Auswahl ihrer altvertrauten Songs, sozusagen das Feinste der Feisten. Ihr „Junggesellenabschied mit über 50“, dem die aktuelle Tournee ihren Namen verdankt, befasst sich ganz gegenwärtig mit den charakteristischen gesundheitlichen Beschwerden älterer Herren, von der Prostata bis zum Rücken: „Alle sind in die Jahre gekommen und haben irgendein Aua / Eine Parkbank oder eine Wanderdüne hat wesentlich mehr Power.“

Der Song und sein Text gehen tatsächlich auf Rainer Schachts späten Junggesellenabschied zurück. Der gebürtige Niedersachse hat vor wenigen Jahren in Feudenheim geheiratet und fühlt sich spätestens seitdem, wie er betont, in seiner neuen Heimat Mannheim angekommen. „Ich bin jetzt nach sechs Jahren bei 85 Prozent Sprachverständnis“, erklärt er und schränkt zugleich ein: „Wenn es dann in die Pfalz geht, fange ich wieder von vorne an.“

Seit 2013 als Duo unterwegs

Ursprünglich beheimatet sind Die Feisten in Göttingen, wo vor drei Jahrzehnten auch das Bandprojekt Ganz schön feist seinen Anfang genommen hat. Die Gruppe, damals noch ein Trio, kombinierte von Beginn an humorige, zum Teil alberne Texte mit anspruchsvollem Satzgesang, Saiteninstrumenten und Perkussion. Ihre erste Single „Eifersucht“ erschien 1989. Den größten Erfolg erzielte das Terzett knapp zehn Jahre später mit dem Album „Gänseblümchen“ und der Single „Du willst immer nur f...“. 2013 gaben Ganz schön feist ihr Abschiedskonzert, bei dem Schacht und C bereits ankündigten, künftig als Duo weiterzumachen. Im Jahr darauf veröffentlichten sie als Die Feisten ihre erste CD „Versuchslabor“.

Mit „James B.“ spielen sie im Capitol lediglich einen Titel dieses Albums, bei dem C sich als eingebildete Reinkarnation von James Brown gibt, und auch so exaltiert zu tanzen versucht wie der „Godfather of Soul“. „Ich gebe zu, dass man mich nicht sofort erkennt / Meine Seele hat sich von meinem Körper getrennt“, heißt es in dem Song und „Ich kann tanzen wie ein Gott / Aber dieser Körper nicht“.

Der Kontrast zwischen der eingängigen Musik, die einerseits weitgehend konventionell, andererseits in Perfektion dargeboten wird, und den originellen, teilweise auch provokativen Texten könnte bisweilen kaum größer sein. Das ist das Markenzeichen der Feisten. Die Aufmerksamkeit gilt damit den Lyrics, auch wenn sich C gesanglich voll auf der Höhe zeigt und Schacht sich als harmonierende zweite Stimme und versierter Multiinstrumentalist beweist. Alle ihre Songtexte sind komische, zum Teil parodistische, zum Teil spöttische Miniaturen, die ebenso von ironischen Brechungen, überraschenden Twists und Pointen leben wie die ausführlichen amüsanten Ansagen, die Die Feisten auf der Capitol-Bühne machen: „Dass ihr heute hier wart, / Ist wunderbar. / Und dass ihr mehr als wir wart, / Ist noch wunderbarer.“

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