Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „In Ludwigshafen bin ich geworden, was ich bin“: Die frühere Kinder- und Jugendtheaterleiterin sagt der Stadt Ade

Eva Adorjan blickt mit ein wenig Wehmut auf Ludwigshafen und die Zeit, die sie hier verbracht hat, zurück.
Eva Adorjan blickt mit ein wenig Wehmut auf Ludwigshafen und die Zeit, die sie hier verbracht hat, zurück. Foto: KUNZ

Eva Adorjan, die im Theater im Pfalzbau unter der Intendanz von Hansgünther Heyme das Theaterspielen mit Kindern und Jugendlichen aufgebaut hat, wird Geschäftsführerin des Theaterpädagogischen Zentrums Köln mit angeschlossenem Zirkus- und Artistik-Zentrum. Die älteste und größte Ausbildungsstätte für Theater- und Zirkuspädagogen in Deutschland konzipiert und organisiert auch Festivals und macht Eigenproduktionen.

Im Mai wird Uwe Schäfer-Remmele, der das Zentrum aufgebaut hat, in den Ruhestand gehen und die Leitung an Eva Adorjan übergeben. Bis dahin wird sie noch eingearbeitet. „Die Aufgabe ist spannend, und ich bin total glücklich“, sagt sie. „Was er geschaffen hat, will ich erhalten und weiter profilieren.“

Für ein Wochenende ist sie noch einmal nach Ludwigshafen gekommen. In ihren Blick, der über den Luitpoldhafen bis zur Drehbrücke schweift, stiehlt sich ein Hauch Melancholie. So nah liegt hier alles beisammen: das Haus auf der Parkinsel, in dem sie mit ihrer Familie gewohnt hat; das frühere Straßenbahndepot, wo sie mit den Kindern ihres Spieltheaters geprobt hat; und der Bunker, Schauplatz des letzten Ludwigshafener Projekts „Disappearing“. „In Ludwigshafen bin ich das geworden, was ich heute bin“, sagt sie.

Die gebürtige Ungarin lernt schnell Deutsch

Die gebürtige Ungarin ging nach einem Schauspielstudium in Budapest, das Physical Theatre einschloss, nach Leipzig, um Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Germanistik zu studieren. In der deutschen Sprache kam sie schnell auf muttersprachliches Niveau. Ihre Texte fürs Theater schreibt sie in der Regel selbst und mit literarischem Anspruch.

Als Hansgünther Heyme, damals Leiter der Ruhrfestspiele Recklinghausen, eine Mitarbeiterin für die Regie suchte, wurde sie ihm von der Universität Leipzig empfohlen. Sie wurde seine Assistentin und bald auch seine Ehefrau. Als sie mit ihm nach Ludwigshafen kam, war sie mit ihrem zweiten Sohn im neunten Monat schwanger. „Ich hatte noch gar nichts gemacht“, betont sie, „und ich wusste auch nicht, was ich machen wollte.“ Ihren Studienabschluss in Leipzig machte sie von Ludwigshafen aus.

Internationale Kinderlieder

Ein Jahr später präsentierte sie ihre erste und gleich vielbeachtete Produktion internationaler Kinderlieder: „Deine Lieder für uns“. Partner war die Staatsphilharmonie. „Mein älterer Sohn ist mit ungarischen Kinderliedern aufgewachsen“, erzählt sie, wie sie auf die Idee kam. „Das hat seine Identität geprägt, ihn aber auch zum Außenseiter gemacht. Es gibt viele Kinder in dieser Situation. Ich dachte mir, dass man daraus Teilhabe machen kann und habe die Liedtexte ins Deutsche übersetzt.“

Mit dem von der BASF angestoßenen und finanzierten Delta-Projekt kam für sie die große Chance. Außer einem einzigen Spielclub hatte das Theater im Pfalzbau kein Kursangebot für Kinder und Jugendliche. Eva Adorjan nahm es in die Hand, eins aufzubauen, und in sehr kurzer Zeit gelang es ihr, mit den etablierten Kinder- und Jugendtheatern in Mannheim und Heidelberg auf Augenhöhe zu kommen. Zwei Angebote, die sie persönlich leitete, waren etwas damals absolut Neues: die Medienschule für kleine und das Kinderspieltheater für etwas größere Kinder.

Mit Kindern professionelle Theaterproduktionen

Nicht durch distanzierende Ablehnung sollten Kinder Medienkompetenz erlangen, sondern durch humorvolles kreatives Spielen mit den angesagten Superhelden und Monstern. 2008, fast aus dem Stand, gab es dafür einen Preis.

Das Konzept des Kinderspieltheaters, mit Kindern Theaterproduktionen auf professionellem Niveau zu erarbeiten, war quasi ein Tabu. Von den Fachkollegen hagelte es Kritik, vor allem am Casting. „Es ist wichtig“, verteidigt sie sich. „Ich kann keine Kinder auf die Bühne schicken, wenn ich nicht weiß, ob sie das wirklich wollen und auch durchstehen.“ Der Erfolg gab ihr recht. Es entstanden „Die Küchenseeschlange“, „Der König, der das Sagen hat“, „Zwei Elche im Schnee“, „Die drei Musketiere“ mit Showfechten (sie wurden nach Schottland eingeladen) und „Yvonne, die Burgunderprinzessin“. Die Texte waren adaptierte Klassiker oder nach eigenen Ideen geschrieben. Oft wurde gesungen. Manchmal stand Eva Adorjan mit auf der Bühne.

Erfolg mit der „Dreigroschenoper“

Mit der „Dreigroschenoper“ wagte sie eine Gratwanderung. Es hatte sich ein Ensemble gebildet, das inzwischen etwas älter war. Aber Gangster und Nutten für Jugendliche? Und die schwierigen Gesangsnummern? Einmal mehr war die Staatphilharmonie mit im Boot. „Die Dreigroschenoper“ wurde ein Erfolg und zum Kurt-Weill-Festival eingeladen.

Zusammen mit dem ungarischen Regisseur Andras Almasi Toth entstand „Hoffmann 2012.com“: Motive nach E.T.A. Hoffmann in der virtuellen Welt. Den renommierten Papageno Award für Produktionen mit jugendlichen Amateuren gab es dafür gleich zweimal: einen für die Produktion und einen für Mark-Kevin Denig als besten Darsteller.

Gründung des Nanotheaters

Nach dem Intendanten-Wechsel am Pfalzbau gründete Eva Adorjan den Verein Nanotheater, weil die Gruppe zusammenbleiben wollte und das auch der Wunsch der Eltern war. Dessen Spezialität waren Klassiker im Miniformat und Großprojekte mit vielen auch erwachsenen Mitwirkenden, wie zuletzt „Disappearing“. Mit allen Einstigen hat Eva Adorjan noch Kontakt. Einige haben theateraffine Berufe gewählt. Nora Henes, die Hauptdarstellerin der ersten Stunde, ist jetzt ein Star.

„Das Nanotheater war keine Gegenveranstaltung zum Jungen Theater im Pfalzbau“, betont Eva Adorjan. Des weiteren stellt sie klar, dass es niemals eine Verstimmung zwischen ihr und der Universität Landau gegeben habe. Dort war sie seit 2015 Dozentin für darstellendes Spiel. Mit Projekten für das Nanotheater und Inszenierungen für Chawwerusch (Ten things befor I die, Palz goes Paradise, Demut vor deinen Taten) war sie kreativ wohl nicht ausgelastet.

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