Quintessenz In der (Ludwigshafener) Steinzeit geparkt

Steffen Gierescher
Steffen Gierescher

Ja, wir haben einen Fehler gemacht. Einen schrecklichen, fast schon unverzeihlichen Fehler. Wurde auch prompt mit einem saftigen Bußgeld bestraft. Unser Parkausweis war abgelaufen. Leider haben wir es versäumt, ihn rechtzeitig um ein weiteres Jahr zu verlängern. Muss man so hinnehmen, kann ja niemand anderes was dafür. So weit, so schlecht.

Aber muss man auch das Amtsschimmel-Gebaren hinnehmen, das danach folgte? Fällt jedenfalls schwer. Nachdem wir unseren Fauxpas bemerkt hatten, fuhr ich – der laut Familienrat fürs Auto Verantwortliche – morgens zur zuständigen Stelle in der Achtmorgenstraße. Gleich um 8 Uhr. Stellte mich brav in die Schlange und landete irgendwann bei einem Mann mit Uniform, der unmissverständlich den Kopf schüttelte. „Nein“, sagte er. „Ohne Voranmeldung im Internet können Sie ihren Parkausweis nicht verlängern lassen.“ Etwas genervt zog ich davon. Gut, dachte ich. Hätte mich halt besser informieren sollen. Noch war ich optimistisch.

Übers Netz allerdings wurde uns erst ein Termin am 28. Juni eingeräumt, also mehrere Wochen, nachdem wir entdeckten, dass der Parkausweis abgelaufen war. Keine Chance auf einen früheren Termin. Und jetzt? Müssten wir halt schauen, wie wir damit klarkommen, wurde uns beschieden. Da könne man nix machen. Unser Problem.

Damit klarkommen heißt im Klartext: Das kann teuer werden. Denn im Umfeld unserer Wohnung in West gibt es so gut wie keinen kostenfreien Parkplatz. Und die wenigen, die es gibt, sind quasi dauerbelegt. Dementsprechend hatten wir in den nächsten Tagen wieder mehrere dieser blau-weißen Zettel am Scheibenwischer hängen, die einen nicht nur ärgern, sondern in der Summe bereits mehr kosten als ein Parkausweis für ein ganzes Jahr.

Nächster Anruf bei der Stadtverwaltung: Was können wir tun? Wenig, hieß es. Ausschau halten, ob ein früherer Termin frei wird. Pustekuchen, bisher jedenfalls. Aus purer Verzweiflung schrieb meine Frau auf den alten Parkausweis mit Kugelschreiber, dass der neue beantragt sei, sowie unseren konkreten Termin. Nützte aber nichts.

An einem der nächsten Tage hing schon wieder so ein Wisch am Wagen. Diesmal an der Heckscheibe. Schlechte Lesbarkeit der (ohnehin abgelaufenen) Parkkarte wurde uns laut QR-Code-Info zudem zur Last gelegt. Unser Fazit: Was hier abläuft, ist weder bürger- noch servicefreundlich. Sondern reine Schikane. Ja, und irgendwie auch Abzocke.

Wir wohnen schon 16 Jahre in West. Jährlich müssen wir den Parkausweis neu beantragen. Warum eigentlich? Unsere Daten sind doch hinterlegt. In Nachbarstädten verlängern sich Parkausweise automatisch, wenn man nicht wegzieht. Sie laufen über mehrere Jahre.

Oder man kann sie direkt im Netz verlängern, ohne dass man irgendwo vortanzen muss. Warum ist das im digitalen Zeitalter in Ludwigshafen nicht möglich? Warum so umständlich, wenn es doch einfacher geht und überall das Personal knapp ist?

Wie gesagt, der Ausgangsfehler lag bei uns. Aber das Nicht-Entgegenkommen in der Folge und das Prozedere an sich sind – sorry – Steinzeit.

Die Kolumne

Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

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