Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Wie Julian Renner in einer Trendsportart für Furore sorgen will

Spielt mit Köpfchen: Der 15-jährige Julian Renner.
Spielt mit Köpfchen: Der 15-jährige Julian Renner. Foto: VIEW

Der 15-jährige Julian Renner wohnt mit seiner Familie in Dannstadt-Schauernheim. Er geht in die zehnte Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Maxdorf. Seit drei Jahren spielt er Kopfballtischtennis, besser bekannt unter dem Namen Headis. Die Sportart wurde 2006 vom Kaiserslauterer René Wegner erfunden und wird immer bekannter. Auch Julian Renner hat das Headis-Fieber gepackt.

Julian, wie bist Du zur Sportart Headis gekommen?
Vor drei Jahren haben Teyrone Onuorah und ich in der Schule in den Pausen angefangen, einen Fußball auf einer Tischtennisplatte hin und her zu köpfen. Wir haben überlegt, dass es dazu bestimmt eine Sportart gibt. Wir haben im Internet recherchiert und sind dabei auf Headis gestoßen. Wir haben uns einen Ball bestellt, der speziell für diese Sportart entwickelt wurde. Damit haben wir angefangen zu spielen und nicht mehr aufgehört. Aber nicht im Verein, sondern nur auf dem Schulhof. Die Headis-Vereine sind meist an den Universitäten.

Was ist Dein Spielername und wo stehst Du zurzeit in der Weltrangliste?
Mein Spielername ist „Headman“. Ich bin 61. der Weltrangliste. Insgesamt habe ich bisher an zwölf Turnieren teilgenommen und dabei 73 Punkte erspielt. Allerdings verliert man mit der Zeit auch wieder welche, daher stehe ich aktuell bei 58 Punkten.

Seit wann spielst Du regelmäßig?
Im ersten Jahr haben wir uns darauf konzentriert, auf dem Schulhof zu spielen, oft auch im Rundlauf-Modus. Im Dezember 2017 habe ich mein erstes Turnier gespielt, die Weihnachtsköpperei. Das ist das Jahresabschluss-Turnier. Seitdem habe ich jedes Jahr daran teilgenommen. Dieses Jahr bin ich durch die Gruppenphase gekommen, obwohl ich eine starke Gruppe erwischt hatte. In der ersten K.o.-Runde habe ich jedoch den Weltranglisten-13. erwischt und in zwei Sätzen mit 9:11 und 10:12 verloren.

Du bist noch nicht volljährig und daher ohne Führerschein. Wie sehr unterstützt Dich deine Familie?
Meine Eltern helfen mir sehr. Sie fahren mich zu jedem Turnier und unterstützen mich von der Tribüne. Ich spiele überwiegend Turniere, die in der Nähe sind. Das weiteste war bisher Köln und Bochum.

Wo und wie oft trainierst Du?
Wir trainieren auf dem Schulhof in Dannstadt oder Maxdorf. Im Winter ist es jedoch schwierig für uns, zu trainieren, da wir keinem Verein angehören. Wir haben daher auch keine Möglichkeit, in der Halle zu spielen. Es ist schwer, eine Trainingsgelegenheit zu finden, ohne sich dick einpacken zu müssen. Außerdem fahre ich regelmäßig zu Turnieren.

Was ist sind Deine Ziele, die Du im Headis erreichen willst?
Dieses Jahr habe ich bei der Juniorenweltmeisterschaft im Sommer den vierten Platz belegt. Im Halbfinale bin ich gegen einen 17-Jährigen ausgeschieden. Er und die beiden anderen Halbfinalisten sind nächstes Jahr nicht mehr bei den Junioren dabei. Ich rechne mir daher gute Chancen aus, 2020 zu gewinnen. Das ist mein nächstes Ziel. Langfristig möchte ich die Nummer eins der Weltrangliste werden. Es ist jedoch so, dass bei der Weltrangliste nicht zwischen Junioren und Nicht-Junioren unterschieden wird, sondern alle in der gleichen Rangliste geführt werden. Es braucht auch sehr viel Zeit, sich an die Spitze zu kämpfen, da nicht nur bei mir das Niveau steigt, sondern bei allen anderen auch.

Was macht den Sport so interessant?
Neben Headis spiele ich Fußball im Verein. Da köpft man ja auch das ein oder andere Mal und vom Fußball sind wir zum Headis gekommen. Es ist sehr viel Dynamik im Spiel, etwa, wenn wir uns auf die Platte werfen. Zudem wird die Fairness im Spiel und auf den Tribünen groß geschrieben. Wenn es einen schönen Ballwechsel gab, dann klatschen sich die beiden Spieler ab und sagen: „Das hast Du gut gemacht.“ Die Kombination aus Fairness, Spaß und hohem Spielniveau macht Headis so reizvoll.

Was war Dein bislang größter Erfolg?
Das war das Erreichen des Halbfinals bei der diesjährigen Jugendweltmeisterschaft mit dem vierten Platz.

Hast Du ein Vorbild?
Cornelius Döll aus Köln, Spielername „Headsinfarkt“, ist ein großes Vorbild für mich. Er spielt kontinuierlich gut und macht sehr wenige Fehler. Es ist auch ganz besonders, wie er spielt. Zum einen sehr fair, und zum anderen macht er Dinge, die kaum jemand macht. Zum Beispiel stellt er sich auch mal auf die Platte, wenn der Ball besonders hoch abspringt, um ihn gefährlich zurückzuköpfen. Das ist selten und besonders.

Konntest Du bereits andere von Headis überzeugen?
Im direkten Bekanntenkreis nicht wirklich. In der Schule gibt es aber immer wieder Mitschüler, die sehen, dass wir spielen und fragen, ob sie mitspielen können. Wir nehmen sie an die Hand und zeigen ihnen, wie es geht. Aber nicht jeder ist dafür geeignet, manche haben wieder aufgehört. Mir liegt besonders am Herzen, darauf aufmerksam zu machen, dass wir in der Vorderpfalz kaum Spieler haben, die hier auch direkt spielen. Nur Teyrone Onuorah und ich. Wir bräuchten noch ein paar Spielpartner, um uns an einen Verein binden zu können, damit wir eine Spielgelegenheit haben, die wir zu jeder Jahreszeit nutzen können.

Wenn Du Dich zwischen Headis und Fußball entscheiden müsstest, was würdest du wählen?
(lacht) Puh, das ist eine schwere Entscheidung. Wenn ich in die Zukunft schaue, dann Headis. Wenn ich studieren sollte, dann wäre Headis von Vorteil, weil ich viele Turniere spielen könnte, ohne an einen Verein und Ort gebunden zu sein. Außerdem macht mir Headis doch ein bisschen mehr Spaß.

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