Ludwigshafen
Inspiriert durch die Spiele in München
50 Jahre nach den Spielen in München erlebt der VBC Ludwigshafen pünktlich zum Jubiläum wieder einen Aufschwung, nachdem es zwischenzeitlich mal recht mau aussah, die Mitgliederzahlen in den Keller gerutscht waren, Mannschaften mangels Spielern abgemeldet werden mussten.
Doch der Reihe nach: Norbert Schotthöfer ist ein Mann der ersten Stunde, erinnert sich an die abenteuerlichen Anfänge. Ein paar Herren aus dem damaligen Grundstücksamt der Stadtverwaltung Ludwigshafen hatten im Olympiajahr 1972 Gefallen am Volleyball gefunden. „Wir waren 15 Leute, die Interesse am Volleyball hatten. Es gab aber zunächst niemanden, der es uns beibringen konnte“, erzählt Schotthöfer. Fortan verabredeten sich die Männer jeden Freitag in der Mozartschule.
Anfangs ein Seil als Netz
Die Ausstattung allerdings war anfänglich eher bescheiden. Ein Volleyballnetz oder gar Pfosten – Fehlanzeige! Ein Seil musste zu Beginn ausreichen. In Eigenregie habe man sich schließlich Netzpfosten zusammenschweißen lassen, sagt der Rheingönheimer schmunzelnd. Kaum waren die Olympischen Spiele vorbei, das Feuer erloschen – da trafen sich jene Ludwigshafener Volleyballer im „Grünen Baum“ in Rheingönheim zur Gründungsversammlung des Volleyballclubs Olympia 1972 Ludwigshafen. Ein historischer Tag für Rheingönheim, denn an jenem 29. September wurde nicht nur der VBC gegründet, sondern ein paar Meter weiter auch die Endschleife für die Straßenbahn eingeweiht.
Volleyball wurde in Ludwigshafen schon vorher gespielt: beim ESV und TFC Ludwigshafen, doch nun hatte die Stadt einen reinen Volleyballverein. Rudolf Fücks übernahm den Posten des Vorsitzenden. Kontinuität schrieben die Vereinsverantwortlichen von jeher groß, denn in den letzten fünf Jahrzehnten hatte der Klub gerade einmal fünf Vorsitzende, darunter Norbert Schotthöfer. Schon 1973/74 spielte der VBC seine erste Saison: in der Bezirksklasse Nord. Der VBC wuchs schnell, was er auch einem Zufall zu verdanken hatte. Im März 1974 wechselte quasi die komplette Volleyballabteilung der TG 04 Limburgerhof in einem Rutsch nach Ludwigshafen. So kam der VBC zu drei weiteren Herren- und zwei Damenmannschaften. Von der Rheinland-Pfalz-Liga bis in die unteren Klassen war der Klub nahezu in jeder Liga vertreten. Ein Highlight in den 1970er-Jahren: Am 28. Dezember 1977 fungierte der VBC als Ausrichter des Junioren- und Juniorinnenländerkampfes zwischen Deutschland und Frankreich in der Friedrich-Ebert-Halle.
„Man kann sagen, dass die 1980er-Jahre die erfolgreichsten in der Geschichte des Vereins waren“, sagt Isabel Küspert, so etwas wie die Chronistin der Vereins und beteiligt an der Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten in „Das Haus“ am 10. September. Die Frauen schafften zur Saison 1982/83 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga Süd, mussten allerdings zum Ende der Runde bereits wieder die Segel streichen und kehrten in die Regionalliga zurück. So erging es auch den Herren, die zur Saison 1989/90 den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse schafften, aber auch wieder direkt abstiegen.
Der 5. Februar 1983 hat sich in Schotthöfers Gedächtnis eingebrannt, denn es war einer der vielleicht bemerkenswertesten Tage in der Geschichte des VBC. „Wir hatten es im Pokal unter die letzten 16 geschafft und mussten gegen den aktuellen Bundesliga-Tabellenführer VBC Paderborn ran“, erklärt der Rheingönheimer. Teuer zu stehen kam die Partie dem damaligen Ludwigshafener Trainer Peter Schneider. Für jede Minute, die das Spiel länger als die erwartete halbe Stunde laufen sollte, hatte er seinen Schützlingen eine Flasche Sekt versprochen. Und tatsächlich kämpften sie gegen die mit Nationalspielern gespickten Paderborner 106 Minuten lang, gewannen sogar einen Satz. 36 Minuten länger als prognostiziert, bedeuteten schlussendlich 36 Flaschen Sekt fürs Team.
Starker Seniorenbereich
Im Seniorenbereich war der VBC von jeher stark, belegte unter anderem bei den deutschen Meisterschaften der Seniorinnen 1993 Rang acht. Mitte der 1990er-Jahre kam ein weiteres Standbein hinzu: Beach-Volleyball. Im Heuweg begannen 1996 die Arbeiten für den Beachvolleyballplatz, der ein Jahr später eingeweiht wurde. So manche regionale und überregionale Beachvolleyball-Größe flog dort schon durch den Sand.
In den 2000er-Jahren kam mit Floorball (ehemals Unihockey) eine weitere Sparte beim VBC hinzu. Höhepunkte waren die Meister- und Vize-Meistertitel in der Baden-Württemberg-Liga, mehrere Teilnahmen an deutschen Meisterschaften im Kleinfeld mit der Damen- und der Herrenmannschaft sowie der Einzug ins Pokal Final Four mit der Damenspielgemeinschaft mit Tübingen. Zuletzt mussten die Floorball-Spieler einige Abgänge verkraften, würden sich über neue Interessenten für den rasanten Sport freuen.
Ansonsten wurde es in den 2000er-Jahren recht ruhig beim VBC und wäre es vielleicht auch heute noch. Hätte nicht Svenja Taschinski das Heft in die Hand genommen. Als 2015 die Damenmannschaft abgemeldet wurde, „habe ich überlegt, zumindest eine Biermannschaft zu gründen“, berichtet Taschinski, die 2017 den Vorsitz übernahm. Jene Biermannschaft ist inzwischen ungeschlagen Pfalzligameister und in die Verbandsliga aufgestiegen. „Ohne ihr Engagement würden wir heute nicht da stehen, wo wir stehen“, betont Küspert.
Neben einer herausragenden Jugendarbeit sei auch die verstärkte Nutzung von Social Media ein Erfolgsfaktor, sagt sie. Vor drei Jahren noch bei 160 Mitgliedern, hat der VBC mittlerweile 260 Mitglieder, vier Herren-, fünf Damenmannschaften und eine Ballschule. „Der Aufwärtstrend hält an“, freut sich Taschinski im Jubiläumsjahr.