Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Warum Rocksänger Wolf Maahn auf seinem neuen Album politisch ist wie lange nicht

„Klar, ein Hit wäre schon nett“: Wolf Maahn.
»Klar, ein Hit wäre schon nett«: Wolf Maahn. Foto: Angelika Maahn/Frei

Songs wie „Fieber“, „Rosen im Asphalt“ oder „Wunder dieser Zeit“ sind ein Stück deutsche Rockgeschichte. Wolf Maahn hat diese Geschichte mitgeprägt. Und der Sänger wird nicht müde, neue musikalische Wege zu beschreiten. Am Freitag, 7. Februar, veröffentlicht der 64-Jährige sein 16. Studioalbum „Break Out Of Babylon“. Am Sonntag, 29. März, tritt er im Capitol in Mannheim auf.

Herr Maahn, warum trägt das neue Album erstmals seit „Third Language“ von 1988 einen englischen Titel?
Die meisten Texte sind in Deutsch, dazwischen gibt es immer wieder englische Ausdrücke, aber solche. die hierzulande jeder versteht. Englisch ist die globale Sprache und der Titel auch ein Signal. Denn nur noch global können wir unsere massiven Krisen lösen.

Was bedeutet „Break Out Of Babylon“?
„Babylon“ steht für mich für die gewinnorientierte Ausbeutung von Mensch und Natur. Im Song „Wer wird Visionär?“ singe ich: „Lobbyisten, spendabler wie an Christmas, fragen: Welche Natur? Hier geht’s um Business!“

Warum ist es ein Konzeptalbum?
Ich werfe Schlaglichter auf den Zustand der Welt und erzähle die Story von einem Star-Investor, der zum Wohltäter wird. Das allerdings ziemlich facettenreich. Ein Milliardär mit Liebeskummer und tatsächlich auch Anfällen von Selbstmitleid.

„Break Out Of Babylon“ sprudelt nur so vor Groove- und Reggae-Beats …
Reggae hat, abgesehen von faszinierenden Beats, eine lange rebellische Tradition und ist ein grandioses Vehikel, um sich musikalisch gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

Jedes Album hat eine Art Message. Welche steckt hinter „Break Out Of Babylon“?
Das Album ist ein Appell, dass wir alle und ganz besonders die Superreichen der Natur jetzt etwas zurückgeben müssen, um unsere elementaren Lebensgrundlagen zu reparieren. Wer sonst kann denn am effektivsten die Dinge zum Besseren wenden? Eine Politik, die zwischen wöchentlichen Meinungsumfragen und Lobbyisten laviert, eher nicht.

Auch optisch überraschen Sie. Was bedeutet der grüne Strich unterm Auge? R.E.M.-Sänger Michael Stipe hatte das früher mal in blau?
Grün ist die Farbe der Natur, und die ist großartiger und erhabener, als ich je dachte. Als Kind spielte ich auf Hinterhöfen und Laderampen. Der Garten der Hausbesitzer war tabu.

Die neue CD sollte zur Tour erscheinen, wird nun aber erst am Freitag veröffentlicht. Wie sehr ärgert Sie das?
Immerhin haben wir ja auf die Schnelle noch eine EP mit vier Songs für den Tour-Verkauf pressen lassen. Es ist auf jeden Fall sehr aufregend, neue Sachen erstmal live zu spielen. Das Record-Business ist sowieso komplett crazy geworden, vor allem sehr schnelllebig. Vielleicht ist es ja auch gut, dass es mal irgendwas nicht sofort auf Knopfdruck zu streamen gibt zwischen über 50 Millionen anderen Songs.

Mit jedem Album will ein Künstler einen nächsten Schritt gehen. Wie ist das bei Ihnen mit „Break Out Of Babylon“?
Musikalisch ist „Break Out Of Babylon“ für mich wie ein neuer Tanzschritt. Textlich ist es ungefähr so politisch wie mein Debütalbum „Deserteure“.

Ihre Frau Angelika ist seit über 25 Jahren Ihre treue Begleiterin. Sie hört die Songs sicher zuerst?
Ja, das meiste hört sie zuerst, und das ist sehr wichtig für mich. Sie legt grandios den Finger auf die Schwachstellen, wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Ob ich Englisch oder Deutsch singe, ist dabei egal, solange es groovt und stimmig ist und den Zauber schürt.

Wird das Album auch in England und den USA veröffentlicht?
Im digitalen Zeitalter sind auch meine Alben weltweit zu haben. Ich hatte mal einen Achtungserfolg in den USA mit dem Album „Vereinigte Staaten“. Es landete dort in den Downloadcharts und wir wissen bis heute nicht, wie das passieren konnte. Es ging ja bei dem Titel gar nicht um die USA. Generell investieren wir nicht viel Energie oder Geld dort. Sehr groß und zu schwierig. Selbst Robbie Williams hat in seiner Superstar-Zeit da keinen Stich bekommen, und er singt bekanntermaßen vorwiegend Englisch.

Will oder braucht Wolf Maahn noch mal einen Hit? Oder haben Sie darauf keine Lust mehr – bei der Radio-Landschaft?
Klar, wäre schon nett. Aber es gibt kaum noch wirkliche Hits und ich brauche auch nicht unbedingt einen. Die Auswahlkriterien für die wenigen neuen Songs, die im Radio stattfinden, sind inzwischen verbissen eng. Gesellschaftskritisches hat da keine Chance mehr, es stört nur die so genannte „Durchhörbarkeit“. Ich glaube, der Schaden für unsere Demokratie wird dabei sträflich unterschätzt. Ganz zu schweigen von der Verkümmerung des allgemeinen Musikverständnisses.

Wie haben Sie sich eigentlich verändert in den vergangenen Jahren seit dem letzten Studioalbum?
Ich bin in einer sehr politischen Phase. Das Klima fliegt uns um die Ohren, und die immer krassere Schere von arm und reich ist verheerend. Ich kann die Ignoranz kaum ertragen und muss es artikulieren – auf meine Art und mit meinen Möglichkeiten.

Termin

Wolf Maahn & Band am Sonntag, 29. März, 19 Uhr, im Capitol Mannheim. Kartentelefon: 0621/3367333.

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