Mannheim
Insolvenz der Kinos Atlantis und Odeon: Drama mit Aussicht auf glückliches Ende
„Unsere Besucherinnen und Besucher können sich weiter auf uns verlassen“, versichert Erdmann Lange, der Programm- und Marketingleiter beider Kinos. „Wir wollen weiter täglich Programm anbieten.“ Dabei liegt keine leichte Wegstrecke hinter dem Team der insgesamt drei unterschiedlich großen Säle in den Mannheimer Quadraten K2 und G7. Mit Hans Laumann verstarb im September vergangenen Jahres überraschend der langjährige Geschäftsführer und zuletzt auch alleinige Gesellschafter der Atlantis-Filmtheaterbetriebsgesellschaft, die die Kinos betreibt. So wie er es sich gewünscht hätte und wie es mit seinen Hinterbliebenen abgestimmt worden sei, lief der Betrieb nahtlos weiter. Darüber informierte kurz nach Laumanns Tod eine Pressemitteilung.
Häuser mit langer Geschichte
Nahtlos, aber offensichtlich nicht reibungslos. „Es war ein ziemliches Drama mit einigen Wendungen in den letzten Monaten“, berichtet Lange, der, um im Kino-Jargon zu bleiben, auf ein Happy End setzt. Die bereits 1928 (Odeon) und 1950 (Atlantis) eröffneten Häuser gerieten aufgrund ungeklärter Erbschafts- und Nachfolgeregelungen in eine Schieflage. „Mit einem engagierten Team haben wir den Betrieb trotz aller Schwierigkeiten erfolgreich weitergeführt, zuletzt mit einem spürbaren Besucherzuwachs“, fasst Lange zusammen.
Für eine besondere Überraschung, die wohl ursächlich hinter dem im August gestellten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens steht, sorgte eine hohe Nachforderung der Mannheimer MVV Energie AG. Der Energieversorger forderte von den Filmtheaterbetrieben nachträglich rund 43.000 Euro für Strom, da aufgrund eines Berechnungsfehlers in den vergangenen 16 Jahren lediglich fünf Prozent des tatsächlichen Verbrauchs abgerechnet worden seien. Durch Verjährungsfristen ist der MVV dabei offensichtlich ein noch viel höherer Betrag entgangen.
Ein paar Ecken weiter, im Quadrat P4, laufen derzeit die aufwendigen Sanierungsarbeiten des ehemaligen Cineplex, das um den Jahreswechsel 2024/2025 als „Planken-Lichtspiele“ wiedereröffnen soll. Der künftige Betreiber hat ebenfalls konkrete Pläne für die Zukunft des Atlantis und Odeon vorgelegt. Aktuell laufen die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Michael Wellstein von der Mannheimer Kanzlei Rochade. Er spricht aufgrund der Umstände, die zur Insolvenz führten, zunächst von „keiner leichten Ausgangslage“. Es hätten sich Forderungen aufgetan, die für eine Aufrechterhaltung des Kinounternehmens „schlichtweg nicht möglich waren“, erklärt er und meint damit wohl jene der MVV. „Der Fokus liegt aber von Beginn an auf der Erhaltung der Kinos“, bekräftigt Wellstein und ergänzt, es werde selbstverständlich eine möglichst zeitnahe Übernahme angestrebt. Der potenzielle Investor stehe in den Startlöchern.
„Das passt“, meint Erdmann Lange und betont, „die neuen Betreiber haben reichlich Kinoerfahrung und sind genauso an der Erhaltung der Mannheimer Kino-Tradition interessiert, wie wir es sind.“
„Spannende Zeiten“ erwartet
Gemeinsam mit den Verantwortlichen sei eine positive Fortführungsprognose für beide Kinos entwickelt worden, und die Bundesagentur für Arbeit sichere in den nächsten Wochen und Monaten die Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld ab, dessen Vorfinanzierung bei einer regionalen Bank in die Wege geleitet worden sei. Als neuer Geschäftsführer der Atlantis-Filmtheaterbetriebe konnte mittlerweile Thomas Jost gewonnen werden, der der GmbH, zumindest noch vor der Nachforderung der MVV, „eine solide Grundlage für die Zukunft“ attestieren konnte.
Erdmann Lange, so ist zu hören, soll künftig neben der Programmgestaltung von Atlantis und Odeon auch das Programm für die neuen Planken-Lichtspiele machen. „Da kommen spannende Zeiten auf Mannheim zu“, verspricht er, mit einem filmischen Angebot, das die ganze Palette von großem Entertainment bis hin zu Arthouse-Perlen abdecke.