Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Irgendwo in LU: Wie der Internationale Frauentreff Frauen unterstützt

Beim Kulturzentrum „Das Haus“ im Stadtteil Mitte hat Volker Endres Rosanna Sambito-Cavallaro getroffen.
Beim Kulturzentrum »Das Haus« im Stadtteil Mitte hat Volker Endres Rosanna Sambito-Cavallaro getroffen.

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach Gesprächspartnern. Am Freitag trafen wir Rosanna Sambito-Cavallaro. Sie leitet den Internationalen Frauentreff.

Frau Sambito-Cavallaro, warum gibt es einen internationalen Frauentreff?
Es wird einem in Deutschland nicht leicht gemacht, sich hier zu integrieren. Man bekommt viele Stolpersteine in den Weg gelegt. Deshalb wurde 1986, nach einer dreijährigen Projektphase, damals noch von der „Koordinationsstelle Ausländerarbeit“, der Frauentreff gegründet. Man hat den Bedarf der Integration von Frauen erkannt, die ihre neue Lebensrealität gestalten mussten. Zumal gerade die Frauen in den Familien oft die Rolle der Vernetzung und Steuerung übernehmen.

Wie funktioniert dieser Treff?
Zunächst einmal gibt es mit mir zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen. Wir sind im Büro der Integrationsbeauftragten. Aber wir sind keine reine Verwaltungseinheit. Wir sind eine städtische Einrichtung mit einer Angebotsstruktur, vielleicht so ähnlich wie ein Jugendtreff. Wir koordinieren Kurse, Projekte und bieten in allen Bereichen Hilfestellung und haben einmal in der Woche ein offenes Treffen. Aber wir organisieren nicht alles. Die Frauen sollen selbst Verantwortung übernehmen. Sie sollen lernen, ihre Ressourcen hier einzusetzen. Wir wollen sie fördern und integrieren.

Gibt es ein festes Schema für Integration?
Nein! Das kann es gar nicht geben, weil jede Frau, die hier ankommt, andere Voraussetzungen mitbringt. Und selbst wenn größere Gruppen aus einem Land kommen heißt das noch nicht, dass sie auch alle den gleichen Hintergrund haben.

Aber natürlich gibt es gewisse Grundvoraussetzungen. Die Sprache gehört da unbedingt dazu. Außerdem haben wir gemerkt, dass der Frauentreff nur mit einer Kinderbetreuung funktioniert. Alles andere ist immer individuell. Diese Vielfalt sieht man auch an den „Frauengeschichten“, die wir über die 40 Jahre gesammelt haben. Zum Beispiel ist aus dem Frauentreff auch das Projekt „Brückenbauer“ entstanden, das sprachlich zum Beispiel bei Behördengängen unterstützt. Einige Frauen waren dafür die Türöffner. Andere entschließen sich mit über 40 Jahren noch einmal zu einer Ausbildung. Wir haben hier Sozialarbeiterinnen und auch eine Ingenieurin, die allerdings nicht in ihrem Beruf arbeiten darf, obwohl die Physik eigentlich überall gleich funktioniert. Sie will jetzt eine Ausbildung in einer Kita machen.

Ich gehe davon aus, dass es sich bei dieser Einrichtung um eine freiwillige Leistung handelt. Ist die Zukunft des Frauentreffs gesichert?
Vor einigen Jahren gab es im Stadtrat einmal eine Diskussion zur Abschaffung. Das hat sich zum Glück nicht durchgesetzt. Mittlerweile haben wir die 40 Jahre geschafft und haben die 50 im Blick. Der Bedarf ist schließlich vorhanden und er steigt mit unserem zunehmenden Bekanntheitsgrad.

Außer Dezernent David Guthier sind bei der Feierstunde keine Männer zugelassen. Warum nicht?
Das hat sich so entwickelt, um die Frauen untereinander besser und ungezwungener miteinander zu vernetzen. Außerdem ist die Veranstaltung damit auch so etwas wie ein geschützter Raum.

Und wenn jemand teilnehmen möchte, der sich selbst als weiblich oder nicht-binär definiert?
Solange ein Interesse am Austausch und an der Begegnung besteht, schließen wir niemanden aus. Aber auch solche Themen kommen bei uns zur Sprache, denn für die Integration ist auch die interkulturelle Kompetenz wichtig. Die Frauen, die hierherkommen, müssen unsere Kultur kennen und sie annehmen.

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