Ludwigshafen
In welchen Fällen die Verbraucherzentrale berät
Ein junger Mann muss den Schlüsseldienst rufen. Der kommt, beschädigt aber bei seiner Arbeit die Tür. Trotzdem verlangt er 1500 Euro für seine Dienstleistung. Oder das junge Ehepaar, das sich gerade selbstständig gemacht und ein Haus gekauft hat, und nicht bemerkt, dass der elfjährige Sohn sich für seine Computerspiele virtuelle Münzen kauft, um ins nächste Level zu kommen. „Am Ende des Monats hatte diese Familie eine Telefonrechnung über 5000 Euro“, schildert Tamina Barth, Leiterin der Verbraucherzentrale Ludwigshafen. „Das war schon ziemlich dramatisch.“ Am Ende habe mit Hilfe der Verbraucherzentrale nur ein kleiner Teil der Rechnung bezahlt werden müssen, weil der Sohn minderjährig war.
Es sind Fälle wie diese, die bei der Verbraucherzentrale auftauchen. „Verbraucherthemen sind immer auch durch aktuelle Entwicklungen geprägt“, sagte Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, bei der Feier zum 60. Geburtstag der Beratungsstelle Ludwigshafen. Coronabedingt fand sie am Freitag per Videokonferenz statt.
Hilfe nach Flutkatastrophe
Tatsächlich haben sich die Themen über die Jahre stark gewandelt: von Fragen zur Vorratshaltung und zum Waschmaschinenkauf in den 60ern über von Skandalen geprägte Ernährungsthemen in den 90ern bis hin zur Verunsicherung angesichts der Finanzkrise Anfang der 2000er. Als „immer am Puls der Zeit“ bezeichnete Verbraucherschutzstaatssekretär David Profit (Grüne) das Angebot und lobte auch die schnelle Information nach der Flutkatastrophe im Ahrtal. Wie Anna Follmann bestätigte, habe man kurz danach nicht nur im Internet informiert, sondern auch vor Ort. „Seit der Flutkatastrophe stehen die Telefone kaum noch still“, sagt Follmann, die von Ludwigshafen aus landesweit zu Elementarschadenversicherungen berät.
Die Beratungsstelle Ludwigshafen mit heute mehr als 8000 Kontakten im Jahr hat sich nicht nur thematisch gewandelt. Auch personell wurde sie von anfangs weniger als einer handvoll Mitarbeitern auf heute zehn aufgestockt. 1961 wurde sie als zweite Beratungsstelle in Rheinland-Pfalz eröffnet. Der erste Standort befand sich am Ludwigsplatz, dann zog sie in die Bahnhofstraße und ist seit 2015 in der Wredestraße zu Hause. In Germersheim und Landau gibt es Beratungsstützpunkte.
Vom Bus zum Webseminar
Während anfangs noch der orangefarbene Verbraucherbus durch die Stadt fuhr, haben sich spätestens seit Corona Webseminare „als Erfolgsschlager erwiesen“, wie von der Lühe sagte. Auch inhaltlich sei durch die Pandemie Neues dazugekommen. „Da gab es viel zu tun mit Reiserecht“, sagte Angelika Stegmann, die als Honoraranwältin für die Verbraucherzentrale arbeitet. Auch um ausgefallene Konzert- und Theaterveranstaltungen sei es gegangen. „Die Verbraucher wollten ihr Geld zurück“, sagte Stegmann. Nach und nach seien vermehrt Gutscheinlösungen akzeptiert worden.
Um „aufsuchende Verbraucherarbeit“ geht es beim Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“. Vom Comeniuszentrum in Oggersheim-West aus gehen Lara Riedel und Björn Weitkamp aktiv auf die Menschen im Quartier zu. Weil das während Corona schwierig war, habe man sich andere Lösungen einfallen lassen, wie Riedel sagte: etwa mit Infos gefüllte Stoffbeutel an einem Zaun. Gerade in einer Stadt wie Ludwigshafen mit vielen Menschen mit „schmalem Geldbeutel“, sei ein niederschwelliges Angebot wichtig, sagte Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD).
Beratung auch zu barrierefreiem Bauen
Die Palette der Beratung ist groß: von Kauf- und Handyverträgen über Energieberatung bis hin zu barrierefreiem Bauen, Finanzdienstleistungen oder Ernährung. Und immer wieder kommen neue Fälle dazu. Wie etwa der, von dem Beraterin Nicole Schrank berichtet. Am Telefon würden Nahrungsergänzungsmittel als kostenlose Probe angeboten. Der Sendung liege dann allerdings ein kostenpflichtiges Päckchen der Produkte bei. Die Themen werden also auch in den nächsten Jahren nicht ausgehen.
Noch Fragen?
Die Beratungsstelle in der Wredestraße 33 ist montags und mittwochs von 10 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Beratung nach Terminvereinbarung unter Telefon 0621 512145 oder per E-Mail: ludwigshafen@vz-rlp.de. Die telefonische Erstberatung ist kostenlos. Infos zu den Preisen im Netz unter www.verbraucherzentrale-rlp.de.