Ludwigshafen Interview: „Es herrschte eine angespannte Stimmung“

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Mit der Bekanntgabe des Reaktor-Standorts hatte es in der Pfingstweide sofort Proteste gegeben. Die „Satellitenstadt“ mit damals 8000 Einwohnern war schließlich als gehobener Wohnort ohne Umweltbelästigung konzipiert worden. Die Einwohner sahen sich bereits durch die Kläranlage und den Ölhafen gestört. Ein Gespräch mit dem heutigen Ortsvorsteher Udo Scheuermann (71, SPD), damals Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Pfingstweide.

Herr Scheuermann, erinnern Sie sich daran, dass in Ludwigshafen mal ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte?

Ja, das muss Anfang der 70er-Jahre gewesen sein. Die BASF wollte nahe dem Rhein ein Atomkraftwerk bauen. Genau, etwa auf der Höhe der Neckarmündung. 1966 stellte die BASF die Pläne vor. Der Stadtrat stimmte ihnen Anfang 1970 zu. Wissen Sie noch, wie damals die Stimmung in der Stadt war? Es war eine positive Stimmung. Ludwigshafens Oberbürgermeister Werner Ludwig (SPD) und der Frankenthaler Oberbürgermeister Günter Kahlberg (CDU) sowie die Verwaltung hatten keine große Abneigung, das Atomkraftwerk hinzustellen. 1976 änderte die BASF den Standort und wollte den Atommeiler nun nördlich der BASF-Kläranlage bauen. Sie waren damals Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Pfingstweide. Wie haben Sie reagiert? Ich habe sofort um eine Bürgerversammlung gebeten, die dann in der Unterkirche des katholischen Gemeindezentrums stattfand. Da wurde das Projekt vorgestellt. Wie war die Stimmung der Bürger? Ich weiß noch, dass die Versammlung sehr gut besucht war. Es herrschte eine angespannte Stimmung. Wir waren gegen den Bau. Warum? Denken Sie allein an das Gefahrenpotenzial. Gut, dass wir uns gewehrt haben, und gut, dass das Atomkraftwerk nicht gebaut wurde. Heute hätten wir die entsprechenden Probleme.

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