Ludwigshafen
Integrationsbeauftragte der Polizei: Wie sieht die Arbeit aus?
In der jüngsten Sitzung des Ludwigshafener Migrationsbeirats gab Erten einen ersten Überblick über ihre Tätigkeit. „Ich freue mich, wieder hier zu sein“, sagte die langjährige Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration (BMI) und begrüßte ihre vor kurzem neu gewählten Nachfolger. Erten war von 2009 bis 2019 Stadträtin für die SPD. Sie sei die erste und bisher einzige Integrationsbeauftragte der rheinland-pfälzischen Polizei, betonte die 54-Jährige aus Ludwigshafen. Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz mit seinen rund 2200 Mitarbeitern erstreckt sich neben Ludwigshafen auf die komplette Vorder- und Südpfalz mit 900.000 Einwohnern.
Konzept für interkulturelle Polizeiarbeit entwickelt
„Meine Hauptaufgabe ist es, den Dialog mit den Migranten und ihren Vertretungen zu stärken“, sagte Erten. Dazu gehöre, für den Eintritt von Menschen mit Migrationshintergrund in die Polizei zu werben, die interkulturelle Kompetenz aller Polizisten zu verbessern und als Ansprechpartnerin da zu sein, beschrieb sie einzelne „Bausteine“ ihrer Arbeit. „Bei jeder Dienststelle der Polizei gibt es mittlerweile einen Dialogbeauftragten für den Kontakt mit Migrantenorganisationen.“ Den Dialogbeauftragten stehe inzwischen eine Liste von Migranten-Vereinen als Ansprechpartner zur Verfügung. „Weil es bei der Polizei so etwas bisher nicht gab, habe ich ein Konzept für die interkulturelle Polizeiarbeit für das Polizeipräsidium Rheinpfalz entwickelt. Das ist bisher einzigartig in Rheinland-Pfalz“, erklärte die Sozialwissenschaftlerin.
Eine wichtige Aufgabe sieht Erten darin, den Dialog zwischen den Polizeidienststellen und den Integrationsbeiräten vor Ort zu verstärken. Auch in Ludwigshafen könne da noch mehr passieren, meinte sie. Es gehe darum, Hemmschwellen abzubauen. „Dies geschieht durch besseres persönliches Kennenlernen der Akteure.“ Hilfreich wäre es, wenn mehr Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei arbeiteten, stellte sie fest. Auf Nachfrage der Beiratsvorsitzenden Dolly El-Ghandour (SPD) schätze deren Vorgängerin den Anteil von entsprechenden Mitarbeitenden im Polizeipräsidium Rheinpfalz derzeit auf rund 20 Prozent.
Zunächst auf zwei Jahre befristetes Pilotprojekt
Ein weiteres wichtiges Thema sei die Verbesserung der interkulturellen Kompetenz innerhalb der Polizei. „Das Interesse daran ist gestiegen“, versicherte Erten. Ebenso wichtig sei, dass die Polizei Präsenz bei Veranstaltungen mit Migranten zeige und ansprechbar sei – wie zuletzt beim Internationalen Frauentreff oder den Interkulturellen Wochen in Neustadt und Ludwigshafen, wo Informationen zu Telefonbetrug oder Gewalt in Beziehungen angeboten worden seien.
Wie Erten auf Nachfrage von Beirätin Christiane Ohlinger-Kirsch (CDU) einräumte, ist ihre Tätigkeit am Polizeipräsidium Rheinpfalz ein zunächst auf zwei Jahre befristetes Pilotprojekt. „Ich hoffe, dass es weitergeht. Das ist wohl auch beabsichtigt“, sagte die Integrationsbeauftragte. Doch unterschrieben sei noch nichts.