Ludwigshafen
Irgendwo in LU - im Spontaninterview geht’s diesmal um den Geruch der Stadt
„Irgendwo in LU“ sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Montag haben wir auf dem Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz in der Stadtmitte Ernst Appel getroffen. Der 79-jährige Friesenheimer ist als ehemaliger Chemo-Techniker im Forschungslabor der BASF ein Spezialist für Gerüche.
Wir stehen hier vor der C&A-Ruine. Wie erleben Sie die Veränderungen in Ludwigshafen?
Alles ist ständig im Wandel. Auch hier in der Innenstadt. Mir fällt auf, dass man Häuser einmal für die Ewigkeit gebaut hat. Mittlerweile werden Häuser abgerissen, die 30, 40 Jahre alt sind, weil die neuen Eigentümer auch neue Vorstellungen haben und lieber noch einmal ganz neu bauen. Das sieht man hier, das sieht man aber auch in der Bismarckstraße.
Sie sehen das sehr pragmatisch. Kommen Sie aus der Baubranche?
Nein, ich habe mit knapp 15 Jahren bei der BASF eine Ausbildung als Chemikant angefangen, habe dann über die Abendschule meinen Techniker nachgemacht und war dann den größten Teil meines Berufslebens in der Forschung im Bereich des Hauptlabors aktiv. Dort haben wir vor allem Grundlagenforschung für Geruchs- und Aromastoffe betrieben. Das war eine sehr spannende Zeit.
Ein Ire hat mir vergangene Woche erzählt, dass es in den USA Bestrebungen gibt, 50 Jahre alten Whisky durch die Zugabe von verschiedenen Geschmacksstoffen schneller und vor allem günstiger herzustellen. Läuft es darauf hinaus?
Im Prinzip ja. Wir haben versucht, die Grundstoffe und -gerüche aus verschiedenen Stoffen herauszufinden, zu isolieren und synthetisch herzustellen.
Gibt es für Geruchsstoffe Skalen, an denen man sich orientiert, oder muss man sich da auf die eigene Nase verlassen?
Man trainiert den eigenen Geruchssinn.
Wie riecht denn Ludwigshafen für Sie als Profi?
Ich würde sagen, dass Ludwigshafen keinen spezifischen Geruch mehr hat. Das war schon einmal anders, aber das wurde in den letzten Jahren deutlich besser. Das gilt für die Luft genauso wie für das Wasser. Wenn ich daran denke, was früher alles einfach in den Fluss geleitet worden ist. Aber das ist schon in den letzten 30, 40 Jahren wesentlich besser geworden. Wenn ich allein an die Vorkehrungen denke, die wir im Labor einhalten mussten. Da wurden uns beispielsweise vom Klärwerk eigene Zeitfenster freigeräumt, in denen wir dann unsere Experimente durchführen konnten, damit die Abwässer sich nicht mit den normalen Abwässern vermischt haben.
Kann man als Forscher einfach so in Rente gehen, oder experimentieren Sie auch noch zu Hause?
Zu Hause funktioniert das überhaupt nicht. Dafür ist der technische Aufwand viel zu groß.
Und Ludwigshafen hat wirklich keinen eigenen Geruch mehr?
Doch manchmal. Das ist dann die Firma Schokinag aus Mannheim, und die riecht nach Schokolade.