Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel In welchen Fällen die Unabhängige Patientenberatung hilft

Wurde ich richtig aufgeklärt und behandelt? Bei Fragen wie diesen hilft die Unabhängige Patientenberatung.
Wurde ich richtig aufgeklärt und behandelt? Bei Fragen wie diesen hilft die Unabhängige Patientenberatung.

Manchmal bleibt nach einer Arztbehandlung ein verunsicherter Patient mit Fragen zurück: zu Wechselwirkungen von Arzneimitteln, Anspruch auf Krankengeld oder einer zweiten Meinung. Hilfe bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), die ein Büro in Friesenheim hat.

Verdacht auf Parkinson lautete die Diagnose einer Patientin. Weil sie zusätzlich zu dieser Erkrankung auch noch Sehnenscheidenentzündungen bekam, suchte sie die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) in Ludwigshafen auf. Nicht weit vom Klinikum entfernt, in der Hohenzollernstraße, konnte Jakob Schuettler ihr helfen. Der Sozialversicherungs-Fachangestellte fand heraus, dass die Entzündung eine Nebenwirkung der Medikation des Neurologen war.

Information, Beratung und Aufklärung von Patienten, die Fragen zu ihrer Gesundheit und ihren Rechten haben, leistet die gemeinnützige UPD mit Hauptsitz in Berlin in 32 Niederlassungen in ganz Deutschland seit 2007. Die Beratungen sind kostenfrei. Ob die Ratsuchenden gesetzlich, privat oder gar nicht krankenversichert sind, spielt dabei keine Rolle. Seit drei Wochen öffnet die Niederlassung in Friesenheim nach dem Corona-Lockdown wieder wie gewohnt zwei Mal pro Woche. Als wir am Donnerstagmorgen ins Büro kommen, ist es allerdings noch ruhig.

Auch Akteneinsicht

„Ein Arzt wusste nichts von der Medikation des anderen“, erklärt Schuettler die Sehnenscheidenentzündung der Parkinson-Patientin. In vielen Fällen helfe es, einfach miteinander zu reden oder Akteneinsicht zu nehmen, um den Patienten zu helfen. Während der Corona-Pandemie erledigte Schuettler seine Arbeit telefonisch, schriftlich per Brief oder E-Mail. Die UPD hält ein bundesweit kostenfreies Beratungstelefon und eine Online-Beratung im Internet bereit. Außerdem gibt es überregionale Beratungsangebote zu spezifischen Themen, beispielsweise Arzneimittelberatung, zahnmedizinische Kompetenzzentren, Online-Beratung zu Essstörungen und den Krebsinformationsdienst. Auch auf Türkisch und Russisch kann man über zwei bundesweite Hotline-Nummern seine Fragen stellen.

„Voll abgerundet kann die Beratung nur mit persönlichen Geprächen gelingen“, sagt Schuettler. Auch Trost finden viele Patienten bei ihm. „Ich habe immer Tempotaschentücher bereit“, erklärt er. Nicht selten geht es bei den Ratsuchenden um die berufliche Existenz. „Einkommenssicherung im Krankheitsfall, Übergang zur Rente, Beantragung von Arbeitslosengeld I und II“, zählt Schuettler die Themen auf, bei denen Patienten oft Hilfe im Behördendschungel brauchen. Auch der Unterschied zwischen Pflege- und Heilbehandlung ist für viele hochbetagte Menschen nicht leicht zu durchschauen. „Wenn der Pflegedienst Kompressionsstrümpfe anzieht oder eine Diabetes-Spritze setzt, ist das eine Heilbehandlung, Waschen und Anziehen gehört zur Pflege“, erklärt er. Auch wenn dieselbe Person das macht, sind zwei Kostenträger, die Krankenkasse und die Pflegekasse, dafür zuständig.

Gab es Behandlungsfehler?

Auch vermeintliche oder echte Behandlungsfehler führen die Menschen zu Schuettler. „Wenn Patienten der Auffassung sind, dass etwas nicht stimmt bei der Aufklärung, Durchführung und Dokumentation“, erklärt er. Oft gehe es auch um die Behandlung im Krankenhaus, um die Erreichbarkeit der Ärzte, um Verlegung oder Entlassung.

Das kleine Büro in der Hohenzollernstraße 73 ist die einzige Niederlassung der UPD in Rheinland-Pfalz. Die nächsten sind in Karlsruhe, Saarbrücken und Frankfurt. Außerdem fahren drei Beratungsmobile durch weitere 100 Städte in Deutschland. Rund 5,2 Millionen Euro stehen für pro Jahr für die Arbeit der im Jahr 2000 gegründeten UPD zur Verfügung, die der Gesundheitsdienstleiser Sanvartis ausführt. Gesetzliche und private Krankenkassen tragen die Kosten für Beratungen und die wissenschaftliche Begleitforschung. Kritik gab es zwischenzeitlich wegen der Frage, ob Sanvartis unabhängig beraten kann. Eine Neuausschreibung der Betreiber Anfang des Jahres verzögerte sich wegen Corona.

Die Nachfrage nach der UPD ist da: An diesem Donnerstag stehen noch sechs Patientengespräche für Schuettler an.

Noch Fragen?

Sprechstunden bei der UPD in der Hohenzollernstraße 73 immer dienstags und donnerstags ab 9 Uhr nach Terminvereinbarung unter Telefon 0800/0117725.

Jakob Schuettler im Büro der UPD in Friesenheim.
Jakob Schuettler im Büro der UPD in Friesenheim.
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